Veröffentlicht am 16.10.2019

Lübecker Initiative „Wir für Mehrweg“ mit Bundespreis geehrt

Deutsche Stiftung Verbraucherschutz zeichnet vorbildliches Engagement aus

Für ihr Engagement für Verbraucherschutz im Bereich Nachhaltigkeit wurde die Initiative „Wir für Mehrweg“ aus Lübeck mit dem Bundespreis Verbraucherschutz 2019 und einem Preisgeld in Höhe von 2.500 Euro geehrt.

Seit Jahren nimmt der Verbrauch von Coffee-to-go-Bechern stetig zu. Mittlerweile werden nach Schätzungen der Deutschen Umwelthilfe bundesweit insgesamt rund
2,8 Milliarden Einwegbecher pro Jahr verbraucht – das sind 320.000 Stück pro Stunde (Stand 2016). In Lübeck haben sich Akteure aus Politik, Verwaltung, Gewerbetreibende und Verbände dazu entschlossen, etwas dagegen zu tun. Sie haben sich zur Initiative „Wir für Mehrweg“ zusammengeschlossen und die Einführung eines Pfandsystems initiiert, um Müll durch Einwegbecher für Kaffee und andere Heißgetränke zu vermeiden. Dafür wurde „Wir für Mehrweg“ mit dem Bundespreis Verbraucherschutz 2019 ausgezeichnet.

Die Deutsche Stiftung Verbraucherschutz verlieh den Bundespreis Verbraucherschutz am 16. Oktober 2019 in Berlin zum vierten Mal. „Mit dem Bundespreis Verbraucherschutz zeichnen wir Menschen aus, die sich vorbildhaft für andere Verbraucherinnen und Verbraucher einsetzen. Viele Menschen engagieren sich dafür, dass Verbraucherinnen und Verbraucher über ihre Rechte aufgeklärt werden oder Konsumentscheidungen stärker hinterfragen. Dieses Engagement wollen wir durch die Auszeichnung würdigen und sichtbarer machen.“, so Christine Lambrecht, Bundesverbraucherschutzministerin und Schirmherrin des Preises.

Die Ministerin für Justiz, Europa, Verbraucherschutz und Gleichstellung des Landes Schleswig-Holstein, Dr. Sabine Sütterlin-Waack, hielt die Laudatio auf die Lübecker Initiative und lobte: „Ich freue mich sehr, dass der Bundespreis Verbraucherschutz in der Kategorie Projekt nach Schleswig-Holstein geht. ´Wir für Mehrweg´ ist nicht nur eine kluge Idee um Einwegbecher einzusparen, sondern bringt die Themen Abfallvermeidung und Recycling insgesamt ins Bewusstsein der Verbraucherinnen und Verbraucher. Damit steht dieses innovative Lübecker Projekt beispielhaft für viele Initiativen in ganz Deutschland, die zeigen, was alles möglich ist, wenn Verantwortliche in Politik, Wirtschaft und Verwaltung zusammenarbeiten.“

Bürgermeister Jan Lindenau nahm gemeinsam mit Birgit Hartmann, Bereichsleiterin Umwelt, Natur und Verbraucherschutz sowie Frank Denker, 1. Kreisvorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes, heute den Preis in Berlin entgegen. „Die Auszeichnung mit dem Bundespreis Verbraucherschutz 2019 für die Initiative ‚Wir für Mehrweg‘ ist für die Hansestadt Lübeck Grund zur Freude und Ansporn zugleich“, sagte Lindenau anlässlich der Ehrung. „Ich danke den Mitwirkenden für Ihre hervorragende Arbeit. Projekte wie diese zeigen, dass wir uns vor allem auf kommunaler Ebene wirksam und konkret für unsere Umwelt und unser Klima einsetzen und bereits im Kleinen Veränderungen vorantreiben können. Die Reduzierung der durch Einwegbecher ausgelösten Abfälle ist dabei ein bedeutendes Thema, das durch die Initiative ‚Wir für Mehrweg‘ Stück für Stück angegangen wird. Vor dem Hintergrund der Verleihung des Bundespreises gehen wir fest davon aus, dass sich in Kürze noch mehr Betriebe der Initiative anschließen werden und somit ihren Beitrag zum nachhaltigen Umgang mit Ressourcen leisten.“

Weitere Informationen sowie ein Kurzfilm über die Preisträger sind online abrufbar unter https://www.luebeck.de/mehrweg

Nach Angaben der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein spielen Klimaschutz und Nachhaltigkeit bei Konsumentscheidungen eine zunehmend wichtige Rolle. Mit fundierten Informationen und unabhängiger Beratung schafft die Verbraucherzentrale Transparenz im unübersichtlichen Markt und unterstützt Menschen beim nachhaltigen Konsum. Mehr Informationen unter www.verbraucherzentrale.sh.

Hintergrund „Wir für Mehrweg“

Am 1. November 2018 startete das Pilot-Projekt „Wir für Mehrweg“ mit einem Pfandbechersystem, an dem sich zunächst 16 Betriebe und 30 Verkaufsstellen beteiligten. Bei diesem System zahlen die Betriebe eine Servicegebühr von einem Euro pro Tag (bzw. 30 Euro pro Monat) und ordern dann bedarfsentsprechend die selbst kalkulierte Becheranzahl. Der Kunde zahlt einen Euro Pfand sowie die Kosten für das Heißgetränk, um den Becher mitnehmen zu können. Bei Abgabe des Bechers gibt es das Pfandgeld zurück. Die Deckel werden nicht gegen Pfand abgegeben, sondern können vom Kunden gekauft werden. Eine spezielle App zeigt den Kundinnen und Kunden, wo überall der Pfandbecher zu bekommen bzw. wieder abzugeben ist. Die Geschäfte werden zudem mit einem Aufkleber im Fenster oder auf der Tür gekennzeichnet. Alternativ oder auch ergänzend dazu geben verschiedene Geschäfte zudem einen Rabatt auf selbst mitgebrachte Becher. Das Projekt soll auch auf andere Mehrwegprodukte ausgeweitet werden und möglichst Vorbildcharakter für andere Städte haben.+++