Vorlage - VO/2026/14824  

Betreff: Annahme einer Schenkung im Wert von 296.000 Euro für die Sammlung Kulturen der Welt
Status:öffentlich  
Dezernent/in:Senatorin Monika Frank
Federführend:4.041.7 - Lübecker Museen Bearbeiter/-in: Schulenburg, Silke
Beratungsfolge:
Senat zur Senatsberatung
Ausschuss für Kultur und Denkmalpflege zur Vorberatung
09.02.2026 
24. Sitzung des Ausschusses für Kultur und Denkmalpflege      
Hauptausschuss zur Vorberatung
Bürgerschaft der Hansestadt Lübeck zur Entscheidung

Beschlussvorschlag
Finanzielle Auswirkungen
Sachverhalt
Anlage/n

Beschlussvorschlag

Die von der Sculpture Art Academy (British Columbia, Kanada) angebotene Schenkung, die Skulptur »The Spirit Canoe« des Künstlers David Seven Deers, im Wert von 296.000 Euro wird angenommen.


Verfahren

 

Bereiche/Projektgruppen

Ergebnis

1.201 Haushalt und Steuerung

zustimmend

 

 

 

Beteiligung von Kindern und Jugendlichen

 

Ja

gem. § 47 f GO ist erfolgt:

X

Nein- Begründung:

Die Belange von Kindern und Jugendlichen sind durch die Annahme der Schenkung nicht berührt.

 

 

 

 

Die Maßnahme ist:

 

neu

 

X

freiwillig

 

 

vorgeschrieben durch: 

 

 

 

 

 

 

Finanzielle Auswirkungen:

X

Ja

 

 

Nein

 

Auswirkung auf den Klimaschutz:

 

Nein

 

 

Ja Begründung:

 

 

 

Begründung der Nichtöffentlichkeit

gem. § 35 GO:

 

 

 


Begründung

 

In der Ausstellung »Fantasie und Vielfalt. Nordamerika in der Sammlung Kulturen der Welt« im Museum für Natur und Umwelt präsentiert die Sammlung Kulturen der Welt aktuell rund 100 Objekte aus Kanada und den USA aus dem 18. bis 21. Jahrhundert. Die Exponate stammen von 40 verschiedenen Ethnien sowie von im 19. Jahrhundert nach Nordamerika ausgewanderten Lübecker:innen. In der Schau wird das »Indianerbild« der Deutschen kritisch hinterfragt und mit den realen historischen und heutigen Lebensbedingungen der Indigenen Nordamerikas kontrastiert.

Die Ausstellung entstand in enger Kooperation mit dem renommierten indigenen Künstler David Seven Deers aus Kanada, der 1957 in Vancouver, British Columbia, als Angehöriger der Halkomelem Salish First Nation geboren wurde. David Seven Deers ist im Rahmen mehrjähriger Aufenthalte in Deutschland seit den 1980er Jahren als Künstler, Ausstellungkurator und Kinderbuchautor bekannt geworden. Seine Skulpturen, vornehmlich Totempfähle, sind an öffentlichen Orten in ganz Europa sowie im Westen der USA und Kanada zu finden.

Im Rahmen der Ausstellung in Lübeck schuf David Seven Deers im Domhof des Museums für Natur und Umwelt in 179 Tagen aus einem Findling ein Werk mit dem Titel »The Spirit Canoe«. Es soll Sinnbild für den kulturellen Austausch im Zeitalter der Globalisierung und zugleich ganz in der Tradition seiner Kultur ein Segensspender für alle Lübecker:innen sein. Den Stein aus dem Lübecker Umland hatte sich Seven Deers bei einem Besuch in Lübeck 2024 selbst ausgewählt. In dem mehrmonatigen Entstehungsprozess des Werkes konnten Interessierte dem Künstler bei seiner Arbeit über die Schulter schauen und mit ihm ins Gespräch kommen. Rund 20.000 Menschen haben Seven Deers im Innenhof des Museums für Natur und Umwelt in Lübeck besucht.

Das vollendete Werk besteht aus zwei Hälften eines 7 Tonnen schweren Findlings, der in der letzten Eiszeit von Skandinavien nach Norddeutschland gelangte. Die Innenseiten sind mit Reliefs im traditionellen Stil der Skwahla - Stah Lo - Halkomelem aus British Columbia verziert. Sie zeigen zwei mit Geisterwesen in menschlicher und tierischer Gestalt bemannte Kanus, die in das Diesseits und Jenseits fahren. Die Darstellungen schöpfen jedoch auch aus deutschen Traditionen. So schlägt das Werk eine Brücke zwischen den Kulturen Europas und Amerikas und lädt zu kulturvergleichenden Betrachtungen von fundamentalen Menschheitsthemen, wie das Verhältnis von Leben und Tod, Gender und Spiritualität oder Mensch und Umwelt ein.

Die gemeinnützige Sculpture Art Academy, deren Vorsitzender David Seven Deers ist, schenkt das Werk, das an seinem Standort im Domhof verbleiben soll, den Bürger:innen Lübecks als ein Zeichen der Völkerverständigung. Für die Sammlung Kulturen der Welt, die zurzeit über keine eigene museale Ausstellungsfläche verfügt, hat die Skulptur zudem einen besonderen Mehrwert: Mit dem »Spirit Canoe« ist die Sammlung an einem öffentlichen Ort präsent und kann dort permanente museale Vermittlungsarbeit leisten. An die Schenkung sind keine weiteren Auflagen gebunden. Für die Pflege des Kunstwerks übernimmt die Gesellschaft für Geographie und Kulturen der Welt eine Patenschaft.

Da Werke des Künstlers nicht gehandelt werden, wurde der Wert der Schenkung durch den Direktor der Sammlung Kulturen der Welt anderweitig ermittelt. Zum einen wurden Ergebnisse von Auktionen moderner indigener Kunst aus Nordamerika als Vergleich herangezogen. Hierbei wurde speziell nach Stücken aus der Herkunftsregion des Künstlers sowie nach Werken indigener Kunstschaffender von vergleichbarer globaler Bekanntheit gesucht. Zudem wurde der Versicherungswert der Werke des Künstlers Seven Deers aus anderen deutschen Museen berücksichtigt. Da es sich nicht um eine Spende, sondern um eine Schenkung handelt, ist eine solche Wertermittlung ausreichend. Eine Schenkung an die öffentliche Hand ist gemäß § 13 Abs. 1 Nr. 15 ErbStG schenkungssteuerfrei.

Die Zuständigkeit der Bürgerschaft ergibt sich aus ihrem Beschluss vom 21.03.2013 (VO/2013/00464) über die Delegation bei der Annahme oder Vermittlung von Spenden.

 


Anlagen

keine