Veröffentlicht am 13.05.2026

Pflegende und pflegende Angehörige zu entlasten

Forderung des Frauenbüros anlässlich des Internationalen Tages der Pflegenden

Zum Internationalen Tag der Pflegenden am 12. Mai fordert das Lübecker Frauenbüro, Pflegende und pflegende Angehörige zu entlasten. In Lübeck gibt es rund 13.000 Pflegebedürftige, dazu kommen deren Angehörige sowie rund 4.000 Beschäftigte in der Pflege.

„Auch wenn die öffentlichen Kassen zunehmend unter Druck stehen, darf an guter Pflege und einer weiteren Entlastung pflegender Angehöriger nicht gespart werden“, so Elke Sasse, Gleichstellungsbeauftragte der Hansestadt Lübeck mit Blick auf geplante Reformen der Kranken- und Pflegeversicherung. „Pflege ist auch ein Gleichstellungsthema“, so Sasse. „Denn sowohl die Pflegebedürftigen sind zu 62 Prozent weiblich, als auch die Pflegenden sind mehrheitlich Frauen.“ Professionelle Pflege wird zu 84 Prozent von Frauen geleistet, bei den pflegenden Angehörigen sind es 2/3 Frauen.

Der Lübecker Pflegebedarfsplan 2017 bis 2030 hat bereits 2020 einen Anstieg der Zahl der Pflegebedürftigen von 8.521 auf 9.256 prognostiziert, bei gleichzeitigem Rückgang des „Pflegepotentials“. Aktuelle Zahlen aus 2023 liegen bereits weit über den damaligen Prognosen: 2023 gab es in Lübeck laut Pflegestatistik des Landes Schleswig-Holstein 12.926 Pflegebedürftige, die Leistungen erhielten und einen Pflegegrad hatten. Darunter 5.207 Männer und 7.719 Frauen.

44 Prozent der Pflegebedürftigen erhielten Pflegegeld. In diesen Fällen übernahmen Angehörige oder andere ehrenamtlich tätige Pflegepersonen die Pflege.

Eine professionelle Versorgung gab es bei 56 Porzent der Pflegenden „professionell“ (davon 2.307 durch ambulante Pflegedienste und 3.056 in stationären Pflegeeinrichtungen). In der ambulanten und stationären Pflege in Lübeck waren 2023 insgesamt 3.874 Menschen beschäftigt.

„In den Gleichstellungsberichten der Bundesregierung sind bereits eine Reihe von guten Vorschlägen gemacht worden“, so Elke Sasse, Gleichstellungsbeauftragte der Hansestadt Lübeck. Insbesondere im Themenblatt „Gleichstellung und Pflege“ gebe es viele Empfehlungen, die von ausreichend Personal und Zeit für gute Pflege über die Überwindung des Primats informeller, familiärer und meist von Frauen geleisteter Pflege bis zu mehr quartiersbezogenen Planungen reichen.

Kosten für Pflegebedürftige steigen: Mit Auswirkungen auf die Angehörigen und v.a. Frauen

Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft zahlen Heimbewohner:innen im Bundesdurchschnitt im ersten Jahr ihres Aufenthalts monatlich 2.948 Euro für Pflege, Unterkunft und Verpflegung sowie Investitionskosten aus eigener Tasche. In Lübeck sind es demnach 2.858 Euro Eigenbeteiligung (mit Investitionskosten).

„Dabei gaben schon 2019 rund die Hälfte der pflegenden Angehörigen als Grund für die eigene Übernahme der Pflege finanzielle Gründe an“, so Petra Schmittner, Mitarbeiterin im Frauenbüro. Der 1. Bericht des unabhängigen Beirats für die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf stellte fest, dass

44 Prozent der Hauptpflegepersonen, die in der Mehrzahl weiblich und zwischen 45 und 64 Jahre alt waren, ein Haushaltseinkommen von unter 1.000 Euro hatten. 42 Prozent waren (Schwieger-) Töchter oder – söhne, 28 Prozent Partner:innen, 14 Prozent Mütter oder Väter, 9 Prozent sonstige Verwandte und 7 Prozent Nachbarn/Bekannte.

„2023 legte der Beirat dann einen zweiten Bericht und ein Modell zur Reform von Pflegezeit und Familienpflegezeit sowie zur Einführung eines steuerfinanzierten Familienpflegegeldes vor“, so Schmittner „und schlug damit eine Lohnersatzleistung für pflegende Angehörige analog dem Elterngeld vor.“

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Quelle: Frauenbüro