Die Aktion sah für das Jahr 2023 ursprünglich 500 Tickets vor, welche aber aufgrund einer anfänglich sehr hohen Nachfrage auf 1.000 erhöht wurde. Im Jahr 2023 wurden insgesamt 818 Tickets vergeben. Von den 818 Teilnehmenden waren 657 weiblich und 161 männlich. Hieran kann man erkennen, dass sich das geschlechtliche Verhältnis aus dem Vorjahr bestätigt, wo Frauen ebenfalls ca. 80 % der Teilnehmenden ausmachten.

Von den 818 Teilnehmenden hat eine Person keine Angaben zum Alter gemacht. Bei den restlichen Teilnehmenden bestätigt sich hier klar der Trend aus dem Vorjahr zu älteren Teilnehmenden. In diesem Jahr nahmen 14 Teilnehmende unter 60 teil. Die jüngste Teilnehmerin war zum Zeitpunkt der Teilnahme 28 Jahre alt. Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden liegt wie im Vorjahr bei 79 Jahren, wohingegen der Median des Alters bei 80 Jahren liegt.

Zu erkennen ist, dass bei Männern das Interesse an der Teilnahme an der Aktion erst mit dem Alter zunahm, auch wenn dieser Trend in 2022 noch deutlich ausgeprägter war. Frauen verfügen jedoch über eine höhere Lebenserwartung und sind daher gegenüber Männern stärker in den Altersgruppen über 60 vertreten. Das heißt, dass selbst bei identischem Interesse beider Geschlechter an einer Teilnahme, mehr Frauen an dieser Aktion teilnehmen würden. Um ein besseres Verständnis dafür zu gewinnen, wie sich das Interesse an der Aktion je nach Altersgruppe und Geschlecht verhält, wird auch ein um diesen Frauenüberschuss bereinigtes Verhältnis angezeigt, welches den Trend aus den absoluten Zahlen bestätigt.

Anmerkung: Die Altersgruppen „Unter 60“, „60 – 64“, „90 – 94“ und „95 – 99“ weisen geringe Teilnehmendenzahlen auf und sind daher nicht statistisch verlässlich. Daher wurden sie nicht in diese Grafik aufgenommen. Die Gruppe „ohne Altersangabe“ ist für diese Grafik irrelevant.
Bei der Beantragung des Deutschlandtickets mussten die Teilnehmenden ihre Adresse angeben. Anhand der angegebenen Postleitzahlen kombiniert mit den Bevölkerungszahlen der Bürger:innen über 60 aus Punkt 219 der Statistischen Nachrichten Nr. 62 zur Bevölkerung Lübecks kann man erkennen, dass sich das Interesse an der Teilnahme unterschiedlich je nach Postleitzahlengebiet darstellt.

Anmerkung: Für 2022 und 2023 liegen unterschiedliche Bevölkerungszahlen in den Postleitzahlgebieten vor. Ein direkter Vergleich ist also nur eingeschränkt möglich.

Quelle: https://www.atlasbig.com/images/luebeck-postleitzahlen-karte.png
Der Erfolg dieser Aktion wird daran gemessen, wie viele Neukund:innen gewonnen werden konnten. An der Aktion konnten auch Bürger:innen teilnehmen, die bereits ein bestehendes Abonnement mit SWL Mobil hatten. Zu Beginn hatten 146 der 818 (17,8 %) Teilnehmenden bereits ein bestehendes Deutschlandticketabonnement. Von diesen 146 Bestandskund:innen haben 27 ihr Abonnement nach der Teilnahme an der Aktion nicht verlängert und gingen daher als Kund:innen verloren. Dennoch haben die restlichen 119 (81,5 %) Bestandkund:innen ihr Abonnement wieder privat fortgeführt. Zeitgleich konnten von den 672 Teilnehmenden, die vor dieser Aktion kein Abonnement hatten, 302 als Neukund:innen gewonnen werden, was einer Adoptionsrate von 44,9 % entspricht. Insgesamt erhöht sich damit die Zahl der Abonnements unter den Teilnehmenden am ersten Durchlauf der Aktion von 146 (17,8 %) auf 421 (51,4 %).

Im Rahmen der Aktion können noch bis Ende 2025 Anträge entgegengenommen werden. Die anfänglich sehr starke Nachfrage hat sich nach der Einführung auf ein stabiles Niveau von ca. 20 bis 40 Neuanträgen pro Monat eingependelt. Von daher sind die jährlich bereitgestellten Mittel von 500 Tickets pro Jahr ausreichend.
Die Durchläufe aus den Jahren 2024 und 2025 werden in weiteren Berichten vorgestellt, sobald diese abgeschlossen sind und die Daten hierzu zur Verfügung stehen.
Fazit
Die Nachfrage an dieser Aktion ist mit ca. 20 – 40 Anträgen pro Monat mittlerweile stabil und bewegt sich im Rahmen der erwarteten Nachfrage von bis zu 500 Anträgen pro Jahr. Die Arbeitsprozesse sind inzwischen routiniert. Gerade bei älteren Lübecker:innen findet die Aktion viel Zuspruch. Von allen Teilnehmenden in 2022 und 2023, die vor Beginn der Teilnahme an der Aktion noch kein Deutschlandticketabonnement hatten, haben je 36,5 % und 44,9 % der Teilnehmenden, insgesamt 41,8 %, im Anschluss an der Teilnahme das Deutschlandticket selber bei SWL Mobil fortgeführt.
In der VO/2021/0995101-03, in der die Aktion ursprünglich beschlossen wurde, wurden Ergebnisse ähnlicher Aktionen anderer Städte zur Veranschaulichung des möglichen Erfolgs herbeigezogen. Das Worst-Case-Szenario, orientiert an Recklinghausen, sah eine mögliche Adoptionsrate von 19 % vor. Für das Best-Case-Szenario, orientiert an Ludwigsburg (Großraum Stuttgart) ging man hingegen von 45 % aus. Die in der gesamten bisherigen Aktion erzielte Adoptionsrate von 41,8 % wird also als sehr positiv gewertet. Besonders der Durchlauf 2023 sticht hier mit der Adoptionsrate von 44,9 % hervor.
Der in der VO/2023/11947 beschlossene Projektzeitraum und die damit bereitgestellten Haushaltsmittel enden zum Jahresende. Obwohl die Aktion die optimistischen Erwartungen der Hansestadt erfüllt und sich weiterhin einer beständigen Beliebtheit erfreut, muss an dieser Stelle mit Blick auf die aktuell kritische Haushaltslage empfohlen werden, die Aktion zum Jahresende erstmal nicht zu verlängern. Die Mittel, die für eine Fortführung benötigt würden, belaufen sich auf 378.000 EUR pro Jahr bei einem Ticketpreis von 63 EUR pro Monat. Für 2026 sind bereits 87.000 EUR für diese Aktion vorgemerkt, um die laufenden Kosten für die Tickets, die in diesem Jahr ausgestellt wurden, zu decken, was heißt, dass die Verlängerung der Aktion den Haushalt 2026 um zusätzliche 291.000 EUR belasten würde. Sobald sich die Haushaltslage in den kommenden Jahren wieder stabilisiert hat, kann eine Wiedereinführung der Aktion in Betracht gezogen werden.