Stadt Lübeck erläutert die Gründe für den Beschluss zur Umgestaltung des Verkehrsknotenpunkts und nimmt Stellung zum angekündigten Bürgerbegehren
Die Hansestadt Lübeck nimmt die Ankündigung eines Bürgerbegehrens zum Erhalt des Kreisverkehrs am Mühlentorplatz zur Kenntnis. Bürgerbegehren sind ein wichtiger Bestandteil der kommunalen Demokratie. Zugleich sieht sich die Stadt in der Verantwortung, die Öffentlichkeit über die fachlichen Grundlagen des Beschlusses der Bürgerschaft vom 28. Mai 2026 zu informieren.
Unfallhäufungspunkt erfordert Handeln
Der Verkehrsknotenpunkt Mühlentorplatz erfordert eine grundlegende Neuordnung. Seit vielen Jahren zählt er zu den Unfallhäufungspunkten der Hansestadt Lübeck. Dies wird regelmäßig durch die Verkehrssicherheitsberichte der Polizei dokumentiert. Besonders häufig kommt es zu Konflikten zwischen Kraftfahrzeugen und Radfahrenden an den Zu- und Ausfahrten des Kreisverkehrs. Daraus ergibt sich ein dringender Handlungsbedarf.
Die Verbesserung der Verkehrssicherheit ist dabei keine politische Frage, sondern eine Verpflichtung. Unfallhäufungspunkte müssen so angepasst werden, dass sie regelkonform und sicher genutzt werden können. Die Stadt hat deshalb verschiedene Lösungsansätze intensiv untersucht und bewertet.
Sicherheitsverbesserung im Kreisverkehr bereits erprobt
Dabei handelt es sich nicht nur um theoretische Betrachtungen. Bereits vor rund zwei Jahren wurde der ehemals zweispurige Kreisverkehr durch Markierungen und Anpassungen in einen einspurigen Kreisverkehr umgewandelt. Ziel war es, die Blickbeziehungen zwischen Rad- und Kraftfahrzeugverkehr zu verbessern und die Sicherheit an den Ein- und Ausfahrten zu erhöhen. Die Auswertung dieser Maßnahme zeigte jedoch keine wesentliche Verbesserung der Verkehrssicherheit. Die Frage, ob ein umgestalteter Kreisverkehr die Unfallproblematik lösen kann, wurde somit bereits praktisch erprobt.
Kreuzung bietet höchste Verkehrssicherheit
Die Ergebnisse der Untersuchungen sind eindeutig: Eine signalisierte Kreuzung, also eine Kreuzung mit Ampelsteuerung, bietet die höchste Verkehrssicherheit aller untersuchten Varianten. Während bei einer solchen Lösung nur noch ein relevanter Konfliktpunkt zwischen Kraftfahrzeug- und Radverkehr verbleibt, weist ein Kreisverkehr weiterhin neun Konfliktpunkte auf.
Ein typisches Beispiel für einen Konfliktpunkt ist die Situation, wenn ein Auto aus dem Kreisverkehr ausfährt und dabei den parallel verlaufenden Radverkehr kreuzt. Gerade an diesen Stellen kommt es am Mühlentorplatz immer wieder zu Unfällen. Durch die Ampelsteuerung können die Verkehrsströme zeitlich voneinander getrennt werden, sodass sich Radfahrende und abbiegende Kraftfahrzeuge deutlich seltener in die Quere kommen. Besonders wichtig ist dies angesichts der hohen Zahl von Schüler:innen und Student:innen, die den Bereich täglich nutzen.
Umfassende Abwägung statt einseitiger Entscheidung
Die Initiative führt an, die Bürgerschaft habe sich bei ihrer Entscheidung über fachliche Empfehlungen hinweggesetzt. Tatsächlich lagen zum Zeitpunkt der Beschlussfassung umfangreiche Untersuchungen, Gutachten und Bewertungen vor. Die Bürgerschaft hat diese Erkenntnisse in ihre Entscheidung einbezogen und nach Abwägung aller relevanten Belange eine politische Entscheidung getroffen. Dies entspricht dem regulären demokratischen Verfahren.
Auch die Behauptung, die Stimmen von Fachleuten seien ignoriert worden, entspricht nicht den Tatsachen. Im Rahmen des Planungsprozesses wurden unterschiedliche fachliche Perspektiven aus den Bereichen Verkehrsplanung, Stadtplanung, Freiraumplanung und Denkmalpflege berücksichtigt. Die Stadt erkennt ausdrücklich an, dass der Kreisverkehr städtebauliche Qualitäten besitzt und den Zugang zur Altstadt prägt. Gerade weil diese Qualitäten unbestritten sind, fiel die Entscheidung nicht leicht.
Mobilität von morgen mitdenken
Die Diskussion um den Mühlentorplatz beschränkt sich jedoch nicht allein auf Verkehrssicherheit und Stadtbild. Der Standort bildet einen wichtigen Eingang zur historischen Altstadt und muss zugleich den Anforderungen einer modernen und zukunftsfähigen Mobilität gerecht werden. Mit der Radroute Plus in der Ratzeburger Allee entsteht die erste Radschnellverbindung Schleswig-Holsteins. Bereits heute nutzen rund 8.500 Radfahrende täglich diese Achse. Für die Zukunft wird mit einer deutlichen Zunahme gerechnet. Die sichere Anbindung dieser wichtigen Radverkehrsverbindung an den Mühlentorplatz stellt daher eine zentrale Anforderung an die Planung dar.
Langfristige Lösung statt kurzfristiger Kostenvorteile
Das Bürgerbegehren verweist zudem auf mögliche Kosteneinsparungen. Die Stadt weist darauf hin, dass die Umgestaltung des Mühlentorplatzes zeitlich mit der ohnehin erforderlichen Sanierung der Mühlentorbrücke abgestimmt wird. Die Arbeiten sollen damit weitestgehend im Schatten einer bereits notwendigen Großbaustelle erfolgen. Zusätzliche langfristige Verkehrsbehinderungen entstehen dadurch nicht.
Die Baukosten für die beschlossene Kreuzung mit Lichtsignalanlage werden derzeit auf rund 3 Millionen Euro geschätzt. Ein regelkonform umgebauter Kreisverkehr würde nach aktuellen Berechnungen rund 2,3 Millionen Euro kosten. Die Differenz beträgt damit etwa 700.000 Euro.
Entscheidend ist jedoch nicht allein die Höhe der Investition, sondern deren nachhaltige Wirkung. Nach den vorliegenden Untersuchungen bietet die Kreuzung die höchste Verkehrssicherheit und die größte Leistungsfähigkeit aller geprüften Varianten. Für den Kreisverkehr konnte hingegen trotz umfangreicher Untersuchungen und bereits erfolgter Anpassungen nicht nachgewiesen werden, dass die Unfallhäufungen nachhaltig reduziert werden können. Sollte sich nach einem Umbau herausstellen, dass die Unfallzahlen weiterhin hoch bleiben, wären weitere bauliche Maßnahmen oder eine spätere Signalisierung erforderlich. Dies würde zusätzliche Kosten verursachen und erneut Bauarbeiten notwendig machen.
Planungssicherheit für die Gesamtmaßnahme
Der Beschluss der Bürgerschaft schafft zudem Planungssicherheit für die anstehende Umsetzung. Eine erneute grundlegende Überplanung des Verkehrsknotens würde zusätzliche Planungszeit erfordern und weitere Kosten verursachen. Gleichzeitig bestünde das Risiko, dass die Sanierung der Mühlentorbrücke abgeschlossen wird, während für den Mühlentorplatz noch keine baureife Lösung vorliegt. In diesem Fall könnten die erforderlichen Arbeiten nicht wie vorgesehen gebündelt werden. Dies würde nicht nur zu zeitlichen Verzögerungen führen, sondern auch die Gefahr zusätzlicher Verkehrsbeeinträchtigungen und Mehrkosten erhöhen.
Stadtbild bleibt wichtiger Bestandteil der Planung
Die Stadt teilt die Auffassung, dass der Mühlentorplatz auch künftig ein attraktiver Stadteingang bleiben soll. Deshalb wurde bei den Untersuchungen ausdrücklich darauf geachtet, eine Lösung mit möglichst geringem Flächenbedarf zu entwickeln und Eingriffe in den vorhandenen Baumbestand so weit wie möglich zu minimieren. Gleichzeitig muss jedoch gewährleistet sein, dass alle Verkehrsteilnehmenden den Knotenpunkt sicher nutzen können.
Verkehrssicherheit bleibt ausschlaggebend
Die Hansestadt Lübeck respektiert das Engagement der Initiative und wird den weiteren demokratischen Prozess konstruktiv begleiten. Die Entscheidung der Bürgerschaft basiert jedoch nicht auf einer Gegenüberstellung von „Kreisverkehr oder Kreuzung“, sondern auf einer umfassenden Abwägung von Verkehrssicherheit, Stadtgestaltung, Leistungsfähigkeit, Wirtschaftlichkeit und den Anforderungen einer modernen Mobilität.
Nach den vorliegenden Erkenntnissen bietet die signalisierte Kreuzung die beste Möglichkeit, die bestehenden Sicherheitsprobleme dauerhaft zu lösen und den Mühlentorplatz zukunftsfähig zu gestalten. Ferner werden so Bauverzögerungen zwischen der Sanierung der Mühlenbrücke und der Umgestaltung des Mühlentorplatzes vermieden und eine schnellere Durchfahrt zur Mühlenstraße wieder ermöglicht.