Veröffentlicht am 15.03.2024

Welterbe- und Gestaltungsbeirat berät Vorhaben am Wallhafen und in der Innenstadt

Expert:innengremium thematisierte Bürogebäude, Wohnungsbau und denkmalschutzgerechten Dachgeschossausbau

Lübecker Altstadt mit Rathaus, Marienkirche und Turm der Petrikirche

Am 7. und 8. März 2024 tagte der Welterbe- und Gestaltungsbeirat wieder in Lübeck. Auf der Tagesordnung standen der Neubau eines Bürogebäudes am Wallhafen sowie Ergebnisse zweier Werkstattgespräche.

Bürogebäude am Wallhafen

Gegenüber der Nördlichen Wallhalbinsel will die Unternehmensgruppe Gollan entlang der Bahngleise an prominenter Stelle einen Neubau für die eigene Verwaltung und weitere Nutzer errichten.

Der Beirat lobte ausdrücklich das Engagement der Investorin und der Planer und stellte hierbei den besonderen Ort heraus. Das Vorhaben befindet sich im Spannungsfeld zwischen der Altstadt, dem historischen Bestand des Hafens und der zukünftigen Nutzung des Areals (Lübeck Nordwest).

Es existiert ein rechtsverbindlicher Bebauungsplan, der vorgelegte Entwurf würde die festgesetzte Höhe aber überschreiten. Deswegen wurde angeregt, die vorgestellte Planung mit drei Vollgeschossen und einem Staffelgeschoss zu überdenken, da sich das Gebäude mit einer solchen Höhenentwicklung nicht in die bestehende Raumstruktur der Roddenkoppel einfügt. Stattdessen wurde herausgestellt, dass sich das Vorhaben mit drei Geschossen und angemessenen Raumhöhen in seinen Proportionen und seiner baulichen Wirkung als langgestreckter Baukörper vielmehr als wünschenswerter Auftakt der Roddenkoppel beziehungsweise des Werfquartiers entwickeln lässt.

Mit weiteren Hinweisen zur Fassade und Freiraumplanung wurde festgehalten, das Vorhaben erneut dem Beirat in einer der nächsten Sitzungen vorzustellen. Architekt Klaus Mai BDA nahm die Anregungen sportlich und erinnerte, dass er vor genau 20 Jahren dem Gestaltungsbeirat als ersten Tagesordnungspunkt seines nunmehr fast 20-jährigen Wirkens ein Projekt zur Beratung vorgestellt hatte. Auch damals haben die Anregungen viel zum Gelingen einer guten Lösung beigetragen.

Anschließend folgten die Vorstellungen zweier Werkstattgespräche. Diese erfolgen, wenn komplexe Bauprojekte in einer sehr frühen Planungsphase einer Beratung bedürfen, um grundsätzliche Planungsansätze herauszustellen und aufwändige Fehlplanungen zu vermeiden.

Neuer Wohnraum in der Mengstraße

Es wurde zunächst die Planung für einen Teilbereich im Blockinnenhof Mengstraße/Blocksquerstraße vorgestellt. Das Quartier wurde im 2. Weltkrieg bis auf wenige Gebäude fast komplett zerstört. Die Nachnutzung als Getränkegroßhandel wurde aufgegeben, so dass ein Freiraum für neue Wohnungen entsteht. Der Beirat begrüßte auch hier das Bestreben der Eigentümer und der Planer, an diesem unwirtlichen Blockinnenhof in der Innenstadt neue Ansätze zu denken. Die Planer stellten sich grundsätzlich die Frage, wie man heute mit der Aufgabe umzugehen habe. Rückgriffe auf historische Bauformen, wie zum Beispiel Ganghäuser werden an diesem Ort kritisch gesehen. Der Beirat regte an, das Vorhaben aus seiner Nutzung heraus und den dazugehörigen Freiräumen zu einer funktionierenden Nachbarschaft zu entwickeln.

Denkmalschutzgerechter Dachgeschossausbau

Als letztes Projekt wurde das Werkstattergebnis eines Dachumbaus in der Dr.-Julius-Leber-Straße vorgestellt. Ziel ist es, ein bewohntes und genutztes Denkmal weiterzuentwickeln und zu beantworten, in wie weit sich das Dachgeschoss nutzen und das Dach im Hinblick auf die geschützte Dachlandschaft weiterbauen lässt. Die intensiven Gespräche haben gezeigt, dass es sich um eine sehr herausfordernde Aufgabe handelt, die einer vertiefenden Auseinandersetzung und Analyse des Straßenraums bedarf. Es wurde sich darauf verständigt, das Vorhaben weiter zu begleiten und Lösungsansätze zu prüfen.

Prof. Per Pedersen verlässt den Beirat

Das Ende der Beiratssitzung leitete Bausenatorin Joanna Hagen mit den Worten ein, dass der Beirat von Beständigkeit und Wechsel lebt. Trotzdem sei es immer ein Verlust, wenn ein Beiratsmitglied turnusgemäß aus dem Beirat scheiden muss. So hatte der Vorsitzende, Prof. Per Pedersen, an diesem Nachmittag zum letzten Mal die Beiratssitzung geleitet.

Die Senatorin verwies auf die rund 120 Tagesordnungspunkte, die in der Berufungszeit zu bearbeiten waren, und bedankte sich im Namen der Stadt: „Herr Pedersen hat den Blick für Baukultur in erfrischender Weise geschärft und mit seiner fachlichen Expertise vieles unkompliziert und humorvoll auf den Punkt bringen können. Auf dies Weise ist es gelungen, auch sehr komplexe und teils kontroverse Projekte in die richtige Richtung zu bewegen. Der langjährige und eben auch leidenschaftliche Einsatz wurde von allen Seiten sehr geschätzt.“

Herr Pedersen erwiderte zurückblickend, dass die Aufgabe im Beirat nicht immer eine einfache, aber immer eine dankbare Aufgabe war. Eine der Bauaufgabe und dem Ort angemessene gestalterische Linie in die Projekte zu bringen, war sein Ziel. Es gäbe in Lübeck eine hohe Verantwortung und Akzeptanz für baukulturelle Belange. Schließlich sei Lübeck ein toller und besonderer Ort, der auch die Bewohner zu Kompromissen anhält. Aus eben diesem Grund sähe er zum Beispiel. Solaranlagen in der Altstadt kritisch. Mit den Worten: „Passen Sie gut auf Ihre Stadt auf!“ verabschiedete er sich von den Lübecker:innen.

Die nächste Sitzung des Welterbe- und Gestaltungsbeirates findet voraussichtlich am 06./07. Juni 2024 statt.  Die Hansestadt Lübeck wird hierzu im Vorfeld informieren

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