Vorlage - VO/2026/14978  

Betreff: AM Juleka Schulte-Ostermann (GAL): Zukunftsperspektiven des strukturell defizitären Parkhauses Godewind

Status:öffentlich  
Federführend:Geschäftstelle LINKE & GAL Bearbeiter/-in: Mentz, Katja
Beratungsfolge:
Hauptausschuss
24.03.2026 
48. Sitzung des Hauptausschusses      

Beschlussvorschlag
Sachverhalt
Anlage/n

Beschlussvorschlag


Der Bürgermeister wird gebeten, nachfolgende Fragen – in Klärung mit der KWL GmbH und ggf. weiteren zuständigen Stellen – zu beantworten:

 

1) Ist ein Verkauf des Parkhauses Godewind unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten möglich und sinnvoll?

Insbesondere wird um Darstellung gebeten:

 welcher Verkaufserlös unter den aktuellen Marktbedingungen realistisch erzielt werden könnte,

 welche finanziellen Auswirkungen ein Verkauf auf den städtischen Haushalt hätte (z. B. Wegfall von Defiziten, Ablösung von Verpflichtungen, mögliche Folgekosten).

 

2) Ob und in welcher Form wäre eine Umnutzung des Parkhauses Godewind grundsätzlich möglich?

Dabei wird um Bewertung folgender Optionen gebeten:

 teilweise oder vollständige Umnutzung einzelner Ebenen,

 Einrichtung einer durch ein darüber liegendes (Park-)Geschoss überdachten inklusiven Skate- oder Bewegungsfläche auf einer Ebene, die Kindern und Jugendlichen in Travemünde kostenfrei zur Verfügung gestellt werden könnte,

 Nutzung als Mobilitätshub (z. B. Mobilitätsstation, Fahrradparkhaus, Sharing-Angebote oder andere Angebote im Kontext nachhaltiger Mobilität).

 

3) Welche baulichen, rechtlichen und planungsrechtlichen Voraussetzungen wären für einen Verkauf oder eine Umnutzung erforderlich und welche Kosten für mögliche Umbauten oder Anpassungen könnten dabei entstehen?

Bei den möglichen Kosten wird darum gebeten, auch mögliche Drittmittelförderung für die verschiedenen Umnutzungsvarianten zu berücksichtigen, die beantragt werden könnten.

 

4) Welche wirtschaftlichen Szenarien ergeben sich für die nächsten zehn Jahre bei folgenden Varianten inkl. der Berücksichtigung von beantragbaren und/oder ggf. zukünftig erwarteten Drittmittelförderungen:

 unveränderter Weiterbetrieb des Parkhauses,

 teilweise Umnutzung,

 vollständige Umnutzung,

 Verkauf?

 

5) An welchen Stellen könnte in Travemünde Parkraum im öffentlichen Raum sinnvoll reduziert oder umgewidmet werden, um

 die Aufenthaltsqualität zu verbessern,

 Parksuchverkehr zu vermeiden,

 Anwohnende durch Fremdparkende im öffentlichen Raum zu entlasten,

 und gleichzeitig die Nutzung des bestehenden Parkhauses besser auszulasten?

 

6) Welche Auswirkungen auf Verkehr, Parkraumsituation und Stadtentwicklung in Travemünde könnten sich aus den genannten Szenarien ergeben?


 


Begründung

Die Antwort der Verwaltung auf die Anfrage im Hauptausschuss vom 27.01.2026 (VO/2026/14848-01) bestätigt eine Entwicklung, die bereits vor dem Bau des Parkhauses prognostiziert wurde, von den damals beschlussfassenden Parteien FDP, CDU und SPD jedoch ignoriert wurde: eine wirtschaftlich hoch problematische Situation des Parkhauses Godewind.

 

Nach Angaben der zuständigen städtischen Tochtergesellschaft KWL GmbH hat das Parkhaus im Jahr 2025 einen Verlust von 640.821,95 € erwirtschaftet. Davon trägt die Hansestadt Lübeck mittelbar 80 % bzw. 512.657,56 €. Damit muss mehr als eine halbe Million Euro aus dem kommunalen Haushalt aufgebracht werden, um den Betrieb dieses einzelnen Parkhauses zu finanzieren.

 

Gleichzeitig ist die tatsächliche Nutzung äußerst gering. Seit Einführung der Gebührenpflicht am 06.04.2025 lag die durchschnittliche Auslastung bei lediglich 11,6 %. Das bedeutet, dass rund 88 % der Stellplätze im Durchschnitt leer stehen. Im gesamten Jahr 2025 wurden lediglich 14.150 Parkvorgänge registriert. Bezogen auf den städtischen Verlustanteil ergibt sich damit ein kommunaler Zuschuss von rund 36 € pro Parkvorgang.

 

Auch die Prognose für 2026 zeigt keine grundlegende wirtschaftliche Entlastung. Zwar wird eine Verdoppelung der Parkvorgänge auf etwa 30.000 erwartet, gleichzeitig wird jedoch weiterhin ein städtischer Verlustanteil von rund 400.000 € prognostiziert. Selbst unter diesen Annahmen würde weiterhin ein erheblicher Zuschuss aus dem städtischen Haushalt erforderlich sein.

 

Vor dem Hintergrund der angespannten Haushaltslage der Hansestadt Lübeck und der bereits heute bestehenden erheblichen finanziellen Herausforderungen ist es schwer vermittelbar, dass jährlich mehrere hunderttausend Euro Steuermittel in eine Infrastruktur fließen, die gleichzeitig zu rund 88 % ungenutzt bleibt.

 

Vor diesem Hintergrund erscheint es notwendig, die wirtschaftlichen und stadtentwicklungspolitischen Perspektiven des Parkhauses Godewind grundlegend zu hinterfragen und mögliche Alternativen etwa Verkauf, Umnutzung oder neue Mobilitätskonzepte zu prüfen.
 


Anlagen