Die Sonderausstellung „Ziemlich privilegiert! Lübeck und die Reichsfreiheit“ des Archivs der Hansestadt Lübeck im Burgkloster des Europäischen Hansemuseums (EHM)
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In diesem Jahr feiert das Lübecker Reichsfreiheitsprivileg sein 800-jähriges Jubiläum. Aus diesem Anlass ist ab dem 18. Mai 2026 die Sonderausstellung „Ziemlich privilegiert! Lübeck und die Reichsfreiheit“ des Archivs der Hansestadt Lübeck im Burgkloster des Europäischen Hansemuseums (EHM) zu sehen. Die dreimonatige Schau zeigt anhand diverser Objekte aus Vergangenheit und Gegenwart die unterschiedlichen Facetten dieser besonderen Privilegierung für die Stadt Lübeck. Mit dem Reichsfreiheitsbrief wird zudem das wohl bedeutsamste Dokument der Lübecker Geschichte im Original ausgestellt.
Warum wird ein vor Hunderten von Jahren ausgestellter Reichsfreiheitsbrief im 20. Jahrhundert noch zur Klärung eines Streits zwischen Lübecker und Mecklenburger Fischern herangezogen? Weshalb suchten im Mittelalter Städte wie Kiel oder Rostock bei schwierigen Rechtsfragen Lübecker Ratsherren für eine Entscheidung auf? Und wovon sprach Thomas Mann eigentlich, als er Lübeck in einem Vortrag als eine geistige Lebensform bezeichnete?
Die Schau beleuchtet die verschiedenen Folgen der Lübecker Privilegierung und wirft einen Blick darauf, welche Auswirkungen der Reichsfreiheitsbrief auf das Lübecker Stadtgebiet, das städtische Recht, die Wirtschaft sowie die Ausprägung einer „lübschen“ Mentalität hatte. „Denn durch den 1226 ausgestellten Reichsfreiheitsbrief nahm Lübeck über Jahrhunderte hinweg eine herausgehobene Stellung gegenüber den Nachbarstädten ein“, erklärt Monika Frank, Senatorin für Kultur und Bildung der Hansestadt Lübeck. „Und mit ihren zahlreichen Bestimmungen prägt die Urkunde die Hansestadt zum Teil bis heute.“
Wie weitreichend diese Privilegierung damals wirkte, zeigt sich auch im Bereich des Rechts. „Mit dem Lübischen Recht entwickelte sich in Lübeck ein regelrechter „Exportschlager“ des Mittelalters“, erläutert Dr. Dominik Kuhn, Leiter des Archivs der Hansestadt Lübeck. Entlang der Ostseeküste bis ins heutige Baltikum verbreitet, steht es für eine frühe Form der Rechtsvereinheitlichung über Grenzen hinweg und zählt laut Kuhn zu den bedeutendsten Rechtsordnungen des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Begleitend zur Ausstellung werden regelmäßig Kurator:innen-Führungen angeboten, die vertiefende Einblicke in die Geschichte des Reichsfreiheitsbriefs und seine weitreichenden Folgen geben. Die Führungen finden ab dem 18. Mai 2026 donnerstags um 17 Uhr und sonntags um 14 Uhr im wöchentlichen Wechsel statt. Mehr Informationen unter: www.hansemuseum.eu/ausstellung/ziemlich-privilegiert/
„Das Burgkloster ist ein außergewöhnlicher Ort der Lübecker Geschichte“, betont EHM-Direktorin Dr. Felicia Sternfeld und ergänzt: „Hier lassen sich die langen Linien städtischer Entwicklung besonders eindrücklich nachvollziehen. Damit bietet es den idealen Rahmen für eine Ausstellung über die Reichsfreiheit und ihre Wirkungsgeschichte.“ Begleitend zur Ausstellung lädt die Vortragsreihe „Ziemlich viel Freiheit“ des Vereins für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde dazu ein, die historischen Entwicklungen der städtischen Selbstverwaltung und ihre Bedeutung bis in die Gegenwart hinein weiter zu vertiefen. Mehr Informationen zum Vortragsprogramm gibt es unter www.vlga.de +++
Quelle: Europäisches Hansemuseum
