Veröffentlicht am 19.03.2026

Sonderausstellung „Bis auf die Knochen“ ab 21. März 2026

Ausstellung im Museum für Natur und Umwelt gibt Einblicke in Evolution, Anatomie, Physiologie

Museum für Natur und Umwelt

Ab 21. März 2026, lädt die neue Sonderausstellung „Bis auf die Knochen“ des Lübecker Museums für Natur und Umwelt dazu ein, Knochen und Skelette aus verschiedenen Perspektiven zu entdecken. Sie gibt Einblicke in Evolution, Anatomie, Physiologie sowie in die Prozesse beim „Versteinern“ von Knochen. Zu sehen sind über 100 Objekte aus den Bereichen Zoologie, Paläontologie, Archäologie, Kunst und Ethnologie vom Zeitalter des Jura bis in die Gegenwart. Es werden Knochen verschiedenster Tierarten gezeigt, von der Fledermaus bis hin zum Flusspferd. Die Exponate stammen größtenteils aus den naturwissenschaftlichen Sammlungen des Hauses; viele Objekte werden zum ersten Mal im Museum präsentiert. Sie kommen aus Afrika, Nord- und Südamerika, Asien, Europa, den Weltmeeren sowie aus der Region. Darüber hinaus gibt es auch ausgewählte Gegenstände aus der Lübecker Sammlung Kulturen der Welt sowie lokale Funde der städtischen Archäologie und Denkmalpflege. Ein besonderes Highlight ist das Knochenwesen „Leviathan“ der Künstlerin Käthe Wenzel. Die Ausstellung wurde von der wissenschaftlichen Volontärin Kira Hinrichs zusammen mit der Direktorin des Museums für Natur und Umwelt Dr. Susanne Füting kuratiert. Sie ist bis zum 13. September zu sehen.

Knochen faszinieren mit ihren biologischen Funktionen und Leistungen sowie als Material. Im Körper sind sie ein lebendes Gewebe, das sich ein Leben lang verändert. In knöchernen Überresten und Fossilien ist gespeichert, wo und wie ein Tier oder ein Mensch gelebt hat. Knochen können Baumaterial, Gebrauchsgegenstand, Musikinstrument oder Kunstobjekt sein.

In der Ausstellung finden sich anatomische Beispiele für die Variationen desselben Grundbauplans der Skelette von Wirbeltieren wie Fischen, Vögeln und Säugetieren. Anhand von Flossen und Flügeln wird aufgezeigt, wie Tiere im Lauf der Evolution mit stabilen und gleichzeitig beweglichen Skeletten an verschiedene Bewegungsformen angepasst wurden. In weiteren Themenbereichen informiert die Schau über die wissenschaftlichen Sammlungen des Museums für Natur und Umwelt, über den Zweck von Sammlungen als Grundlage für Forschung und Ausstellungen sowie über die Herkunft verschiedener Objekte. Dabei geht es auch um eine kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte des eigenen Hauses und der Sammelpraxis.

Ein weiteres Thema der Schau ist die Präparation von Knochen, der Bau von Modellen und Dermoplastiken. Die Vielgestaltigkeit von Knochen wird durch Schädel mit verschiedensten Gebissen, Schnäbeln, Geweihen oder Hörnern veranschaulicht. Zudem gibt es Einblicke in die Welt der „Knochenlosen“, die alternative festigende und stabilisierende Strukturen aufweisen, wie beispielsweise ein schützendes Außenskelett.

Zu den Highlights der Ausstellung zählen Objekte wie der Abguss des Skeletts eines Archaeopteryx, des Urvogels, aus den Solnhofener Plattenkalken im Altmühltal, wobei das Original 150 Millionen Jahre alt ist. Aus der Zeitspanne vom Mittelalter bis in die Neuzeit stammen die lokalen Funde der Stadtarchäologie Lübeck, die Gegenstände aus Knochen und Überreste aus der Produktion von Knochenobjekten darstellen. Dazu zählen neben Alltagsgegenständen auch Funde, die auf Freizeitbeschäftigungen, Religiosität, das Arbeitsleben und den medizinischen Bereich hinweisen. Weiterhin sind Schädel eines Flusspferdes und eines Krokodils zu sehen, die beide über 100 Jahre alt sind. Viele in der Region gefundene Vogel- und Säugetierschädel sind überwiegend dem späten 20. Jahrhundert und der Gegenwart zuzuordnen. Das größte Skelett innerhalb der Sammlungen des Museums ist das Skelett eines heutigen Pottwals. Ein eigenes Thema bilden die ausgestellten fossilen Knochen von Meerestieren, die aus der Grube von Groß Pampau aus dem Herzogtum Lauenburg stammen und circa 11 Millionen Jahre alt sind. Hierzu zählen die fossilen Überreste einer Robbe aus der Familie der Hundsrobben und Teile eines Pottwalschädels. Zudem zeigen Leihgaben aus der Lübecker Sammlung Kulturen der Welt, wie Knochen in vielen Kulturen auf der ganzen Welt vielseitig genutzt werden, vom Amulett der Batak aus Indonesien bis hin zu Schreibtafeln aus Dromedarknochen aus Sansibar.

Ein besonderes Highlight der Schau ist die Skulptur „Leviathan“ von Käthe Wenzel, Professorin für Ästhetische Praxis an der Europa-Universität Flensburg. Mit den Knochen von auf der Straße überfahrenen Tieren hat sie ein Kunstwerk in Form eines Walskeletts erschaffen. Damit möchte Wenzel auf den Umgang der Menschen mit anderen Lebewesen sowie auf das Artensterben, den Klimawandel und die Entfremdung von der Natur und ihren Kreisläufen hinweisen.

Kira Hinrichs, wissenschaftliche Volontärin und Kuratorin der Ausstellung, freut sich auf den Ausstellungsbeginn: „Da wir so viele verschiedene Themen rund um Knochen aufgreifen, wird für alle Besuchenden jeden Alters etwas Interessantes dabei sein, da bin ich mir sicher. Und niemand wird diese Ausstellung verlassen, ohne etwas Spannendes über Knochen und Skelette dazugelernt zu haben.“ Museumsdirektorin Dr. Susanne Füting ergänzt: „Knochen sind mehr als ein starres Gerüst, sie sind lebendiges Gewebe. Unsere Knochen wachsen, heilen und erneuern sich. Die Ausstellung lädt auch ein, sich näher mit dem eigenen Skelett zu befassen.“

„Bis auf die Knochen“ ist zweisprachig angelegt. Die Ausstellungstexte können in der englischen Version per QR-Code abgerufen werden.

Die Schau konnte durch die finanzielle Unterstützung der Possehl-Stiftung und des Fördervereins des Museums für Natur und Umwelt realisiert werden.

Eröffnung

Die Ausstellung „Bis auf die Knochen“ wird am Freitag, 20. März, um 18 Uhr im Museum für Natur und Umwelt eröffnet. Nach Grußworten von Monika Frank, Senatorin für Kultur und Bildung der Hansestadt Lübeck, und Dr. Tilmann von Stockhausen, dem Leitenden Direktor der LÜBECKER MUSEEN, geben Dr. Susanne Füting, Direktorin des Museums für Natur und Umwelt, und Kira Hinrichs, wissenschaftliche Volontärin, eine Einführung in die Schau. Für die musikalische Untermalung sorgt das Duo FlowMotion rund um Ulrich Nanz und Tim Maertens, die unter dem Titel „Strecke Deine Knochen in den Wind“ knöcherne Klänge, Trommelschlag und Flötentöne zu Textfragmenten aus dem Lübecker Totentanz sowie zu Texten von Arthur Rimbaud, Arthur Schopenhauer und Gottfried Benn bis Joseph Beuys, Dylan Thomas, Elfriede Jelinek und Tim Maertens darbieten. Die Teilnahme an der Eröffnung ist kostenfrei.

Begleitveranstaltungen

Begleitend zur Ausstellung finden zahlreiche Veranstaltungen wie öffentliche Führungen und Vorträge statt. Diese sind tagesaktuell der Homepage des Museums für Natur und Umwelt zu entnehmen. Führungen für Gruppen und Schulklassen können telefonisch unter 0451- 122 2296 gebucht werden.

Weitere Informationen unter https://museum-fuer-natur-und-umwelt.de

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Quelle: Die Lübecker Museen