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Veröffentlicht am 13.05.2020

„Das, was von Flender übrig bleibt"

Sonderausstellung im Industriemuseum Herrenwyk vom 17. Mai bis 27. September 2020

Ab Sonntag, 17. Mai 2020, lädt das Industriemuseum Geschichtswerkstatt Herrenwyk im Rahmen einer neuen Sonderausstellung Besucher:innen dazu ein, dem Mythos Flenderwerft, der die Stadtgeschichte Lübecks geprägt hat, nachzuspüren. Bis 27. September 2020 wird die Ausstellung hier zu sehen sein.

Es geht um das Thema, was von der Flenderwerft tatsächlich nach deren Insolvenz im Jahr 2003 übrig geblieben ist. Dabei werden auf Text- und Bildtafeln nicht nur aktuelle Schiffe aus dem Hause Flender dargestellt, die heute noch auf den Weltmeeren fahren, sondern auch der Schiffbau bei Flender im Wandel der Zeit. Umfangreiches Filmmaterial zur Werft, zu deren Schiffen, Kränen und der Insolvenz ergänzen die Ausstellung. Gleichzeitig gibt es einen großen Schiffsriss zu bestaunen, ebenso wie diverse Schiffsmodelle, die unter anderem aus dem Internationalen Maritimen Museum in Hamburg stammen und erstmals in Lübeck zu sehen sind.

Zudem kommen Zeitzeugen zu Wort, die bei Flender gearbeitet haben. Schnell wird deutlich, dass man von einem „Mythos Flender“ sprechen kann, der die Lübecker:innen noch heute beschäftigt und bei dem es sich um ein regionales Trauma der jüngst vergangenen Geschichte der Hansestadt handelt. "Viele im handwerklichen Bereich tätige Lübecker:innen haben einmal ihre Lehre bei Flender absolviert und denken nostalgisch, ja teils sogar liebevoll an die Ausbildungszeit und die dortige Kameradschaft zurück", erklärt Museumsleiterin Dr. Bettina Braunmüller.

Auch würden Museumsbesucher:innen oft von ihrer Vergangenheit bei Flender berichten. Wenigen Menschen außerhalb Lübecks sei Flender ein Begriff; Ausnahmen seien Schiffsbau und Technikinteressierte ebenso wie Seeleute und Architekten. Lübecker:innen allerdings sind die Werft und ihre Insolvenz noch sehr deutlich im Gedächtnis. „Als Industriemuseum, besonders im Norden Lübecks, ist es uns ein Anliegen, an diese Werft zu erinnern und dieses Stück Industriegeschichte zu bewahren; unser kleiner Ausstellungsraum in der Dauerausstellung kann dies leider nur in sehr begrenzter Form leisten. Umso mehr freut es mich, wieder eine Sonderausstellung zu diesem Thema zeigen zu können“, so die Museumsleiterin.

Besonderer Dank gelte dabei dem Kurator der Ausstellung Rainer Wiedemann für sein großes Engagement und die viele Arbeit, die er in Ausstellung und Begleitbuch, welches ab Eröffnung käuflich im Museum zu erwerben ist, investiert habe. Flenders Insolvenz als Werft war und ist kein Einzelfall, wenn man z.B. auch an die stillgelegte Bremer Vulkan AG oder die AG Weser denkt. Letztere hatte ebenfalls mit Überkapazitäten im Schiffbau auf dem Weltmarkt zu kämpfen. Die Arbeitswelt in Deutschland erlebt generell einen immensen Strukturwandel weg von vielen Industriezweigen, die in Asien erstarken, hin zu Arbeit 4.0 bzw. einer vierten industriellen Revolution. Während bei der Bremer Vulkan AG fast 11.000 Mitarbeiter aus dem Bereich Schiffbau von der Insolvenz betroffen waren, waren es bei Flender weniger als 1000, von denen zum Glück einige anderweitig Arbeit fanden, sofern sie nicht zu sehr spezialisiert waren.

Wenn solche Insolvenzen im Schiffbaubereich in den letzten Jahrzehnten also nicht unbedingt selten waren, warum ist dieses Thema dennoch so emotional behaftet? Das liegt zum einen an der Bedeutung der jeweiligen Werft für ihre Stadt bzw. Region als großer Arbeitgeber, welche damit auch für das Selbstverständnis der Menschen und ihrer Stadt (wie im Falle Lübecks) imageprägend war. Zum anderen liegt es daran, dass hier Menschen und Familien unmittelbar betroffen waren und die persönlichen Schicksale der einzelnen Arbeitnehmer:innen beeinflusst wurden: Existenzängste, Identitätsverlust, Sorgen und der Wegfall von Lebensinhalten waren die Folge.

„Mit großer Wehmut berichten Alt-Flenderaner davon, wie tolle Schiffe von der Werft noch heute auf den Weltmeeren fahren“, erzählt Kurator Rainer Wiedemann. Er ist Liebhaber und Sammler von Flender-Artefakten und seit Jahrzehnten leidenschaftlich bemüht, die Werft nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Dank gilt der Possehl-Stiftung für die finanzielle Förderung der Ausstellung, ebenso wie dem Förderverein des Museums. Das Begleitbuch zur Ausstellung „Das, was von Flender übrig bleibt“ von Rainer Wiedemann kann für 10 Euro im Shop des Museums käuflich erworben werden. Vernissage und Begleitprogramm zur Ausstellung müssen aufgrund der Corona Pandemie bis auf Weiteres entfallen. Es empfiehlt sich aber, die Homepage des Museums unter www.geschichtswerkstatt-herrenwyk.de im Blick zu behalten. +++

Quelle: Die Lübecker Museen