Veröffentlicht am 14.04.2026

Wasserstand im Behlendorfer Waldmoor wird angehoben

24 Hektar Moorfläche im Stadtwald Lübeck werden nach Jahrhunderten der Entwässerung renaturiert

Kern der Renaturierung sind neue wasserbauliche Anlagen zur Steuerung des Wasserstandes. Zwei regelbare Staubauwerke, sogenannte „Mönche“, wurden in einem Entwässerungsgraben installiert und ermöglichen es, den Wasserstand im Moor gezielt zu regulieren.

Die Wiedervernässung des Behlendorfer Waldmoors im Stadtwald Lübeck ist abgeschlossen. Auf rund 24 Hektar Moor- und Feuchtwaldfläche wurden die Wasserverhältnisse grundlegend verbessert, sodass der Wasserstand erstmals seit Jahrhunderten wieder gezielt angehoben werden kann. Ziel der Maßnahmen ist es, die natürliche Funktion des Moores wiederherzustellen, den Klimaschutz zu stärken und seltene Tier- und Pflanzenarten zu fördern.

Staubauwerke ermöglichen gezielte Regelung des Wasserstandes

Kern der Renaturierung sind neue wasserbauliche Anlagen zur Steuerung des Wasserstandes. Zwei regelbare Staubauwerke, sogenannte „Mönche“, wurden in einem Entwässerungsgraben installiert und ermöglichen es, den Wasserstand im Moor gezielt zu regulieren. Ergänzend wurde ein Durchlass mit Rückstauklappe zwischen Moor und Behlendorfer See eingebaut. Dieser sorgt dafür, dass Wasser bei hohem Seestand in das Moor einströmen kann, während gleichzeitig verhindert wird, dass Wasser aus dem Moor in den See abfließt. Darüber hinaus wurden in den bestehenden Gräben 25 Erddämme angelegt, die das Wasser zurückhalten. Quellbereiche am Südrand des Moores, also natürliche Austrittsstellen von Grundwasser, wurden ökologisch aufgewertet. Am Nordrand entstand zudem eine sogenannte Verrieselungsrinne, über die zufließendes Wasser gleichmäßig in die Fläche verteilt wird. Die Bauarbeiten erfolgten mit speziellen Moorbaggern, die aufgrund ihres sehr geringen Bodendrucks das empfindliche Torffundament schützen. Während der gesamten Bauzeit wurde das Projekt fachlich durch eine ökologische Baubegleitung überwacht.

Schrittweise Anhebung des Wasserstandes

Die Anhebung des Wasserstandes erfolgt schrittweise über mehrere Jahre, um die Vegetation und die Geländeform zu schonen. Ausgangswerte liegen derzeit bei 35 beziehungsweise 35,40 Metern über dem Normalhöhennull, einem amtlichen Bezugssystem für Höhenangaben in Deutschland. Angestrebt wird ein Wasserstand von 35,55 Metern über Normalhöhennull, der dem durchschnittlichen Wasserstand des Behlendorfer Sees in den Jahren 2015 bis 2019 entspricht. Bis dieser Zielzustand erreicht ist, wird ein Zeitraum von mindestens zehn Jahren erwartet. Ein kontinuierliches Monitoring mit Messgeräten überwacht die Entwicklung der Wasserstände, während in Abständen von drei bis fünf Jahren Vegetationsuntersuchungen durchgeführt werden, um den Erfolg der Maßnahmen zu überprüfen.

Intakte Moore binden langfristig Kohlenstoff

Die ökologische und klimatische Bedeutung der Wiedervernässung ist erheblich. Intakte Moore speichern große Mengen Kohlenstoff, indem abgestorbene Pflanzenreste unter nassen Bedingungen zu Torf werden und nicht vollständig zersetzt werden. Durch die frühere Entwässerung wurde dieser Prozess umgekehrt: Der Torf begann sich zu zersetzen, ein Vorgang, der als Mineralisation bezeichnet wird, und setzte dabei klimaschädliche Treibhausgase frei. Durch die Wiedervernässung soll diese Freisetzung gestoppt und langfristig wieder Kohlenstoff im Moor gebunden werden. Gleichzeitig übernimmt das Moor wichtige Funktionen für den Naturhaushalt, indem es Hochwasser abpuffert, Nährstoffe filtert und das lokale Klima verbessert. Mit der Rückkehr höherer Wasserstände wird außerdem erwartet, dass typische Moorpflanzen wie Torfmoose wieder wachsen und seltene Arten neuen Lebensraum finden.

Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein untertsützt das Projekt finanziell

Das Projekt wurde von der Hansestadt Lübeck als Eigentümerin der Flächen initiiert und gemeinsam mit dem Verein Natur Plus als Antragsteller für die wasserrechtliche Genehmigung umgesetzt. Die finanziellen Mittel stellte die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein aus dem Moorschutzfonds des Landes bereit. Die fachliche Planung übernahm das Planungsbüro Mordhorst-Bretschneider GmbH. Die Genehmigung wurde durch die Untere Wasserbehörde des Kreises Herzogtum Lauenburg erteilt, während die Untere Naturschutzbehörde das naturschutzrechtliche Einvernehmen sicherstellte. Unterstützt wurde das Vorhaben zudem durch die Integrierte Station Lauenburgische Landschaften. Insgesamt umfasst das Projektgebiet 78 Hektar, von denen 24 Hektar aktiv bearbeitet wurden. Die Baukosten beliefen sich auf rund 46.000 Euro.

Geschichtlicher Hintergrund

Das Behlendorfer Moor entstand nach der letzten Eiszeit, der sogenannten Weichseleiszeit, in einem Toteisloch, also einer Senke, die durch schmelzendes Eis gebildet wurde. Historische Karten belegen, dass das Gebiet bis ins 18. Jahrhundert ein intaktes Moor war. Spätestens ab dem Jahr 1751 wurde es jedoch durch den sogenannten Papiermühlengraben systematisch entwässert. Mit dem Bau des Elbe-Lübeck-Kanals um 1900 wurde dieser Graben zusätzlich um etwa 75 Zentimeter vertieft, wodurch sich die Entwässerung weiter verstärkte. In der Folge trocknete der Torf, also der im Moor gespeicherte, nur teilweise zersetzte Pflanzenrest, aus und sackte zusammen. Typische Moorpflanzen verschwanden weitgehend und wurden durch Birkenbestände und Farne ersetzt. Seit dem Jahr 2020 dokumentierten Messgeräte, sogenannte Datenlogger, dauerhaft abgesenkte Grundwasserstände und belegten damit den dringenden Bedarf für eine Renaturierung.

Mit dem Abschluss der Bauarbeiten ist ein wichtiger Schritt zur Wiederherstellung eines ökologisch wertvollen Lebensraums im Stadtwald Lübeck gelungen.

Weitere Infos zur Maßnahme sind online abrufbar unter www.luebeck.de/waldmoor

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