02.03.2026

Beginn der Ausgrabungen Anfang 2025

„Was denken Sie, werden Sie hier finden?“
„Das hängt davon ab, wo und wie tief wir graben.“
„Und was erhoffen Sie sich, hier zu finden?“
„Spuren aus der Bau- und Nutzungsgeschichte der Kirche – vor allem Grüfte.“

Obwohl das Umfeld der Kirche immer wieder Gegenstand archäologischer Untersuchungen war, blieb der Innenraum – insbesondere Chor und Seitenschiffe – bis heute weitgehend unerforscht. Viele zentrale Fragen sind noch unbeantwortet. Wie genau hat die Bauentwicklung über die Jahrhunderte ausgesehen? Wann stand hier die erste Kirche und was ist von ihrer Geschichte noch im Boden erhalten geblieben?

Erste Einblicke lassen bereits spannende Erkenntnisse erahnen: Bei den Grabungen konnten wir unter anderem Mauern freilegen, die auf massiven Feldsteinfundamenten gründen und eindeutig aus der „Boomphase“ Lübecks um 1200 stammen. 

Besonders bemerkenswert dabei ist die imposante Größe und hochwertige Verarbeitung der Backsteine: ein Zeichen des wirtschaftlichen Erfolgs und der Bedeutung der Lübecker Kaufleute zu dieser Zeit. Die Backsteine spiegeln das wachsende Selbstbewusstsein wieder, das sie mit dem Bau dieser prächtigen Kirche einen bleibenden Eindruck hinterlassen wollten.

Auf den Backsteinen haben wir sogenannte „Scharrierungen“ entdeckt – ein stilistisches Mittel der frühen romanischen Backsteinbaukunst. Das sind feine, handwerklich geschaffene Rillen, die den Backsteinen eine besondere ästhetische Note verliehen. Neben diesen spektakulären Funden haben wir außerdem kunstvoll verzierte Fußbodenfliesen aus den 1370er Jahren des ehemaligen Chors sichergestellt – ein wahrer Schatz der mittelalterlichen Kunst. So bestätigen die Entdeckungen nicht nur bisherige bauhistorische Annahmen, sondern werfen zugleich ein neues Licht auf das Erscheinungsbild und das Verständnis der Kirche in ihrer frühen Phase.