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Veröffentlicht am 16.01.2020

Lübeck plant ein klimagerechtes Stadtquartier an der Schlutuper Straße

Klimaschutz als Planungsziel - Wohnquartier „Lauerhofer Feld“

In Zeiten einer hohen Nachfrage nach Wohnraum ist es ein Glücksfall, wenn integrierte Flächen für den Neubau eines Wohnquartieres zur Verfügung stehen. So verhält es sich mit der ehemaligen Kleingartenanlage direkt angrenzend an die St Philippus Kirche an der Schlutuper Straße im Stadtteil St. Gertrud. Dort plant die Hansestadt Lübeck das Wohnquartier „Lauerhofer Feld“.

Mit der sogenannten „Seehundskirche“ wie die St Philippus Kirche aufgrund ihrer besonderen Dachform genannt wird, bekommt das geplante Stadtquartier seine eigene Identität und die Kirche eine verbesserte Einbindung in die Siedlungsstruktur.

„Die Hansestadt Lübeck plant an diesem Standort ein attraktives neues Wohnquartier, das aufgrund des guten Anschlusses an die Infrastruktur im Stadtteil und seiner Innenstadtnähe besonders punktet. Mit der Planung geht die Stadt aber noch einen großen Schritt weiter: Sie leistet einen beispielhaften Beitrag als klimaaktive Kommune.“ erläutert Bürgermeister Jan Lindenau

Klimaschutz als Planungsziel, das sollte in Zeiten der „Fridays for Future“ Bewegung selbstverständlich sein, ist aber dennoch für planende Kommunen eine große Herausforderung. Moderne Mobilitäts-, Energie- und Wasserwirtschaftskonzepte benötigen die Akzeptanz der zukünftigen Bewohner sowie der jetzigen Anlieger, daher wird in dem geplanten Wohnquartier viel Wert auf ein gutes nachbarschaftliches Gefüge gelegt.

Bausenatorin Joanna Hagen führt dazu aus: „Ein innovatives, klimagerechtes Wohnquartier verlangt eine fundierte und integrierte fachliche Vorbereitung. Deswegen arbeiten die Verwaltung und die städtischen Betriebe von Anbeginn an bei diesem Planungsvorhaben sehr eng zusammen und stimmen miteinander die Rahmenbedingungen ab. Klimaschutz, technische Innovation und stadträumliche Qualität sollen hier Hand in Hand gehen.“

Das städtebauliche Konzept als Grundlage des Bebauungsplanes soll im Bauausschuss sowie im Ausschuss für Umwelt, Sicherheit und Ordnung beraten werden. Dabei geht es um die Themen Städtebau, Gestaltung, Grünplanung, Regenwasserbewirtschaftung, Verkehr, Energie und Sozialplanung sowie Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel. Der Entwurf befindet sich mitten im Planungsprozess, die angedachte Zielrichtung der Planung soll in der Politik diskutiert werden, damit wird der Forderung nach einer frühen Einbindung der Fachausschüsse in die Planung nachgekommen.

Zu den Fakten: Auf der ca. 8 ha großen städtischen Fläche der ehemaligen Kleingartenanlage sind etwas mehr als 100 Einfamilienhäuser in Form von Doppel- und Reihenhäusern sowie etwa 320 Wohneinheiten im Geschosswohnungsbau einschließlich einem Anteil von mindestens 30 % geförderten Wohnungsbau vorgesehen. Dazu kommen noch die umgebenden Grünflächen, die alle als zu erhalten festgesetzt werden sowie die Straßenflächen der Schlutuper Straße, die in ihrem künftigen Ausbaustandard – beidseitiger Fuß- und Radweg – an die geplante Nutzung angepasst wird.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite soll die Ansiedlung eines Hospizes und eines Palliativzentrums planungsrechtlich ermöglicht werden. Der städtebauliche Entwurf ist geprägt durch eine zentrale Grünachse, in der das Regenwasser versickern kann sowie dem Quartiersplatz als Gelenk zwischen der St. Philippus Kirche und neu zu errichtenden Geschosswohnungsbau.

Besonders ist die geplante Quartiersgarage, die statt der deutlich aufwändigeren und teuren Tiefgarage unter den Mehrfamilienhäusern die Stellplätze des Geschosswohnungsbaus aufnimmt und darüber hinaus noch einen extra Service für die Bewohner in Form von Storage und Postdepot bietet. Damit ist das Stadtquartier gut in die digitale Welt eingebunden. Die künftigen Bewohner können ihre benötigten Waren bequem im Internet bestellen und auf dem Nachhauseweg aus „ihrem“ Postdepot abholen.

Es wurde ein Energiekonzept beauftragt mit der Zielstellung Umweltfreundlichkeit, Minimierung von CO2, Zukunftsfähigkeit, Wirtschaftlichkeit im Betrieb, Akzeptanz und Versorgungssicherheit. So soll die Versorgung unter anderem mit kalter Nahwärme aus regenerativen Energiequellen wie Sonneneinstrahlung, Abwasserwärmenutzung und Erdwärme weiter untersucht werden.

Nach Austausch und Diskussion mit den Fachausschüssen wird der angepasste Bebauungsplanentwurf öffentlich ausgelegt. Die Bürger:innen können hierbei Ihre Anregungen zu den geplanten Festsetzungen, den Zielen der Planung und zu dem städtebaulichen Konzept einbringen. +++