Wasser kehrt zurück

Das Behlendorfer Waldmoor erwacht zum Leben

Wiedervernässung des Behlendorfer Waldmoors im Stadtwald Lübeck abgeschlossen – 24 Hektar Moorlandschaft auf dem Weg zur Regeneration

Es gibt Orte, an denen man die Zeit spüren kann. Das Behlendorfer Waldmoor im Forstrevier Behlendorf des Stadtwalds Lübeck ist so ein Ort. Uralt ist der Torf unter seinen Füßen – entstanden in einem Toteisloch der letzten Eiszeit, gewachsen über Jahrtausende. Dann kam die Entwässerung, spätestens seit 1751, und das Moor begann zu schwinden. Heute, nach jahrelanger sorgfältiger Planung und dem beherzten Einsatz vieler Partner, fließt das Wasser zurück.

Die Wiedervernässungsmaßnahmen im Behlendorfer Waldmoor sind abgeschlossen. Auf einem Bearbeitungsgebiet von rund 24 Hektar Moorbiotope und feuchte Waldflächen – eingebettet in ein Gesamtprojektgebiet von 78 Hektar – wurden die hydrologischen Verhältnisse grundlegend verbessert. Das Moor im Herzen des Behlendorfer Forstes atmet wieder.

Fakten auf einen Blick

  • Projektgebiet: 78 ha gesamt, 24 ha Bearbeitungsgebiet (Moorbiotope und Feuchtwald)
  • Lage: Behlendorfer Forst, Gemeinde Behlendorf, Kreis Herzogtum Lauenburg
  • Eigentümer: Hansestadt Lübeck (Stadtwald Lübeck, Forstrevier Behlendorf)
  • Antragsteller: Natur Plus e.V., Panten
  • Planung: Planungsbüro Mordhorst-Bretschneider GmbH, Nortorf
  • Genehmigung: Kreis Herzogtum Lauenburg, Untere Wasserbehörde, 10.11.2025 (kostenfrei)
  • Baukosten (kalkuliert): ca. 31.860 Euro brutto
  • Zielwasserstand: 35,55 m NHN (= Mittelwasserstand Behlendorfer See)
  • Zentrale Bauwerke: 2 Mönche (Staukasten), 1 Durchlass mit Rückstauklappe, 25 Erdstaue
  • Zeitraum bis Zielzustand: mindestens 10 Jahre (stufenweise Wasserstandsanhebung)

Jahrhunderte der Entwässerung – jetzt die Wende

Noch auf der Varendorf'schen Karte von 1789–96 ist das Behlendorfer Moor vollständig als Moorfläche eingetragen. Doch spätestens seit Mitte des 18. Jahrhunderts wurde es durch den sogenannten Papiermühlengraben systematisch entwässert. Mit dem Bau des Elbe-Lübeck-Kanals um 1900 wurde dieser Graben noch einmal um rund 75 Zentimeter vertieft – und das Moor verlor immer mehr von seinem Wasser und seiner Lebendigkeit.

Das Ergebnis war ein stark degradiertes Moor: Torfschichten sacken, wertvolle Torfmoose weichen Birken und Farnen, und aus einem lebendigen Kohlenstoffspeicher wird ein Treibhausgasemittent. Datenlogger, die seit 2020 die Wasserstände im Moor messen, belegten die dramatisch abgesunkenen Grundwasserspiegel und die dringende Notwendigkeit zum Handeln.

Was konkret getan wurde: Wasser halten, Moor heilen

Im Kern der Maßnahmen stehen zwei sogenannte Mönche – regelbare Staubauwerke aus Metall, die im Verlauf des Verbandsgrabens (Gewässer Nr. 7) eingebaut wurden und es erstmals seit Jahrhunderten ermöglichen, den Wasserstand im Moor gezielt zu steuern. Ergänzt werden sie durch einen neuen Durchlass mit Rückstauklappe zwischen Moor und Behlendorfer See: Er verhindert, dass wertvolles Moorwasser in den See abfließt – lässt aber bei hohem Seestand frisches Seewasser ins Moor einströmen.

Darüber hinaus wurden 25 Erdstaue in Gräben angelegt, um den Wasserabfluss aus dem Moor zu verlangsamen, Quellbereiche am Südrand des Moores aufgewertet und am Nordrand eine naturnahe Verrieselungsrinne geschaffen, die quellig zufließendes Wasser in die Moorfläche zurückleitet. Die gesamte Bauausführung erfolgte mit spezialisierten Moorbaggern mit niedrigem Bodendruck – schonend für das empfindliche Torffundament.

Die Wasserstandsanhebung erfolgt dabei bewusst schrittweise über mehrere Jahre: Flora und Fauna erhalten Zeit zur Anpassung, bevor der Zielwasserstand von 35,55 m NHN – dem mittleren Wasserstand des benachbarten Behlendorfer Sees – langfristig erreicht wird. Ein Prozess, der mindestens zehn Jahre in Anspruch nehmen wird und von laufenden Wasserstandsmessungen begleitet wird.

Mehr als ein Moor: Ein Akt des Klimaschutzes

Intakte Moore sind die mächtigsten Kohlenstoffspeicher der Erde. Das wiedervernässte Behlendorfer Waldmoor wird künftig keine klimaschädlichen Gase mehr in die Atmosphäre abgeben – sondern Kohlenstoff binden und im Torf festlegen. Es verbessert den lokalen Wasserhaushalt, puffert Hochwasserspitzen ab und filtert Nährstoffe aus dem Wasser. Mit dem Aufkommen von Torfmoosen, Wollgras, Sonnentau und moortypischer Fauna wird die Biologische Vielfalt in diesem einzigartigen Lebensraum Schritt für Schritt wiederhergestellt.

Gemeinsam für die Natur – die beteiligten Partner

Dieses Projekt wäre nicht möglich gewesen ohne das außergewöhnliche Engagement aller Beteiligten. Initiiert und getragen wurde das Vorhaben vom Stadtwald Lübeck / Hansestadt Lübeck als Eigentümerin der Flächen und entscheidendem Projektpartner. Die fachliche Planung und Genehmigungsplanung übernahm das Planungsbüro Mordhorst-Bretschneider GmbH, Nortorf. Den Förder- und Genehmigungsantrag stellte Natur Plus e.V., Panten (Dörpstraat 50, 23898 Duvensee) als Antragstellerin.

Die wasserrechtliche Genehmigung gemäß § 68 WHG erteilte der Kreis Herzogtum Lauenburg – Untere Wasserbehörde (Fachdienst Wasserwirtschaft, Ratzeburg) am 10. November 2025 – kostenfrei aufgrund der anerkannten Gemeinnützigkeit des Antragstellers. Das naturschutzrechtliche Einvernehmen erteilte die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Herzogtum Lauenburg. Die Gemeinde Behlendorf stimmte der Maßnahmenumsetzung und der Wasserstandsanhebung auf ihren Flächen ausdrücklich zu.

Allen Beteiligten, die dieses Projekt mit Fachwissen, Geduld und Überzeugung begleitet haben, gilt der herzliche Dank der Hansestadt Lübeck. Was hier im Behlendorfer Forst entstanden ist, ist mehr als ein Naturschutzprojekt – es ist ein Zeichen des Respekts vor einer Landschaft, die viel zu lange auf ihre Wiedergeburt gewartet hat.

Wie geht es weiter? Beobachten, lernen, schützen

Vier Datenlogger werden in den kommenden Jahren kontinuierlich die Wasserstände im Moor und am Behlendorfer See überwachen. Vegetationsaufnahmen sollen die biologische Entwicklung dokumentieren und zeigen, wie die Natur auf das zurückkehrende Wasser reagiert. Das Behlendorfer Waldmoor ist Teil des öffentlich zugänglichen Stadtwalds und lädt Bürgerinnen und Bürger ein, diese außergewöhnliche Landschaft zu erleben – auch wenn ihre tiefgreifende Veränderung eine stille, langsame und zutiefst natürliche sein wird.

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