Mo, 06.07.2020 17° C Text vorlesen (ReadSpeaker) Suche Schließen MenüSchließen

Veröffentlicht am 23.01.2015

Pavillon der Grundschule Niendorf für Unterricht gesperrt

Schüler der vier Klassen ziehen in nahegelegene Heinrich-Mann-Schule um - Ersatzneubau

Der Pavillon der Grundschule Niendorf darf nicht mehr zu Unterrichtszwecken genutzt werden. Zu diesem Schluss kommt ein Gutachten, das nach einer Untersuchung im Dezember 2014 erstellt worden ist. Im Pavillon waren zwei Klassen untergebracht. Sie sollen, gemeinsam mit zwei Klassen aus dem Hauptgebäude, in Kürze in die nahe gelegene Heinrich-Mann-Schule umziehen. Schulfrei haben die Kinder dennoch nicht: sie nehmen zunächst an einer Projektwoche teil.

Die Eltern sind am heutigen Freitag durch einen Brief informiert worden, den der Bereich Schule und Sport sowie das Schulamt der Hansestadt Lübeck verfasst hat. In diesem Schreiben wird der Sachverhalt detailliert dargestellt.

Darin heißt es: „Sehr geehrte Damen und Herren, der Pavillon der Schule Niendorf wurde in der Vergangenheit durch den Gutachter Herrn Dr. Keller regelmäßig mikrobiologisch untersucht. Eine Nutzung der Klassenräume war möglich, wenn die Räume ausreichend gelüftet und gereinigt werden. Dies hat im laufenden Betrieb in der Vergangenheit auch stattgefunden.

Anfang Januar 2015 hat eine erneute Begehung des Pavillons der Schule Niendorf mit Fachleuten aus dem Gebäudemanagement in Lübeck, dem Landesamt für soziale Dienste (Umweltbezogener Gesundheitsschutz) sowie dem Gesundheitlichem Umweltschutz stattgefunden. Am 21. 1. 2015 erheilten wir am Nachmittag die Ergebnisse vom Bereich Umweltschutz übersandt:

Unter Einbeziehung des Berichtes (Analysenbefund von Dr. Keller vom 4. 12. 2014) sind die Sachverständigen einig darin gewesen, dass das Gebäude eindeutig abgängig und in dem jetzigen Zustand für den Schulbetrieb nicht mehr geeignet ist. Es handelt sich um ein marodes Gebäude mit diversen Feuchtigkeitsproblemen, ausbrechenden Fenstern, schlechter Isolierung und unangenehmen Gerüchen, die besonders auffällig im Eingangsbereich wahrzunehmen waren. Auch die Besprechung mit dem Gesundheitsamt (Dr. Cummerow) ergab, dass der Pavillon nicht mehr in einem nutzbaren Zustand ist.

Der Umwelttoxikologe vom Landesamt, Dr. Birger Heinzow, bewertet zusammenfassend den Zustand des Pavillons aus umweltmedizinischer Sicht: „Es handelt sich um einen massiven Feuchteschaden, mit erhöhtem mikrobiologischem Wachstum bzw. Aktivität und Einwirkung auf den Innenraum. Aus der Gesamtschau der vorhandenen Daten (Messungen, Inspektion und sensorische Wahrnehmung) ist eine Nutzung des Gebäudes aus umweltmedizinischer Sicht ohne Zweifel nicht tragbar.

Insbesondere, da sich hier Kinder aufhalten besteht ein nicht zu verantwortendes erhöhtes gesundheitliches Risiko für diverse Folgeerkrankungen (Beförderung von Allergien sowie Infektanfälligkeit) und / oder die Auslösung von akuten Gesundheitsbeschwerden, wie allergischer Rhino-Sinusitis, Exacerbation von Asthma usw. bei regelmäßigem Aufenthalt.

Dies kann auch nicht durch Schimmelpilzuntersuchungen, die in der Vergangenheit keine erhöhten Gehalte im Innenraum gegenüber der Außenluft belegten, entkräftet werden.“

Aus den vorgenannten Gründen muss unverzüglich eine andere Lösung für die Nutzer gefunden werden, um Gesundheitsgefahren abzuwenden.

In einer gemeinsamen Besprechung am 22. 1. 2015 mit Schulrat Helge Daugs, Schulamt in der Hansestadt Lübeck, einem Vertreter der Schule Niendorf, Vertretern des Gebäudemanagements und dem Bereich Schule und Sport wurden die verschiedenen Möglichkeiten zur Lösung der Situation besprochen. Durch die Schließung des Pavillons müssen die dort beschulten Schüler an einem anderen Schulstandort unterrichtet werden, da im Hauptgebäude nicht ausreichend Kapazitäten vorhanden sind. Als möglicher Ersatzschulstandort bietet sich die Heinrich-Mann-Schule an. Aus pädagogischen Gründen erscheint es sinnvoll, die gesamte Schulgemeinschaft (alle vier Klasen) in die Heinrich-Mann-Schule umziehen zu lassen.

Vorteil der Heinrich-Mann-Schule ist, dass durch die vorhandene Grundschule die dortige Infrastruktur wie z.B. Mensa und Sporthallen mit genutzt werden können. Den Umzug wird der Bereich Schule und Sport in Abstimmung mit dem Schulamt und der Schule mit einem Umzugsunternehmen oder zusätzlicher Hausmeister organisieren.

Die fußläufige Entfernung zwischen beiden Schulstandorten beträgt ca. 2,1 km. Zwischen dem Schulstandort der Schule Niendorf und der Heinrich-Mann-Schule fährt die Linie 7 des Stadtverkehrs Lübeck im regelmäßigen Linienverkehr. Für die Schüler aus dem Schuleinzugsbereich der Schule Niendorf, die den ÖPNV nutzen möchten und nicht zu Fuß zur Schule gehen bzw. von Eltern mit dem PKW gebracht werden, wird der Bereich Schule und Sport die anfallenden Busfahrkosten zunächst übernehmen.

Eine Verlagerung an die Mühlenweg-Schule ist aufgrund der dortigen umfangreichen Sanierungsmaßnahmen des Schulgebäudes nicht möglich. An der Schule stehen keine zusätzlichen Raumkapazitäten zur Verfügung.

Der ehemalige Schulstandort in der August-Bebel-Straße kann für schulische Zwecke nicht kurzfristig zur Verfügung gestellt werden. Das Hauptgebäude wurde „winterfest“ gemacht, d.h. die Versorgung für Wasser und Strom ist abgestellt. Des Weiteren muss für den Schulbetrieb die Verkehrssicherheit in dem Gebäude hergerichtet werden. Dies kann gemäß Aussage des Gebäudemanagements nicht innerhalb der nächsten Tage umgesetzt werden. Der Pavillon auf dem Schulgelände wird zurzeit zu Wohnunterkünften für Flüchtlinge umgebaut.

Unabhängig von den jetzigen Gegebenheiten gehen wir nach derzeitiger Beschlusslage der Bürgerschaft weiterhin davon aus, dass der Freundeskreis der Schule Niendorf einen Ersatzbau für die Pavillons plant.

Derzeit wird der Bauvertrag für die Errichtung des Neubaus zwischen der Hansestadt Lübeck und dem Freundeskreis ausgearbeitet. Der Freundeskreis der Schule Niendorf e.V. hat für die Erstellung des Ersatzbaus eine Architektin mit der Planung und der Bauleitung beauftragt. Ein Vertragsabschluss konnte bis jetzt noch nicht erfolgen, da die qualifizierte Leistungsbeschreibung der Architektin für den Ersatzbau noch nicht vorliegt. Für die Bauphase des Neubaus wird ein Zeitraum von einem Jahr ab Vertragsunterzeichnung eingeplant. Eine Baugenehmigung liegt bereits vor.

Vom Schulleiter teilte mit, dass am Montagabend in der Innenstadt eine Elternbeiratsversammlung stattfindet, an der auch ein Vertreter des Bereiches Schule und Sport und des Schulamtes teilnimmt.

Die Heinrich-Mann-Schule ist informiert und überlegt derzeit, welche Räume logistisch am besten für die Schule Niendorf bereitgestellt werden können. Dazu ist evtl. auch ein Umzug zweier Klassen der Heinrich-Mann-Schule innerhalb des Gebäudes notwendig, der zunächst abzuarbeiten ist.

Es werden laufend zwischen den Schulen, dem Schulamt und dem Bereich Schule und Sport Abstimmungen stattfinden, an welchen Tagen und zu welchen Zeiten die Umzüge erfolgen. Geplant ist alles in der nächsten Kalenderwoche.“ +++