Mütter in Lübeck betreuen auch heute noch rund die Hälfte der rund 4.800 Kinder unter drei Jahren komplett zu Hause (49,4 Porzent aller Kinder in diesem Alter) sowie 727 Kinder zwischen 3 und 6 Jahren (11,4 Prozent).
Zwar habe die Hansestadt die Kinderbetreuung in Kitas und der Tagespflege seit 2005 stark ausgebaut und die Erwerbstätigkeit der Frauen ist dadurch stark gestiegen.
„Dennoch betreuen weiterhin ganz überwiegend Mütter ihre Kinder zwischen Geburt und dem etwa 15. Lebensjahr der Kinder“, so Elke Sasse, Gleichstellungsbeauftragte der Hansestadt Lübeck.
„Väter übernehmen zwar mehr Sorgearbeit als früher, trotzdem tragen Mütter weiter den größten Teil der Elternzeit und der unbezahlten Betreuungsleistung. Frauen leisten pro Woche ca. neun Stunden mehr unbezahlte Care-Arbeit als Männer, arbeiten daher wesentlich häufiger in Teilzeit und verdienen deshalb im Schnitt 825 Euro pro Monat weniger als Männer“, so die Auswertung der Zahlen durch Petra Schmittner, Mitarbeiterin im Frauenbüro Lübeck.
Über den gesamten Lebensverlauf betrachtet koste sie das viel: In Westdeutschland haben Frauen rund 62 Prozent weniger, in Ostdeutschland rund 48 Prozent weniger Brutto-Lebenserwerbseinkommen (Bertelsmann-Studie). Im vierten Jahr nach der Geburt verdienten Mütter durchschnittlich 30.000 Euro pro Jahr weniger als Frauen ohne Kinder, so eine Studie des ZEW (2025). Da verwundere die immer geringer werdende Zahl der Kinder nicht.
In Folge dessen sind Frauen zum Beispiel häufiger auf Wohngeld angewiesen als Männer: Frauen stellten 2024 in Lübeck 64,6 Prozent der Wohngeldempfänger:innen.
„Die finanziellen Auswirkungen der Übernahme von Care-Aufgaben wie Kinderbetreuung und Pflege muss endlich überwunden und auch politisch angegangen werden“, fordert Petra Schmittner, Mitarbeiterin im Frauenbüro. „Care-Arbeit gehört zu den Basics und grundlegenden Pfeilern der Gesellschaft und des Zusammenhalts.“
Aufgrund der bundesweiten Haushaltslage und anderer politischer Prioritäten stehen derzeit viele staatliche Leistungen auf der Streichliste, die für Mütter und ehemalige Mütter besonders wichtig sind: Angefangen beim Wohngeld über die Bürgergeldreform (Änderung der Kosten der Unterkunft) bis zu Sparplänen bei Alleinerziehenden und deren Kindern (Unterhaltsvorschuss) oder bei der Prävention von Gesundheitsleistungen wie Mutter-Kind-Kuren.
„Politik muss auf allen staatlichen Ebenen die unterschiedlichen Auswirkungen der geplanten ‚Reforme‘ auf Frauen und Männern im Blick haben“, so Sasse. „Und es braucht mehr Frauen und Mütter, die in der Politik mitentscheiden – mit für sie passenden Strukturen.“
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Quelle: Frauenbüro
