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Veröffentlicht am 25.07.2016

Urmeer - Robbe in der Grube von Groß Pampau entdeckt

Der 11 Millionen Jahre alte Meeressäuger gilt als wissenschaftliche Sensation

Auf einem neu erschlossenen Areal der Glimmerton-Lagerstätte der Grube von Pampau machte Uwe Havekost, Mitglied des wissenschaftlichen Grabungsteams vom Lübecker Museum für Natur und Umwelt, im Januar diesen Jahres bei einer Begehung bei Kälte und Sturm eine außergewöhnliche Entdeckung:

Erste versteinerte Knochenfragmente deuteten auf ein unbekanntes Wirbeltier.

Havekost war wie elektrisiert, denn bisher waren in der Grube an Großfossilien Wale und Haie gefunden worden. Sondierungen waren vielversprechend und ließen erkennen, dass hier eine großangelegte wissenschaftliche Grabung lohnen würde.

Dank großzügiger finanzieller Unterstützung durch die Gemeinnützige Sparkassenstiftung zu Lübeck konnte das ehrgeizige und aufwändige Grabungsprojekt des Museums Anfang Juli gestartet werden. Auch die Betreiber der Grube „Ohle & Lau“ fördern das laufende Vorhaben nach Kräften u.a. mit Einsatz von schweren Maschinen.

Inzwischen konnten durch das Grabungsteam unter der Leitung von Gerhard Höpfner bereits mehrere weitere Skelettteile erfolgreich geborgen werden. Sie gehören zu einer Robbe!

Bei einem Pressetermin vor Ort wurde die spektakuläre Entdeckung am 23. Juli der Öffentlichkeit neben anderen neuen, bisher nicht gezeigten, fossilen Schätzen - in Anwesenheit des Bürgermeisters von Groß Pampau Thomas Stich - vorgestellt.

Die „Robbe aus dem Urmeer“ tummelte sich vor etwa 11 Millionen Jahren im damaligen sogenannten Miozänmeer – der Ur-Nordsee. Der Neufund ist eine Besonderheit. Insgesamt sind Funde fossiler Robben extrem selten. Zudem gibt es bisher aus der Zeit des Miozäns kaum vergleichbare Funde, bei denen so viele Skelettteile eines Individuums zusammenhängend gefunden wurden. Das ehrenamtlich arbeitende Grabungsteam des Museums präsentierte stolz nun Wirbel, Rippen, Schädelteile, Zähne, Oberarm und eine nahezu komplette Hinter-Flosse mit Gelenkscheiben. Der Meeressäuger hatte eine Länge von über 1,70 Meter und war ausgewachsen. Vermutlich wird eine neue Art beschrieben werden können, die zwar heute lebenden Robben ähnelt, aber so nicht mehr vorkommt. Grabungsleiter Gerhard Höpfner freut sich: „ Der kostbare Robbenfund dokumentiert erneut die Ausnahmestellung der schleswig-holsteinischen geologischen Lagerstätte Groß Pampau für Europa und darüber hinaus.“

Frank Schumacher, Vorsitzender der Gemeinnützigen Sparkassenstiftung zu Lübeck, sagte: „Unsere Stiftung stellt u.a. Fördermittel für die Präparation der Funde zur wissenschaftlichen Bearbeitung und späteren Präsentation bereit. Ich freue mich, dass das Lübecker Museum für Natur und Umwelt nach diesem sensationellen Fund demnächst um eine weitere Attraktion bereichert wird. Dieser Erfolg ist vor allem dem großen Engagement des ehrenamtlichen Grabungsteams zu verdanken."

Tatsächlich erfordern die Grabungen von Uwe Havekost, Grabungsleiter Höpfner, Andreas Malchow, Wolfgang Höpfner und weiteren Teammitgliedern enorm viel Ausdauer, Zähigkeit und eine Menge Feingefühl. Zwar liegt der Fundbereich recht oberflächennah in einer großen Abbaufläche, aber es muss der Ton im Bereich der Fossilien teilweise Quadratzentimeter pro Quadratzentimeter vorsichtig von Hand mit Spezial-Spachteln abgetragen werden.

Dr. Susanne Füting, Leiterin des Museums ist begeistert: „Die laufenden Grabungen bleiben spannend. Aus dem „Meer vor unserer Zeit“ kann jederzeit Neues auftauchen. Alle Fundstücke kommen nach Lübeck und wir werden die Lebensgemeinschaften weiter erforschen können und mehr über ganze Ökosysteme der Vergangenheit wissen.“ Das Lübecker Museum für Natur und Umwelt zeigt bereits hervorragende Fossilfunde aus der Ur-Nordsee, die aus dem kleinen Ort Groß Pampau, Herzogtum Lauenburg, stammen. Die dort präsentierte Sammlung, der bisher entdeckten verschiedenen Arten von versteinerten Meerestieren ist europaweit einzigartig. Die Erforschung der Funde erfolgt in enger wissenschaftlichen Vernetzung und Kooperation u.a. mit der Humboldt–Universität zu Berlin, Museum für Naturkunde, Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung und dort mit dem Wirbeltierpaläontologen Dr. Oliver Hampe.

Für Dr. Susanne Füting stehen die Bildungs- und Vermittlungsarbeit für Besucherinnen und Besucher und die vielfältigen Veranstaltungsangebote ganz im Vordergrund. „Im Fokus ist stets die Vermittlung von Natur-Wissen, Nachhaltigkeit und aktueller naturwissenschaftlicher Forschung mit viel Spaß am Lernen für Alle. Das Museum hat bereits entscheidende Schritte in seiner wichtigen Funktion als „Umweltbildungszentrum“ für Lübeck und auf dem Weg dahin gemacht. Das Publikum kann sich nun auf weitere innovative Ausstellungsmodule bei den Pampau-Funden und auf neue Veranstaltungsformate und –inhalte freuen. Für Lerngruppen – insbesondere Schulklassen – werden zu den bestehenden buchbaren Angeboten passgenaue und lehrplanbezogene Programme hinzukommen. Dabei werden die spektakulären Fossil-Funde aus der eigenen Region wie z.B. die „Robbe aus dem Urmeer“ das Thema Evolution nahebringen“.

An dem Pressetermin vor Ort waren die folgenden Personen beteiligt:

  • Gerhard Höpfner, Grabungsleiter, Lübeck und Grabungsteam, Tel.: 0451 / 36722, Mobil: 0172 971 4278
  • Uwe Havekost, Finder der Robbe, Langwedel Niedersachsen, Mitglied des Grabungsteams
  • Dr. Susanne Füting, Museumsleiterin, Museum für Natur und Umwelt, Lübeck, 0451 122 4120 susanne.fueting@luebeck.de
  • Ausstellung der Meeresfossilien von Pampau: Thomas Ohle, Kieswerke Ohle & Lau , Groß Pampau
  • Frank Schumacher, Vorstandsvorsitzender, Gemeinnützige Sparkassenstiftung zu Lübeck

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