Skulptur „Wanderer im Wind“ an ihrem neuen Standort
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Zur Wiedereröffnung im November 2025 erhielt das Museum Behnhaus Drägerhaus eine Schenkung von Dr. Stephan Freiherr von Welck: Es handelt sich dabei um die Skulptur „Wanderer im Wind“ von Ernst Barlach aus dem Jahre 1934. Von Welck schenkte sie dem Haus in Erinnerung an seinen im Jahr 1941 in Russland gefallenen Onkel Dr. Joachim Freiherr von Welck, der in der Amtszeit des Direktors Carl Georg Heise als Kunsthistoriker im Museum Behnhaus tätig war. Der „Wanderer im Wind“ ist seit der Wiedereröffnung des Behnhauses in dessen Empfangszimmer ausgestellt und hat sich seither zum vielbeachteten Publikumsmagneten der Besucher:innen entwickelt.
Der Bildhauer, Medailleur und Zeichner Ernst Barlach (1870 – 1938) zählt zu den Künstlern, die fürs Behnhaus schon im Gründungsjahrzehnt des Museums eine ganz wesentliche Rolle spielten. Dessen erster Museumsdirektor Carl Georg Heise konnte bereits 1921 Barlachs „Liegenden Bauern“ erwerben. 1932 folgte die „Russische Bettlerin I“. Neben Ausstellungen mit Werken des norddeutschen Bildhauers verewigte Heise mit dem sogenannten Barlachplan – die Ausstattung der Westfassade der Katharinenkirche mit Plastiken Barlachs – dessen Werk in Lübeck.
Die für Barlachs Kunst typische Skulptur „Wanderer im Wind“ ist im Jahr 1934 entstanden, in einer Zeit, in der der Künstler gegen die immer schlimmer werdenden Anfeindungen seiner Person und seiner Kunst kämpfen musste. Das kommt in der Skulptur deutlich zum Ausdruck: Der Wanderer trägt ganz offensichtlich die Gesichtszüge Barlachs. Mit seiner rechten Hand schließt er seinen langen Mantel, mit der linken hält er seinen Hut fest, den der ihm entgegenblasende (politische) Wind herunterzuwehen droht. Barlach hat sich und der Nachwelt mit dieser Skulptur ein Selbstportrait geschaffen, das seine politisch so schwierige Zeit deutlich zum Ausdruck bringt. Das Museum Behnhaus Drägerhaus besitzt damit nun eines der ganz seltenen in Bronze gegossenen Selbstportraits des Künstlers.
Den „Wanderer im Wind“ schuf Barlach als Gipsmodell sowie in einer Einzelfigur aus Holz. Posthum wurden 12 lizensierte Bronzefiguren gegossen. Eine davon erwarb Dr. Stephan Freiherr von Welck, dessen Onkel zu Heises Zeiten Kunsthistoriker im Museum Behnhaus war. Dr. Joachim Freiherr von Welck war ein Schüler Heises, mit dem ihn nicht nur eine väterliche Freundschaft, sondern auch die gemeinsame Verehrung des Künstlers Ernst Barlach verband. Von Welck verfasste 1933 die erste wissenschaftliche Untersuchung zum Behnhaus, die er in der „Zeitschrift des Vereins für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde“ (Bd. 27) unter dem Titel „Die Baugeschichte des Behnhauses in Lübeck“ veröffentlichte. Konkret schrieb er über den dänischen Architekten Joseph Christian Lillie, der die Wohnräume im Behnhaus gestaltete. Auch die Gestaltung des Empfangszimmers – so die These von Welcks – sei Lillie zuzuschreiben, weswegen die Skulptur „Wanderer im Wind“ heute dort ausgestellt ist. Heise unterstützte von Welck bei seinen Forschungen in Lübeck und Kopenhagen immer wieder fachlich und öffnete ihm durch Empfehlungsschreiben die Türen zu hierfür wichtigen Persönlichkeiten in Deutschland und Dänemark. Dem Museum Behnhaus Drägerhaus liegt zudem ein Briefwechsel mit dem Museum aus den Jahren 1929 – 1933 vor, einem Zeitraum, in dem von Welck während der Arbeit an seiner Dissertation zeitweise sogar im Museum gewohnt hat.
Dr. Joachim Freiherr von Welck wurde zum 1. August 1939 zur Wehrmacht eingezogen, nahm als Wehrpflichtiger am Krieg gegen Polen und gegen die Sowjetunion teil und fand dort im August 1941 im Alter von nur 35 Jahren den Tod. In einem Nachruf auf ihn in der Zeitschrift „Deutsche Kunst und Denkmalpflege“ hieß es damals: „Die deutsche Kunstwissenschaft und Denkmalpflege hat in ihm eine ihrer größten Hoffnungen verloren.“
Die Barlach-Skulptur „Wanderer im Wind“ soll an seiner ehemaligen Wirkungsstätte künftig an diesen so jung verstorbenen Kunsthistoriker erinnern, wünscht sich sein Neffe.
Weitere Informationen unter https://museum-behnhaus-draegerhaus.de
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Quelle: Die Lübecker Museen
