Schulstatistik der berufsbildenden Schulen 2025/26
Die Schulstatistik der berufsbildenden Schulen umfasst die jährliche Erhebung und Einordnung relevanter Schuldaten. Zum einen bieten die Daten die Grundlage für die möglichst gerechte Verteilung von Ressourcen. So werden beispielsweise Personalressourcen in den Sekretariaten auf dieser Basis verteilt und Schulbudgets individuell berechnet. Zum anderen dienen die Erhebungen dem Monitoring, also der Beobachtung der Zahlen über mehrere Jahre, um eventuellen Steuerungsbedarf aufzuzeigen. Die Zahlen sind außerdem Grundlage der Schulentwicklungsplanung. Die Erhebung für die Berufsschulstatistik der Hansestadt Lübeck 2025/26 erfolgte mit dem Stichtag 14.11.2025.
Zentrale Entwicklungen und Einordnung
Schüler:innenzahlen auf Vorjahresniveau, Anstieg prognostiziert
Die Gesamtzahl der Schüler:innen an den berufsbildenden Schulen der Hansestadt Lübeck ist im Vergleich zum Vorjahr konstant geblieben und liegt im Schuljahr 2025/26 bei 8.883 Schüler:innen in 526 Klassen (gegenüber 8.888 Schüler:innen im Schuljahr 2024/25). Der seit 2012 anhaltende Trend der rückläufigen Zahlen setzt sich in Lübeck in diesem Jahr somit nicht fort. Zum Vergleich: Seit 2015 verzeichneten die Lübecker Schulen einen Rückgang von ca. 18 % (2.000 Schüler:innen weniger), was dem landesweiten und bundesweiten Trend entspricht. Auf Bundesebene wird in den nächsten Jahren laut Prognose des Kultusministeriums wieder mit steigenden Zahlen an den berufsbildenden Schulen gerechnet. Auch die Hansestadt Lübeck erwartet aufgrund des Wachstums in den entsprechenden Altershohorten steigende Schüler:innenzahlen – zunächst an den allgemeinbildenden Schulen, welches sich langfristig an den berufsbildenden Schulen fortsetzt.
In Schleswig-Holstein insgesamt wird trotz der aktuell und mittelfristig wieder steigenden Schüler:innen-zahlen an den allgemeinbildenden Schulen die Zahl der Schüler:innen an berufsbildenden Schulen für die nächsten zwei Jahre noch als sinkend prognostiziert.
Weniger Schüler:innen als im Vorjahr melden in diesem Jahr die Friedrich-List-Schule und die Gewerbeschule Lübeck. Dieser leichte Rückgang erklärt sich durch die Umsetzung des Masterplans Berufliche Schulen des Landes (s.u.). Die Emil-Possehl-Schule und die Dorothea-Schlözer-Schule verzeichnen einen Zuwachs an Schüler:innen, die Hanse-Schule hat dieselben Zahlen wie im Vorjahr.
Während die weiblichen Schüler:innen an den berufsbildenden Schulen insgesamt in der Minderheit sind (42 %) finden sich in den Bildungsgängen, die zum Abitur oder der Fachhochschulreife führen, etwas mehr Frauen als Männer (Berufliches Gymnasium: 55 % / Fachschule: 57 % / Fachoberschule: 56 %). Dies entspricht dem bundesweiten Trend, der auch als „Gender Education Gap“ diskutiert wird. Dementsprechend finden sich im Übergangssystem bei den Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz (AVSH, BIK-Daz und AV-Flex[1]) mehr junge Männer (58 %).
Auswirkungen des Masterplans berufliche Bildung: Neues Avflex, Abnahme der Angebotsvielfalt, Lübeck nutzt die Chance auf Ansiedlung neuer Landesberufsschulen und Bezirksfachklassen
Aufgrund des Rückgangs der Auszubildendenzahlen in vielen Berufen, besonders im Handwerk, und als Reaktion auf allgemein sinkende Schüler:innenzahlen hat das SHIBB mit dem „Masterplan Berufliche Bildung“ eine weitreichende Umstrukturierung der Berufsschullandschaft eingeleitet. Ziel ist der Erhalt der 35 berufsbildenden Schulen des Landes bei gleichzeitiger Bündelung kleiner Klassen.
Die Umsetzung ist in diesem Schuljahr an den berufsbildenden Schulen deutlich spürbar. Einzelne Berufe oder Bildungsgänge werden konzentriert und anderen Schulstandorten zugeordnet. Im Zuge des Masterplans wurden einzelne Berufe oder Ausbildungsgänge (z.B. die Ausbildung zum Fleischer/in an der Gewerbeschule) an andere Standorte verlagert. Dies bedeutet für Schüler:innen mitunter längere Fahrzeiten und für die Lübecker Schulen zum Teil eine Verringerung der Angebotsvielfalt an Ausbildungsberufen. Zum Schuljahr 2025/26 wurde außerdem die bisherige BFS I Unterstufe in Schleswig-Holstein mit dem AVSH fusioniert und heißt nun AVflex. Schüler:innen mit dem Ziel MSA können nach erfolgreichem Besuch der AVflex in die Oberstufe der BFS I wechseln. Diese Entwicklung wird von den berufsbildenden Schulen angesichts der Kürzung in der Stundentafel bei gleichbleibendem Ziel- und Anforderungsniveau kritisch gesehen.
Die Hansestadt Lübeck nutzt als Schulträger der beruflichen Schulen die Chance auf die Bewerbung als Standort für neu zu schaffende Landesberufsschulen oder Bezirksfachklassen. Die Möglichkeiten, die sich im Zuge der Umsetzung des Masterplans Berufliche Bildung in Schleswig-Holstein für den Standort Lübeck ergeben, hat der Schulträger proaktiv durch die Schaffung eines erweiterten Angebots an Internatsplätzen am Standort der Innung des Baugewerbes in Lübeck-Blankensee ergriffen. Wir werden hier zum Schuljahr 2027/2028 in der Lage sein, bis zu 60 Übernachtungsplätze anbieten zu können. Der bedeutende Wirtschafts- und Berufsschulstandort Lübeck strebt in der bewährt guten Zusammenarbeit mit der Kammer, den Innungen und den Betrieben gerade wegen der erforderlichen Umstrukturierungen an, weiter das gefragte Zentrum für die Berufliche Bildung junger Menschen im Norden zu bleiben.
Entwicklung der einzelnen Bildungsangebote: mehr Auszubildende ohne Schulabschluss, Zunahme des AV-Bereichs durch Wegfall der BFS I-Unterstufe, weniger Gymnasiast:innen
4.366 Personen starteten im Sommer 2025 einen Bildungsgang in den berufsbildenden Schulen (4 % mehr als im Vorjahr). Davon hatten 62 % zuvor eine allgemeinbildende Schule besucht. 37 % waren Einpendler:innen von außerhalb Lübecks. Zukünftig soll im Rahmen einer verlässlichen Verbleibsstatistik genauer nachvollziehbar werden, in welchen Bereichen die berufsschulpflichtigen Schulabgänger:innen der Lübecker Gemeinschaftsschulen und Förderzentren verbleiben.
Die Zahlen in der Dualen Ausbildung sind insgesamt leicht gestiegen (+108 Sch. / +2 %), nachdem sie in den letzten zehn Jahren rückläufig waren, besonders während der Coronapandemie. Auffällig ist: 176 junge Menschen ohne Schulabschluss oder mit Förderschulabschluss begannen eine Ausbildung. Das entspricht 8 % der Azubis. In den letzten Jahren lag diese Zahl bei 3-4 %. Es bleibt zu beobachten, ob sich hier ein Wandel der Einstellung am Ausbildungsmarkt und eine größere Offenheit der Ausbildungsbetriebe aufgrund des Fachkräftemangels entwickelt.
Der Bereich der Schüler:innen ohne Ausbildungsverhältnis (AVSH, BIK-DaZ und BVM) hat durch die Umstrukturierung der BFS I zum AVflex deutlich zugelegt (+300 Sch./ +39 %). Da keine neuen Schüler:innen in die Unterstufe der BFS I aufgenommen wurden, hat diese Schulform einen Rückgang von 328 Schüler:innen (-67 %) zu verzeichnen.
Das Berufliche Gymnasium hingegen verzeichnet erneut einen leichten Rückgang der Schüler:innenzahlen. Seit 2014/15 sind die Zahlen in Bildungsgängen, die zum Abitur oder der FHR führen, tendenziell sinkend. Besonders ausgeprägt ist der Rückgang an den beruflichen Gymnasien. Vor zehn Jahren hatten die Lübecker Schulen (Emil-Possehl, Friedrich-List und Dorothea-Schlözer) in diesem Bildungsangebot noch etwa doppelt so viele Schüler:innen wie heute. Dies ist eine landesweite Entwicklung. Als Gründe werden neben demografischen Entwicklungen unter anderem der hohe Stellenwert der Allgemeinen Hochschulreife durch den Besuch einer Sekundarstufe II an Allgemeinbildenden Schulen sowie die Wiedereinführung von G9 genannt (vgl. Berufsbildungsbericht SH, 2020). Hinzu kommt, dass nach wie vor vielen Eltern nicht bewusst ist, dass der Abschluss am beruflichen Gymnasium ein vollwertiges, dem herkömmlichen Gymnasialabschluss absolut gleichwertiges Abitur darstellt. Die drei beruflichen Gymnasien haben Kooperationsvereinbarungen mit den Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe abgeschlossen, die allen Schüler:innen, die die Voraussetzungen erfüllen, die Aufnahme in die Oberstufe garantieren. Durch verstärkte Öffentlichkeitsarbeit versuchen die berufsbildenden Schulen, diesen Weg zu Abitur stärker ins Bewusstsein zu bringen.
Weiterer Anstieg bei Deutsch als Zweitsprache-Bedarf und mehr Daz-Schüler:innen in Ausbildung
An den fünf berufsbildenden Schulen sind im Schuljahr 2025/26 insgesamt 1.410 ausländische Schüler:innen gemeldet, 56 mehr als im Vorjahr. Somit besitzen knapp 16 % der Schüler:innen keine deutsche Staatsangehörigkeit (Lübecker Bevölkerung: 14,6 %, auf Bundesebene: 14,5 %).
55 % der ausländischen Schüler:innen (770) sind als DaZ-Schüler:innen registriert, haben also Bedarf an Deutsch als Zweitsprache-Unterricht. Die Zahl der Daz-Schüler:innen an den berufsbildenden Schulen verzeichnet bedingt durch die vermehrte Zuwanderung aus Krisengebieten seit Jahren eine steigende Tendenz. Insgesamt sind in diesem Schuljahr 186 Personen mehr als im Schuljahr 2024/25 gemeldet.
Für die berufsschulpflichtigen Neuzugewanderten, die in der DaZ-Basisstufe beschult werden, werden Berufsintegrationsklassen (BIK-DaZ) angeboten. Die Zahl dieser Schüler:innen ist leicht gesunken (-24 Sch.). 117 Schüler:innen verteilen sich auf sieben BIK-DaZ-Klassen im Rahmen der AVSH: sechs an der Gewerbeschule Lübeck sowie eine an der Dorothea-Schlözer-Schule. Die anderen Schulen integrieren Schüler:innen mit DaZ-Bedarf in ihre AVSH-Klassen. Anteilig machen die Schüler:innen der DaZ-Basisstufe inzwischen 26 % aller Schüler:innen ohne Ausbildungsverhältnis an den fünf Schulen aus.
Eine positive Entwicklung ist die deutliche Zunahme der DaZ-Schüler:innen mit Ausbildungsverhältnis (+117 Sch.). Ihr Anteil ist von 46 % auf 50 % aller Daz-Schüler:innen gestiegen.
Die Integration von Neuzugewanderten in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt stellt vor dem Hintergrund der gestiegenen Zuwanderung durch den Krieg in Syrien und die russische Invasion in der Ukraine eine zentrale Aufgabe für die berufsbildenden Schulen dar. Für Betriebe liegt in der Ausbildung und Beschäftigung dieser jungen Menschen eine Chance, dem wachsenden Fachkräftemangel in vielen Branchen entgegenzuwirken. Für die berufsbildenden Schulen stellt sich die Herausforderung, diese jungen Menschen trotz ihrer Sprachdefizite durch die Ausbildung zu begleiten. Auswertungen des Nationalen Bildungspanels (NEPS) zeigen, dass Auszubildende mit Migrationshintergrund ein einhalbmal höheres Risiko haben, eine berufliche Ausbildung vorzeitig zu beenden. Wichtig sind daher neben dem Sprachunterricht auch Unterstützungsangebote wie Mentoring oder Schulsozialarbeit.
Weniger Abgänger:innen aus der Dualen Ausbildung, weniger allgemeinbildende Schulabschlüsse
Im Sommer 2025 verließen 4.207 Schüler:innen die berufsbildenden Schulen, 6 % weniger als im Vorjahr. Allein in der Dualen Ausbildung gab es 138 Abgänger:innen weniger als 2024. Ein Grund ist, dass durch die Folgen der Pandemie in den Vorjahren weniger Schüler:innen eine Ausbildung begonnen hatten. Rund 58 % verließen die Schule mit einem Abschlusszeugnis (bestandene Prüfung bzw. Erreichen des Bildungsziels), 42 % verließen die Schule mit einem Abgangszeugnis ohne Erreichen des angestrebten Abschlusses (z.B. bei Abbruch der Ausbildung oder Nichtbestehen der Prüfung, aber auch bei Bildungsgangwechsel und Wegzügen). Deutschlandweit ist die Lösungsquote von Ausbildungsverträgen in den letzten Jahren (mit Ausnahme des Coronajahres 2020) tendenziell gestiegen. 2023 erreichte sie mit 29,7 % einen Höchststand. Rund die Hälfte der Abbrechenden setzt laut Bundesagentur für Arbeit die Ausbildung zeitnah in einem anderen Betrieb fort oder beginnt eine andere Ausbildung. Von den Absolvent:innen erwarben 17 % (703) beim Verlassen der berufsbildenden Schulen einen allgemeinbildenden Schulabschluss, etwas weniger als im Vorjahr. Dieser Prozentsatz ist in den letzten Jahren gesunken. Vor der Pandemie lag er noch bei über 20 %. Nach wie vor gelingt es vielen Schüler:innen auch im AVSH nicht, den ESA zu erlangen. Die Ursachen hierfür sind komplex (z.B. Sprachbarrieren, Absentismus, fehlende Motivation, psychische Probleme). Die schulischen Ressourcen zur Begleitung dieser Schüler:innen sind knapp, zumal aktuell vom Ministerium Lehrkräftestellen von den berufsbildenden Schulen an die Gemeinschaftsschulen verlagert werden. Zusätzliche Unterstützungsangebote wie Schulsozialarbeit, psychologische Beratung und Coaching sind daher von großer Wichtigkeit.
Detaillierte Informationen sind der angehängten Statistik der berufsbildenden Schulen 2025/26 zu entnehmen (siehe auch www.luebeck.de/schulstatistik).