17.03.2026

Überreste einer Gruft aus dem 17. Jahrhundert

„Die ganze Kirche ist voller Gruften.
Je reicher die Kaufleute desto näher am Altar haben sie sich bestatten lassen.“

„Aber selbst in einer so großen Kirche ist der Platz begrenzt.“

„Deswegen hat man irgendwann nach unten ‚ausgebaut‘. Und das konnten wir jetzt nachweisen.“

Im südlichen Seitenschiff machte unser Team einen überraschenden Fund: eine Gruft, dessen vier Backsteinwände mit Fresken und Bibelversen bemalt sind.

Die Gruft war mit Holzkohle und Schutt verfüllt– das war für uns sehr aufschlussreich. Dieser Fund lässt darauf schließen, dass die Gruft beim Luftangriff im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt wurde. Wir gehen davon aus, dass die bis dahin intakte Gruft durch das herabstürzende Dach durch die Bombardierung erheblich in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Doch mit jedem Fund stellen sich neue Fragen: Wann wurde diese Gruft errichtet? Wer lag hier? Und wo sind die sterblichen Überreste jetzt?

Im Zuge des Wiederaufbaus nach dem Krieg und beim Einbau des modernen Backsteinbodens wurde die Gruft größtenteils geleert – der entstandene Hohlraum wurde anschließend mit Trümmern sowie Resten verfüllt. Was mit den dort bestatteten passiert ist, lässt sich leider nicht mehr rekonstruieren.

Nun, viele Jahrzehnte später, eröffnet sich jedoch eine neue Phase der Erforschung: die Mauern wurden wieder freigelegt, wobei bereits erste Details sichtbar geworden sind. Schon jetzt lassen sich Inschriften und Malelreien klar erkennen. Schriftbild und die Ausführung der Malerei weisen dabei auf das 17. Jahrhundert hin. Die Texte sind Zitate aus der Bibel. Die Inschriften können als Ausweis persönlicher Frömmigkeit gesehen werden, andererseits sind sie gleichzeitig „Ausweispapiere“ für das Jenseits, die den Adressaten Gott an sein gegebenes Versprechen auf die leibliche Auferstehung, also die Vereinigung der Seele mit dem verklärten Leib erinnern soll. Solche Bibelzitate finden sich geradezu leitmotivisch und sehr zahlreich in der barocken Bestattungskultur; sie gehören zum Luther´schen Kanon jener Zeit.

Der Fund verdeutlicht erneut, welche spannenden Entdeckungen noch immer unter dem Kirchenboden verborgen liegen.

  • Bild: 3D-Scan Gruft

Bsp. Spruchtext:

„Christus ist mein Leben, Sterben ist mein Gewinn“
(Philipper 1, 21)

Ich weiß, daß mein Erlöser lebt und er wird mich hernach aus der Erde auferwecken und werde danach mit dieser meiner Haut umgeben werden und werde in meinem Fleisch Gott sehen….“
(Hiob 19, 25-27)