Veröffentlicht am 04.03.1998

Archiv legt Chronik des Stadtteils St. Jürgen vor

Archiv legt Chronik des Stadtteils St. Jürgen vor

In der Reihe "Kleine Hefte zur Stadtgeschichte" veröffentlicht das Archiv der Hansestadt Lübeck unter dem Titel "St. Jürgen - Chronik einer Vorstadt und ihres dörflichen Umfel-des" nun einen weiteren Beitrag zur Geschichte der einzelnen Stadtteile (Bd. 1: Schlu-tup, Bd. 3: St. Gertrud, Bd. 4: Kücknitz).

Die Chronik setzt ein bei der Aufteilung des Landes anläßlich der Gründung Lübecks im 13. Jahrhundert. Die Hansestadt erhält Nutzungsrechte über das Gebiet zwischen dem Mühlentor und dem Landgraben bei Strecknitz. Die Dörfer Blankensee, Wulfsdorf und Beidendorf werden der Herrschaft des St. Johannis-Klosters unterstellt. Schiereichen-koppel, Oberbüssau, Niederbüssau und Vorrade gehören schon seit dem Bau des ersten Doms Ende des 12. Jahrhunderts zum Bistum Lübeck, Krummesse und Kronsforde wa-ren im Besitz lübeckischer Ratsfamilien.

Während sich das unter städtischer Hoheit stehende Land "Vor dem Mühlentor" im 19. Jahrhundert zur "Vorstadt St. Jürgen" entwickelte, sind die dörflichen Strukturen der bis Ende des 18. Jahrhunderts überwiegend geistlich regierten Ortschaften bis heute erhal-ten geblieben. Diese ehemaligen Landgemeinden (seit 1868) gehörten seit 1935 als Stadtteile des Landbezirks Mühlentor zur Gemeinde Hansestadt Lübeck, 1972 wurden sie Bezirke des Stadtteils St. Jürgen.

Die Chronik beinhaltet außer des verwaltungsgeschichtlichen Überblicks zahlreiche An-gaben zu historischen und zeitgenössischen Einrichtungen und Gebäuden. Die Darstel-lung beginnt mit der Geschichte des St. Jürgen-Hospitals, wo im Mittelalter die Lepra-kranken der Stadt versorgt worden sind. Sie erwähnt Gründung und Entwicklung der Ir-renanstalt, des Kinderkrankenhauses und der Universitätsklinik. Die Schulen der Vor-stadt und der Landgemeinden werden ebenso genannt wie die Kapellen und Kirchen der evangelisch-lutherischen und katholischen Gemeinden.

Geschildert werden auch die Folgen von Technisierung und Industrialisierung, wie etwa die Ansiedlung von Fabriken, der Bau des Elbe-Lübeck-Kanals, aber auch das Bevölkerungswachstum und die Bautätigkeit in St. Jürgen seit 1871. Das in der Gründerzeit erschlossene Villenviertel, die Siedlungen der 20er und 30er Jahre und die in den letzten 50 Jahren entstandenen Wohnviertel finden ebenso Erwähnung wie die Gaststätten, Veranstaltungshäuser, Kinos und öffentlichen Grünanlagen, die zur Prägung des Stadtteils beigetragen haben.

Der Text wird ergänzt durch Abbildungen und Statistiken. Der umfangreiche Quellen- und Literaturnachweis erleichtert die weiterführende Forschung. Die "Kleinen Hefte zur Stadtgeschichte" sind sowohl im Archiv der Hansestadt Lübeck, Mühlendamm 1-3, als auch im Buchhandel erhältlich.

Meike Müller, St. Jürgen - Chronik einer Vorstadt und ihres dörflichen Umfeldes, Lübeck 1998 (Kleine Hefte zur Stadtgeschichte, herausgegeben vom Archiv der Hansestadt Lü-beck, Band 14) 128 Seiten, 52 Abbildungen, Preis: 19,80 Mark +++

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