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Veröffentlicht am 09.04.2020

82 verschiedene Wildbienenarten in Lübecker Naturschutzgebieten

Aufwendige Pflegemaßnahmen der Naturschutzbehörde zahlen sich aus

Der Abschlussbericht einer aktuellen Wildbienenerfassung belegt: Gute Pflegemaßnahmen in Naturschutzgebieten zahlen sich aus! Der Artenrückgang konnte dort deutlich aufgehalten werden.

Im Auftrag der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) wurde im vergangenen Jahr, auf drei ausgewählten Flächen der Hansestadt Lübeck, eine Wildbienenerfassung durchgeführt.

Die Kartierungsarbeiten wurden von dem Kieler Biologen Norbert Voigt von April bis August 2019 durchgeführt und geben der Unteren Naturschutzbehörde wertvolle Erkenntnisse zum Vorkommen häufiger wie auch seltener Arten. Darüber hinaus: wichtige Empfehlungen für den Erhalt und die Entwicklung der beispielhaften Flächen.

Wildbienen sind wichtige Zeigerarten für eine Vielzahl blütenbesuchender Insekten. Daher ist die Kenntnis über die aktuellen Vorkommen dieser Tiere eine wichtige Voraussetzung für Pflege und die Entwicklung wichtiger Lebensräume.

Im Abgleich mit alten Erhebungen gibt die aktuelle Erfassung wichtige Hinweise zur Entwicklung besonderer Lebensräume in der Hansestadt Lübeck.

Die erfasste Gesamtzahl von 82 verschiedenen Wildbienenarten ist im Vergleich zu den Untersuchungen der Jahre 1987-1993 in etwa auf dem gleichen Niveau geblieben. Neben Arten, die sich 2019 nicht bestätigen ließen, konnten elf neue Arten nachgewiesen werden.  Mit 56 verschiedenen Wildbienenarten wurden die höchsten Artenzahlen und die besonders bemerkenswerten Arten im Untersuchungsgebiet „Trockenrasen Eichholz“ im Naturschutzgebiet Wakenitz gefunden.

In den städtischen Grünanlagen Schulgarten und Stadtpark wurden 41 bzw. 29 verschiedene Arten gefunden.

Wichtig dabei: Es wurden die verschiedenen Arten erfasst, nicht aber die Gesamtmenge der Individuen. Die Ergebnisse in Bezug auf die Arten waren an den untersuchten Stellen insgesamt recht erfreulich. In Deutschland gibt es einen dramatischen Rückgang der Gesamtmenge der Insekten – das sogenannte Insektensterben. Dieser Rückgang konnte in Lübeck wegen fehlender Vergleichsdaten nicht untersucht werden.

 „Die Untersuchungsergebnisse zeigen sehr deutlich die herausragende Bedeutung von besonderen Lebensräumen. Magerrasen, Heiden und sandige Pionierflächen sind für die Artenvielfalt von Wildbienen und verwandten Insektengruppen besonders wertvoll“, so Michael Zeckel, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde in Lübeck. „Die Wildbienenerfassung bestärkt unser Bemühen, diese besonderen Lebensräume zu erhalten, das heißt, sie vielfältig, blütenreich und ungestört zu erhalten. Die zum Teil aufwendigen Pflegemaßnahmen, die die untere Naturschutzbehörde in den letzten Jahren in diesem Naturschutzgebiet durchgeführt hat, zahlen sich aus“, so Zeckels Resümee.

Das aktuelle Untersuchungsergebnis zeigt auch, dass die untersuchten städtischen Flächen in Gärten und Parkanlagen nur eingeschränkt in der Lage sind, Wildbienenarten in größerem Umfang als Lebensraum zu dienen. Je nach Gestaltung und Pflege können aber auch diese Flächen wertvoll für häufigere Wildbienenarten sein. Auch Hausgärten können bei extensiverer Nutzung einen Beitrag zum Erhalt der Wildbienen- und Insektenvielfalt leisten. Hier hilft eine große Vielfalt mit Alt- und Totholz, Insektenhotels, offenen Sandböden und einfachen, nicht gefüllt blühenden Blumen und Kräutern.+++