ALLRIS - Vorlage

Antwort auf Anfrage öffentlich - 20/0087

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Beratungsfolge

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Anlass:

Anfrage des AM Detlev Stolzenberg (Die FRAKTION) im Hauptausschuss am 27.03.2026 (VO/2026/14986):

 

  1. Warum sind die Empfehlungen des Bürger:innenrates zum Lümo nicht in der Verwaltungsvorlage VO/2026/14884 benannt und bewertet worden?
  2. Wie werden die Empfehlungen aus dem Bürgergutachten aus Sicht der Verwaltung und aus Sicht des SWLM bezüglich ihrer Umsetzbarkeit bewertet?
  3. Wurde zum Angebot des Lümo eine Nutzer:innen-Befragung durchgeführt?
  4. Gibt es von Seiten der Fahrer:innen der Lümo-Fahrzeuge Anregungen zum Angebot?

 

Antwort:

 

Die Beantwortung der Anfragen wurde mit SWL Mobil abgestimmt.

 

  1. Warum sind die Empfehlungen des Bürger:innenrates zum Lümo nicht in der Verwaltungsvorlage VO/2026/14884 benannt und bewertet worden?

 

Antwort:

Die Bearbeitung der VO/2026/14884 begann bereits kurz nach dem Haushaltsbeschluss der Bürgerschaft am 06.11.2025. Hierzu wurde von der Verwaltung bei SWL Mobil ein Konzept für eine kostenoptimierte Fortsetzung des „Lümo“-Angebots angefragt. Dieses Konzept wurde von SWL Mobil im Dezember 2025 erstellt und vorgelegt. Die Senatsberatung der Vorlage begann vor dem Vorliegen der finalen Empfehlungen der Bürger:innenräte, die am 19.02.2026 übergeben wurden und die auch auf der Internetseite der Hansestadt Lübeck heruntergeladen werden können.

Die Empfehlungen der Bürger:innenräte beziehen sich vorwiegend auf die operationelle Ausgestaltung von „Lümo“. In der VO/2026/14884 wird jedoch argumentiert, dass aufgrund der aktuellen Haushaltslage keine Bestellung des „Lümo“-Angebots durch die Hansestadt Lübeck ab dem Jahr 2027 möglich ist. Die Empfehlungen der Bürger:innenräte zur Finanzierung von „Lümo“ haben nach Einschätzung der Verwaltung nicht das Potenzial, den Kostendeckungsgrad das Angebots in einem Maße zu erhöhen, um diesen Befund zu ändern.

 

SWL Mobil war bei den Sitzungen der Bürger:innenräte dabei und hat die Diskussionen verfolgt. Die sich abzeichnenden Ergebnisse zu Gebietserweiterungen (auf Moisling und Schlutup) sowie die Nutzung eines festen Zuschlags in Höhe von 4,00 EUR/Fahrt sind bereits vor der Finalisierung und Übergabe der Empfehlungen der Bürger:innenräte in das Konzept eingeflossen.

 

  1. Wie werden die Empfehlungen aus dem Bürgergutachten aus Sicht der Verwaltung und aus Sicht des SWLM bezüglich ihrer Umsetzbarkeit bewertet?

 

Antwort:

Seitens der Verwaltung werden die Empfehlungen wie folgt auf ihre Umsetzbarkeit bewertet:

 

Cluster Räumliche Ausgestaltung/Flächendeckung

Die Bürger:innenräte empfehlen mit großer Mehrheit eine Ausweitung auf alle Stadtteile in Lübeck sowie das angrenzende Umland unter Aufstockung der „Lümo“-Flotte.

 

Aufgrund der Raumstruktur ist eine Ausweitung von „Lümo“ auf alle Stadtteile der Hansestadt Lübeck nicht sinnvoll. Hier ist z. B. der Korridor Innenstadt – Kücknitz – Travemünde zu nennen, in dem sich die Nachfrage deutlich sinnvoller mit Bussen bündeln lässt. Bei anderen, ähnlich periphereren Stadtgebieten (z. B. Krummesse) sind die Strecken tendenziell kürzer und die Nachfrage geringer, sodass eine Integration in das „Lümo“ ggf. möglich wäre, ohne einen hohen zusätzlichen Fahrzeugbedarf auszulösen. Wichtige Stadtgebiete wie Moisling und Schlutup wurden von SWL Mobil in das vorgelegte Konzept integriert. Der 5. Regionale Nahverkehrsplan sieht keinen Nachtverkehr im gesamten Stadtgebiet vor.

 

Eine Ausweitung auf das Umland wäre unter Mitfinanzierung der zuständigen ÖPNV-Aufgabenträger und/oder der Gemeinden möglich.

 

Cluster Zeitliche Ausweitung

Die Bürger:innenräte empfehlen mehrheitlich einen früheren Angebotsbeginn ab 17:00 Uhr. Ein ganztägiger Einsatz wird unterschiedlich bewertet.

 

Ein früherer Angebotsbeginn, noch vor dem Beginn des Abendangebots im Busverkehr, wird von der Verwaltung wegen des Parallelverkehrs zum dann noch üppigen Busangebot insgesamt nicht befürwortet. Für einzelne Bereiche mit geringem oder keinem Busangebot könnte ein ganztägiger Betrieb Sinn ergeben (vgl. auch 5. RNVP), allerdings würde dies die Mehrkosten seitens der Hansestadt Lübeck erhöhen. Die Ausweitung der Betriebszeiten würde damit auch dem Bürgerschaftsantrags für ein kostenoptimiertes Lümo-Angebot widersprechen.

Cluster Sicherheitsfunktionen und Barrierefreiheit

Die Bürger:innenräte empfehlen mehrheitlich die freie Wahl des Ausstiegshaltepunkts, insbesondere für mobilitätseingeschränkte Personen. Zusätzliche App-Funktionen wie ein „Frauen-Lümo“ werden unterschiedlich bewertet. Die Ermöglichung der Kinderwagenmitnahme wird mehrheitlich befürwortet, wobei diese bereits heute grundsätzlich möglich ist.

 

Gemäß Personenbeförderungsgesetz, § 44, ist ein Zu- und Ausstieg nur an bestimmten, im Rahmen der Genehmigung definierten Ein- und Ausstiegspunkten im Bediengebiet möglich. Durch virtuelle Haltestellen können in Linienbedarfsverkehren kurze Wege zwischen Ausstieg und dem Zielpunkt erreicht werden. Aktuell werden über 3000 virtuelle Haltestellen im Betriebsgebiet angebunden. Eine weitere Verdichtung dieses Haltestellennetzes könnte geprüft werden.

 

Die Forschungsergebnisse von „in2Lübeck“ deuten auf ein insgesamt hohes Sicherheitsgefühl der Fahrgäste im „Lümo“ hin. Die Implementierung von Sonderangeboten wie einem „Frauen-Lümo“ wird seitens des ÖPNV-Aufgabenträgers daher als nicht notwendig bewertet.

 

Cluster Planung und Buchung

Die Bürger:innenräte empfehlen einstimmig eine Markierung der virtuellen Haltepunkte im Straßenbild (z. B. durch Straßenschilder). Der Einsatz zusätzlicher Fahrzeuge, die Einrichtung von Park-and-Ride-Plätzen sowie bereichsübergreifender Nahverkehrstickets wird mehrheitlich befürwortet.

 

Bisher gibt es nach Einschätzung der Verwaltung kein Informationsdefizit zu den virtuellen Haltestellen, da in der „Lümo“-App der genaue Einstiegspunkt auf einer Karte und zudem eine konkrete Adresse angezeigt wird. Eine zusätzliche Markierung vor Ort (z. B. durch Schilder oder Bodenmarkierungen) wird in einzelnen Linienbedarfsverkehren vorgenommen, führt aber durch die sehr hohe Anzahl an virtuellen Haltepunkten im Stadtgebiet zu hohem Aufwand für Installierung und Pflege und wird daher als insgesamt nicht für sinnvoll erachtet.

 

„Lümo“ ist in den Schleswig-Holsten-Tarif integriert, sodass „Lümo“ bereits jetzt mit vorhandenem ÖPNV-Ticket genutzt werden kann. In diesem Fall ist lediglich der Komfortzuschlag zu bezahlen.

 

Das Potenzial für Park-and-Ride-Parkplätze speziell in Verbindung mit „Lümo“ erscheint eher gering. Aus Sicht der Verwaltung sollten hier die ÖPNV-Verbindungen zwischen der Hansestadt Lübeck und dem Umland eher weiter verbessert werden.

 

Cluster Zahlungsoptionen

Die Bürger:innenräte empfehlen einstimmig die Möglichkeit einer Zahlung mit EC-Karte [sic!]. Auch analoge Fahrkarten und Mehrfahrtenkarten werden mehrheitlich befürwortet.

 

Bislang ist für „Lümo“-Fahrten die Zahlung per App und per Girocard oder Kreditkarte direkt im Fahrzeug nach Bestellung per Telefon möglich. Eine Ausweitung der Zahlungsmöglichkeiten im Fahrzeug wird durch SWL Mobil geprüft.

Cluster Preismodelle

Die Bürger:innenräte empfehlen die Einführung von Stornogebühren sowie die Erhöhung des Komfortzuschlags. Die Option mit der höchsten Zustimmung ist ein pauschaler Zuschlag von 4,00 EUR/Fahrt, während dynamische Optionen geringere Zustimmungen erzielen.

 

Zu der Frage der Zuschläge hat die Verwaltung bereits in der VO/2026/14884 Stellung genommen, wobei es hier ein Spannungsfeld aus Kostendeckungsgrad, Zuverlässigkeit und Attraktivität des Angebots gibt. Der empfohlene Zuschlag von 4,00 EUR/Fahrt erscheint für Pendelnde sehr hoch. Dynamische Modelle können hier durchaus sinnvoll sein, um Preishärten auszugleichen, verringern aber die Klarheit in der Angebotskommunikation.

 

Cluster Auslastungssteigerung

Die Bürger:innenräte empfehlen mehrheitlich eine Auslastungssteigerung durch rabattierte Abo-Modelle (Vielfahrer-Rabatte, „Lümo“-Monatskarte) und Gruppenrabatte.

 

Durch das Deutschlandticket gibt es aus Sicht der Verwaltung bereits ein preislich sehr attraktives Tarifangebot, das auch die Nutzung von „Lümo“ miteinschließt. Rabatte können aber bei einem hohen Komfortzuschlag (siehe vorheriges Cluster) sinnvoll sein, um Preishärten zu vermindern.

 

Generell bewertet die Verwaltung die Auslastung von „Lümo“ im aktuellen Betrieb bereits als sehr hoch. Eine weitere Steigerung der Auslastung könnte für die Zuverlässigkeit des Betriebs kontraproduktiv sein oder den Bedarf nach sich ziehen, die Fahrzeugflotte zu erweitern.

 

Cluster zusätzliche Finanzierungsquellen

Die Bürger:innenräte empfehlen mehrheitlich Kooperationen mit externen Partnern und Unternehmen sowie Werbemaßnahmen auf den Fahrzeugen, um den Kostendeckungsgrad zu erhöhen.

 

Die Anbindung von Gewerbestandorten und Unternehmen innerhalb der Hansestadt Lübeck mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist eine Aufgabe der Daseinsvorsorge. Es ist nicht praktikabel, von den Unternehmen Zuschüsse für eine grundlegende Anbindung einzufordern.

 

Werbung an „Lümo“-Fahrzeugen ist aus Sicht der Verwaltung grundsätzlich möglich, sofern hierdurch der Fahrgastkomfort nicht eingeschränkt wird. Die merkliche Erhöhung der Kostendeckung kann allerdings hierdurch nicht erwartet werden.

 

Cluster Öffentlichkeitsarbeit und Marketing

Die Bürger:innenräte empfehlen mit großer Mehrheit verstärkte Werbemaßnahmen sowie die Erweiterung von Trainings- und Informationsangeboten z. B. für die Zielgruppe der Senior:innen. Die Verwaltung befürwortet diesen Ansatz. „Lümo“ ist bereits jetzt fester Bestandteil der Mobilitätstrainings „Auf die Plätze, fertig, los!“ der SWL Mobil. Auf weitere Werbemaßnahmen ist aufgrund der Unklarheit, wie es mit „Lümo“ ab 2027 weiter geht, zunächst verzichtet worden.


  1. Wurde zum Angebot des Lümo eine Nutzer:innen-Befragung durchgeführt?

 

Antwort:

SWL Mobil gibt an:

„Nach jeder Fahrt wird in der Lümo-App die Frage gestellt, wie zufrieden die Fahrgäste mit der Fahrt waren. Insg. wurden so in 5 Jahren 12.700 Antworten von Nutzer:innen eingeholt. 91% dieser Fahrtbewertungen sind mit 5 von 5 Sternen bewertet worden. Insgesamt wird Lümo von den Fahrgästen mit einer Durchschnittsbewertung von 4,8 von 5,0 als sehr positiv bewertet. Besonders das Fahrpersonal und die Effizienz des Systems werden sehr positiv herausgehoben.

Außerdem wurden im Rahmen des in2Lübeck Forschungsprojekts von der Universität zu Lübeck die Mobilitätsbedürfnisse, die Lümo befriedigt genauer untersucht, indem in verschiedenen Befragungen von Lümo-Nutzenden und nicht-Nutzenden durchgeführt wurden (siehe www.in2luebeck.de).“

 

  1. Gibt es von Seiten der Fahrer:innen der Lümo-Fahrzeuge Anregungen zum Angebot?

 

Antwort:

SWL Mobil gibt an:

„Die Lümo-Fahrer:innen sind Mitarbeiter:innen der SWLM und geben Hinweise und Verbesserungsvorschläge in unregelmäßiger Reihenfolge an ihre Teamleitung sowie die Projektleitenden von Lümo weiter. So konnten schon mehrfach Änderungen herbeigeführt werden, wie z. B. die Verlegung von Haltepunkten an einen besser einsehbaren, beleuchteten oder anfahrbaren Standort. Zudem wird durch die Fahrer:innen ebenfalls Fahrgastfeedback wie z. B. der Wunsch nach Gebietserweiterungen oder zeitlichen Ausweitungen regelmäßig weitergegeben.“

 

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