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Veröffentlicht am 09.05.2022

Klangbilderkonzert zum 77. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus

Werke von Debussy, Bax, Čemerytė, Smit, Hindemith und Genzmer begleiten Texte der Familie Mann am 16. Mai im Theater Lübeck

Beim 3. Klangbilderkonzert, dass in Kooperation mit dem Buddenbrookhaus Heinrich-und-Thomas-Mann-Zentrum in den Kammerspielen des Theater Lübeck stattfindet, werden Texte der Familie Mann aus dem Exil des zweiten Weltkriegs gelesen, die sich u. a. mit dem Irrsinn des Krieges und den Erfahrungen des Vertriebenseins auseinandersetzen. Lesen wird sie Schauspieler Michael Fuchs, der in der Inszenierung von »Der Untertan« Heinrich Mann verkörpert hat.

Es erklingt Musik für Flöte, Viola und Harfe von Komponist:innen aus den Ländern des Exils und der verlorenen Heimat. Das Trio des Franzosen Claude Debussy hat diese aparte kammermusikalische Besetzung in Zeiten des Ersten Weltkriegs begründet. Ein Duo des Engländers Arnold Bax trifft auf fast gleichzeitig entstandene Flöten-Stücke des deutschen Komponisten Paul Hindemith, der von den Nationalsozialisten als »atonaler Geräuschemacher« verunglimpft wurde und als Emigrant die amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen hat. 1926 entstand das Trio des niederländischen Juden Leo Smit, den die Nationalsozialisten 1943 im Vernichtungslager Sobibor umgebracht haben. Der deutsche Harald Genzmer, bekanntester Schüler von Paul Hindemith, schrieb sein Trio wenige Jahre nach Kriegsende 1947. Die bei Frankfurt lebende litauische Komponistin Diana Čemerytė schrieb eigens für dieses Konzert eine Klangnovelle für Thomas Mann, die in diesem Konzert ihre Uraufführung erleben wird. Ihr Titel »Dämmrung will die Flügel spreiten«, zitiert den Beginn von Eichendorffs Gedicht »Zwielicht«, das Robert Schumann in seinem »Liederkreis« vertont hat und das von Thomas Mann sehr geschätzt wurde.

»Meine Wohnung ist in die Luft geflogen, meine Schreibmaschine ist zerstört und fast alle meine Manuskripte und Notizen sind verbrannt; trotzdem will ich versuchen, eine einfache Darstellung der Nacht zu geben, in der all dies geschehen ist …« (Erika Mann: Eine Nacht in London. In: Blitze überm Ozean. 1. Aufl. Reinbek bei Hamburg 2000, S. 179-182.)

Claude Debussy (1862‑1918) Sonate für Flöte, Viola und Harfe (1916)
Arnold Bax (1883‑1953) Sonate für Flöte und Harfe (1928)
Diana Čemerytė (*1974) »Dämmrung will die Flügel spreiten« – Klangnovelle für Thomas Mann für Flöte, Viola und Harfe (2020‑21), Kompositionsauftrag für dieses Konzert, Uraufführung
Leo Smit (1900‑1943) Trio für Flöte, Viola und Harfe (1926)
Paul Hindemith (1895‑1963) »Acht Stücke für Flöte allein« (1927)
Harald Genzmer (1909‑2007) Trio für Flöte, Viola und Harfe (1947)

Komposition D. Čemerytė Flöte W. Ceunen Viola V. Dörmann Harfe J. Jung Lesung M. Fuchs
Konzert 16/05, 19.30 Uhr, Kammerspiele

Theaterkasse 0451/399 600 Kartenkauf online www.theaterluebeck.de und bei allen bekannten
Vorverkaufsstellen.  +++