Schulstatistik Allgemeinbildende Schulen 2025/26
Die Schulstatistik umfasst die jährliche Erhebung und Einordnung relevanter Schuldaten. Zum einen bilden die Daten die Grundlage für die möglichst gerechte Verteilung von Ressourcen. So werden beispielsweise Personalressourcen in den Sekretariaten oder der Schulsozialarbeit auf dieser Basis verteilt und Schulbudgets individuell berechnet. Zum anderen dienen die Erhebungen dem Monitoring, also der Beobachtung der Zahlen über mehrere Jahre, um eventuellen Steuerungsbedarf aufzuzeigen. Die Zahlen sind außerdem Grundlage der Schulentwicklungsplanung. Die Erhebung für die aktuelle Schulstatistik der Hansestadt Lübeck erfolgte mit dem Stichtag 26.09.2025.
Zentrale Entwicklungen und Einordnung
Schüler:innenzahlen
In diesem Schuljahr besuchen 20.591 Schüler:innen allgemeinbildende Schulen in Trägerschaft der Hansestadt. Der Vergleich der Schüler:innenzahlen über die Jahre zeigt einen stetigen Zuwachs seit 2021/22, zum Vorjahr gibt es in diesem Jahr zum ersten Mal gesunkene Zahlen. Allerdings werden die Gymnasien ab dem nächsten Schuljahr durch den Wechsel zu G9 einen Jahrgang mehr als in den Vorjahren beschulen (mindestens 500 zusätzliche Schüler:innen), was zusätzlichen Raumbedarf nach sich zieht und höhere Schüler:innenzahlen ab 2026/27 erwarten lässt. Die Hansestadt reagiert auf den Bedarf mit dem Umbau des Karstadthauses in das Bildungshaus Kö54 für die Oberstufen der Innenstadtschulen, Interimsstandorten für Sanierungen auf der Hüxwiese sowie an der Kanalstraße und der geplanten Anmietung von Räumen der ehemaligen Otto-Mortzfeld-Schule für das Carl-Jacob-Burckhard-Gymnasium sowie der Bedarfsanalyse zur Planung eines 8. Gymnasiums.
Die Raumsituation ist an allen Schulformen angespannt, diverse Sanierungs- und Ausbauprojekte sind - auch vor dem Hintergrund der steigenden Betreuungszahlen im Ganztag – weiterhin nötig.
Abgesehen von der Grundschule verteilen sich Schülerinnen und Schüler ungleich auf die Schulformen. Mädchen sind in größeren Anteilen auf Schulen vertreten, die zu höheren Abschlüssen führen. Entsprechende Unterschiede gibt es auch bei den Abschlüssen (s.u.). Diese ungleichen Verteilungen bestehen bundesweit und reichen bis ins Studium. Allerdings kehren sich die Unterschiede im Arbeitsleben um (Erwerbstätigkeit, Teilzeitquote, Verdienst, Altersvorsorge, Armut).
Ähnlich verhält es sich mit der Verteilung von Schüler:innen ohne deutsche Staatsangehörigkeit. Der Anteil der Schüler:innen ohne deutsche Staatsangehörigkeit über alle Schulformen ist ähnlich hoch wie im Vorjahr (16,5 %). Bundesweit hatten 2024/25 16,9% der Grundschüler:innen keine deutsche Staatsangehörigkeit. Schulen mit Oberstufe weisen jedoch sowohl in Lübeck als auch deutschlandweit einen geringeren Anteil dieser Schüler:innen auf, als Schulen ohne. Auch DaZ-Klassen befinden sich in Lübeck vor allem an Grund- sowie Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe. Die Zahl der Schüler:innen in der DaZ-Basisstufe ist im Vergleich zum Vorjahr weiter gesunken, aber immer noch über dem (nach einer Spitze in 2016/17) gesunkenen Niveau von 2018/19 bis 2021/22. Die DaZ-Schüler:innen der Basisstufe des letzten Schuljahres sind in der Regel inzwischen in die Regelklassen gewechselt. Sprachbarrieren stellen die Schulen vor Herausforderungen. Neben Sprachklassen helfen Angebote zur Integration in die Schulgemeinschaft, um die Anwendung der Sprache zu üben (z.B. im Ganztag) und die Zugehörigkeit zur Schulgemeinschaft zu fördern.
Die Zahl der Kinder mit Förderbedarf liegt aktuell bei 7,6 % (Vorjahr 8,1 %) aller Schüler:innen in Schulen in Trägerschaft der Hansestadt und mit 1.566 niedriger als im Vorjahr. Auf alle Lübecker Schulen verteilen sich die Förderschwerpunkte wie folgt: Ungefähr 43 % haben den Förderschwerpunkt Lernen, 30 % den Förderschwerpunkt geistige Entwicklung, 13 % den Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung sowie 11 % emotionale und soziale Entwicklung. Im Vergleich zu den deutschlandweiten Zahlen werden in Lübeck etwas mehr Schüler:innen im Förderschwerpunkt Lernen (40 %) und mehr mit Schwerpunkt körperlich-motorische Entwicklung (7 %) sowie deutlich mehr mit Förderbedarf geistige Entwicklung (19 %) diagnostiziert, jedoch weniger emotionale und soziale Förderbedarfe (19 %).
An den Lübecker Förderzentren werden außerdem zunehmend mehr Schüler:innen im Schwerpunkt geistige Entwicklung beschult, während die Zahl der Kinder mit anderen Förderschwerpunkten sank. Der Anteil der integrativ beschulten Kinder liegt aktuell mit 5 % unter dem Niveau des Vorjahres. Die Zahl der Schüler:innen an den Förderzentren der Hansestadt ist gleich geblieben (2,7 %). Fast zwei Drittel der Schüler:innen mit Förderbedarf werden integrativ beschult. Deutschlandweit gilt dies nur für 43% der Förderschüler:innen. Hierbei gibt es - abhängig vom Förderbedarf – allerdings deutliche Unterschiede in den Anteilen der integrativen Beschulung. So werden Schüler:innen mit Förderbedarf Lernen sowie emotionale und soziale Entwicklung vor allem integrativ beschult. Bei einem Förderbedarf im geistigen und/oder körperlichen Bereich besucht der Großteil aufgrund stärkerer Einschränkungen ein Förderzentrum. Dies sind drei Viertel der Kinder und Jugendlichen an Förderzentren in Lübeck.
Im Rahmen der Schulentwicklungsplanung Förderzentren wurden Schritte auf dem Weg zu mehr Inklusion angestoßen (s. VO/2024/13171-06). So plant die Hansestadt einen inklusiven Schulteil an einem Förderzentrum, den Ausbau von Campusklassen sowie Schwerpunktschulen für Inklusion mit angemessener Ausstattung und Barrierearmut für Schüler:innen mit einem geistigen oder körperlichen Förderbedarf (körperlich-motorisch sowie Sehen oder Hören). Das Förderzentrum Astrid-Lindgren-Schule (Lernen sowie emotionale und soziale Entwicklung) wird ab dem nächsten Schuljahr keine neuen Schüler:innen aufnehmen. Für Lehrkräfte und Mitarbeitende im Ganztag sowie Eltern bietet der Schulträger Fachtage zum Thema „Integration bzw. Neurodiversität“ an (s. https://www.luebeck.de/de/stadtleben/familie-und-bildung/bildungsplanung/bildungskonferenzen.html ) und berät einzelfallbezogen im Rahmen der Schulsozialarbeit und KEH.
Übergänge und Abschlüsse
Die Verteilung der Übergänge auf Gemeinschaftsschulen und Gymnasium bewegte sich in den vergangenen Jahren bei ähnlichen Anteilen. Eine zunehmende Präferenz bestimmter Schulformen ist nicht beobachtbar. Die Gymnasien erhielten 45 % der Anmeldungen und die Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe 37 %. Der Anteil der Übergänge ans Gymnasium liegt im Mittel Schleswig-Holsteins (44 %), aber unter den Kieler Zahlen (54 %). Mit der Schaffung eines weiteren Gymnasiums soll die Übergangsquote verbessert werden.
Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Zahl der Jugendlichen ohne Schulabschluss. 9 % aller Abgehenden verließen eine Schule der Hansestadt Lübeck im Sommer 2025 ohne Abschluss oder mit dem Abschluss geistige Entwicklung. Dieser Prozentsatz liegt auf dem Niveau des Vorjahres und ist nach übereinstimmender Meinung der Schulaufsicht und des Schulträgers zu hoch. Landesweit erhielten 2024/25 10 % der Abgänger:innen keinen oder einen Förderschulabschluss in Lübeck waren dies 13 % (Kiel 9 %). Im Sommer 2025 verließen besonders viele Jugendliche die Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe gänzlich ohne Abschluss. Eine Befragung der Schulleitungen ergab, dass wie in den letzten Jahren vor allem Sprachbarrieren, Absentismus, fehlende Motivation und/oder psychische Probleme als Ursachen vermutet werden. Die Ursachen für Schulversagen sind komplex, da es sich hierbei meist um die Folge längerer, multikausaler Entwicklungen handelt. Angebotene Hilfen werden nicht immer angenommen. Allgemein werden folgende Maßnahmen als wirksam angesehen: individuelle Unterstützung (sowohl bezüglich des Lernstoffs als auch psychischer Probleme), positives Klassen- und Schulklima und Bindung an die Schule, Präventionsangebote (z.B. Mobbing, Drogen), Erfassung von Fehlzeiten und klares Vorgehen (s. Landeskonzept Absentismus), Förderung sozialen Lernens, der Selbstwirksamkeit und der Selbstregulation, Zusammenarbeit mit Unterstützungsangeboten (Schulsozialarbeit, Schulpsychologie, Jugendhilfe etc.) und Einbeziehung der Eltern. In Lübeck werden eine Reihe derartiger Maßnahmen angeboten (u.a. Lernförderung, Integrationshilfe, Lerngruppe Erziehungshilfe und Soziale Gruppe, Startchancenprogramm, Projekt Psychische Gesundheit, Förderung sozialen Lernens und Präventionsangebote über die Schulsozialarbeit, Absentismuskonzept, Schulpsychologische Beratung, Beratung durch die Kooperative Erziehungshilfe KEH, Flex-Klassen und Produktives Lernen, TALENT, Jugendberufsagentur, Fachtage für Mitarbeitende in Schule und Eltern; Angebot „FiSch - Familie in Schule“ usw.)
Bei schulischen Problemen erhalten Schüler:innen, Lehrkräfte und Eltern Unterstützung u.a. bei der Schulsozialarbeit und Kooperativen Erziehungshilfe, welche in weiter gehende intensive Hilfen vermitteln. Die KEH (Kooperative Erziehungshilfe) unterstützte in 2024/25 in den Bereichen Übergang in die Schule, Schulprobleme und Absentismus mehr Kinder und Jugendliche als im Vorjahr. 31% der Beratungen erfolgten bereits vor der Einschulung. Auch die Nachfrage nach Beratung durch die Schulsozialarbeit in den Schulen ist hoch. Schulsozialarbeitende berieten allein in den Monaten Februar bis Juli 2025 über 3.000 Schüler:innen – u.a. bei Konflikten mit Mitschüler:innen. Auch Prävention spielt eine wichtige Rolle der Arbeit der Schulsozialarbeit. So wurden ca. 5.800 Schüler:innen in Gruppenangeboten z.B. zu sozialem Lernen, Demokratiebildung oder Medienkompetenz erreicht. Ein Schwerpunkt von Schulsozialarbeit in der schulischen Zusammenarbeit bildet außerdem die Entwicklung von Präventions- und Interventionskonzepten. 2025 erfolgte ein Ausbau von Schulsozialarbeit an Startchancenschulen, um dort besonders im Schulentwicklungsprozess und im Schulalltag zu unterstützen.
Ganztägige Förderung junger Menschen an Schulen: Entwicklung
Die ganztägige Förderung junger Menschen an Schule wird (auch vor dem Hintergrund des kommenden Rechtsanspruchs) weiter ausgebaut. Inzwischen besuchen 79 % der Grundschulkinder die Schulkindbetreuung. Gegenüber dem letzten Jahr wurden rund 100 Schüler:innen mehr angemeldet. Auch der Anteil der Kinder mit Förderbedarf im Ganztag an Regelschulen ist in den letzten Jahren gestiegen. Die Förderzentren bieten ebenfalls Angebote der offenen Ganztagsschule mit verschiedenen AGs an allen Standorten an. An der Ahorn-Schule, der Schule Wilhelmshöhe und der Matthias-Leithoff-Schule findet zusätzlich integriert in den Offenen Ganztag mit seinem AG-Angebot ein verlässliches Schulkindbetreuungsangebot statt.
Im weiterführenden Bereich sind fast alle Schulen offene oder gebundene Ganztagsschulen. Im Schuljahr 2025/26 werden außerdem an der Albert-Schweitzer-Schule, der St. Jürgen GGemS, der Trave-Grund- und Gemeinschaftsschule und der Julius-Leber-Schule Schülerclubs für die Klassenstufen 5 und 6 gefördert. Vielfältige Angebote fördern die Bindung an die Schule, das soziale Miteinander und können schulische Leistungen verbessern. Der Ausbau des Ganztages ist somit auch ein Baustein Bildungsgerechtigkeit zu erhöhen.
Detaillierte Informationen zu den einzelnen Themen sind der angehängten Schulstatistik Allgemeinbildende Schulen 2025/26 zu entnehmen (siehe auch www.luebeck.de/schulstatistik).
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