Der Bürgermeister hat die Abteilung 3 Vergabewesen aus dem Bereich 1.102 Zentrale Verwaltungsdienste, Statistik und Wahlen mit der Zusammenfassung der Antworten auf die nachfolgenden Vorlagen beauftragt:
- VO/2021/10507 (vorher: VO/2020/09243)
Anfrage von Frau Antje Jansen (GAL): Faire kommunale Beschaffung
- VO/2024/13037
Anfrage von Frau Mandy Siegenbrink (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) zur Nachhaltigen Beschaffung der Hansestadt Lübeck
= Faire und Nachhaltige Beschaffung der Hansestadt Lübeck
- Wie möchte die Hansestadt Lübeck ihre Beschaffungsprozesse fairer und nachhaltiger gestalten?
- Welche konkreten Schritte hat die Hansestadt Lübeck bislang unternommen?
- bei Lebensmitteln
- bei Neuanschaffungen von IT
- bei Produkten für Schulen
- bei Berufsbekleidung und sonstigen Textilien
- gibt es regelmäßige Informationen und Schulungsangebote für Mitarbeitende der Hansestadt Lübeck
- Welche weiteren Schritte bis zur Erreichung fairer und nachhaltiger Beschaffungsziele sind noch geplant?
- Umfrage zu Nachhaltiger Beschaffung in der Stadtverwaltung
- Die Hansestadt Lübeck ist Hauptstadt des Fairen Handel 2025
Antworten:
- Es wurden bisher wichtige Grundlagen in der Stadtverwaltung geschaffen, damit zukünftig soziale/faire und klimaschutzorientierte, nachhaltige Aspekte konsequent Bestandteil der Beschaffungen der Hansestadt Lübeck sind:
- Beschluss zur Unterzeichnung der Agenda 2030 (VO/2019/08415). Am 8. Oktober 2020, unterzeichnete Bürgermeister Jan Lindenau die Erklärung „Agenda 2030 – Nachhaltigkeit auf kommunaler Ebene gestalten“.
- Bürgermeister Jan Lindenau berichtet bei verschiedenen Veranstaltungen unter anderem über die Fortschritte in Sachen nachhaltiger Beschaffung, z.B.:
- 11.02.2022 Online-Seminar des MELUND zu nachhaltiger Beschaffung: Praxisbericht aus der Hansestadt Lübeck: Von der Fairtrade-Town zur nachhaltigen Beschaffung
- 29.11.2022 Vortrag zur Geschäftsführer:innenkonferenz der städtischen Beteiligungsgesellschaften
- Seit Januar 2023 (neue Version Februar 2025) gilt die Bewirtungsrichtlinie für die Ausgestaltung und Finanzierung der Bewirtung von Gästen und Mitarbeitenden bei der Hansestadt Lübeck. Die Richtlinie besagt, dass insbesondere „Mehrwegprodukte bzw. Produkte mit dem Fairtrade-Siegel oder aus biologischen, regionalen Anbau zu beschaffen“ sind.
- Für die Neuausrichtung der Beschaffung und Vergabe wurden wegweisende politische Beschlüssen erwirkt, darunter zum Masterplan Klimaschutz (MAKS) (VO/2023/11957-02 und VO/2024/11957-01-04-01).
- Seit dem 01.01.2024 wurde die Abteilung Vergabewesen als eigenständige Abteilung im Bereich 1.102 gebildet. Mit der angepassten Organisationsform werden die folgenden Ziele verfolgt:
- Bündelung von Vergabefachwissen zur Weitergabe in Form von Beratung und Schulung
- Umsetzung des „4-Augenprinzips“ zur Korruptionsvermeidung bei der Durchführung von Vergabeverfahren. Den (Fach-)bereichen (Schulen und Kitas) obliegt das inhaltliche Leistungsbestimmungsrecht und die Abteilung Vergabewesen führt das Vergabeverfahren entsprechend der rechtlichen (Vergabegesetze und –Verordnungen) und strategischen Vorgaben (z.B. BÜ-Beschlüsse), wie Beratung zur fairen und nachhaltigen Beschaffung, aus.
- Zentrales Berichtswesen zu abgeschlossenen Vergabeverfahren
- In 2024 wurden zwei Stellen mit spezifischer Ausrichtung geschaffen. Seit 01. April 2024 ist die, aus Fördermitteln finanzierte Projektstelle zur Koordination kommunaler Entwicklungspolitik (KEpol) besetzt (siehe VO/2021/10329-16). Die Stelle ist angesiedelt bei der Klimaleitstelle im Bereich Umwelt-, Natur- und Verbraucherschutz. Außerdem wurde die unbefristete Stelle im städtischen Vergabewesen mit Ausrichtung Klimaschutz und Nachhaltigkeit eingerichtet (siehe VO/2023/12437-02-01 und besetzt.
- Seit dem 01.07.2024 werden die Bereiche und Schulen, in Umsetzung des Senatsbeschlusses vom 22.04.2024, aufgefordert nur noch Recyclingpapier mit dem Zertifikat „Blauer Engel“ zu bestellen. Wenn Druckaufträge an Extern vergeben werden ist darauf zu achten, dass auch hier Recyclingpapier mit dem Zertifikat „Blauer Engel“ verwendet wird.
- Es wurde ein enger Austausch mit dem Kompetenzzentrum für nachhaltige Beschaffung und Vergabe des Landes (KNBV) aufgebaut, zum Beispiel zu Recyclingpapiernutzung, Faire Dienstkleidung, umweltfreundliche Schulmöbel sowie zu nachhaltigen Baustoffen.
- Es wurden aufgrund der geschaffenen Grundlagen soziale/faire und klimaschutzorientierte, nachhaltige Beschaffungen in der Hansestadt Lübeck umgesetzt, die sich in ihrer Vielfalt hier nicht abbilden lassen. Deshalb nachfolgend nur einige Beispiele:
- Zur Durchführung unserer Post- und Botendienstfahrten ist unser Dienstleister verpflichtet, nur elektrisch betriebene Fahrzeuge zu nutzen.
- Im HL-Shop unseres Büroartikellieferanten werden für das Büromaterial-Kernsortiment nur Artikel mit Nachhaltigkeits- und Ökosiegeln angeboten, wo möglich.
- Zur Reinigung der städtischen Räumlichkeiten werden umweltfreundliche Reinigungsmittel verwendet, soweit möglich.
- Bei der Beschaffung von IT-Equipment wird insbesondere auf energieeffiziente Geräte geachtet. Die Multifunktionsgeräte zum Drucken und Scannen führen das Siegel „der blaue Engel“.
- Im Rathaus wird für die Versorgung der repräsentativen Veranstaltungen Kaffee und Tee mit dem Fair-trade-Siegel beschafft. Zur Erfrischung dienen Bionaden und Säfte mit Öko-Siegel im Mehrweg-System und bei anderen Artikeln wird auch auf ortsnahe regionale Herstellung geachtet.
- Als Ergebnis der Schokoladenwette vom 12. Bis zum 26. September 2025 von unserem Bürgermeister und „Der Faire Handel“ werden im Rathaus zukünftig verschiedene Teesorten und kleine Schokoladentäfelchen aus dem fairen Handel bei Sitzungen und Empfängen angeboten.
- Es gibt erfolgreiche Beispiele bei der Ausschreibung von Berufs- und Schutzbekleidung mit Nachweis anerkannter Gütezeichen, wie z.B. Fairtrade Cotton, Fair Trade Textile Production oder Fairwear-Siegel.
- Das verwendete Druckerpapier in der Stadtverwaltung, in den Schulen und in den Betrieben trägt seit dem 01.07.2024 das Siegel „der Blaue Engel“, außer in den festgelegten Bereichen, die Langzeit-archiviert werden. Hier wird EU-zertifiziertes Ökopapier verwendet.
- Neben anderen Angeboten wird der Schulungsbedarf und die Beratung anlassbezogen durch die Abteilung Vergabewesen vorgenommen und bei Erfordernis die Fachleute von UNV eingeschaltet.
- Die nächsten weiteren Schritte zur Erreichung fairer und nachhaltiger Beschaffungsziele sind:
- Die nachhaltige Beschaffung wird in der zukünftigen Dienstanweisung über die Durchführung von Vergabeverfahren für die Hansestadt Lübeck verankert und praktisch angewendet.
- Die Dienstanweisung über die Durchführung von Vergabeverfahren ist mit den Bereichen RPA und Recht abgestimmt und wird nachfolgend mit anderen Bereichen finalisiert.
- Strategische Ziele der Dienstanweisung:
- Bei der Beschaffung sind die Qualität der Leistungen, Innovationen sowie Sozial- und Nachhaltigkeitskriterien zu berücksichtigen.
- Aspekte der Energieeffizienz sind bei allen Beschaffungsvorgängen, die energieverbrauchsrelevante Leistungen betreffen, einzubeziehen.
- Ebenfalls sind die Belange von Menschen mit Behinderungen sowie Waren aus fairem Handel bei der Definition der Leistung zu berücksichtigen.
- Gemäß der Dienstanweisung bestimmt sich das wirtschaftlichste Angebot nach dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis. Neben dem Preis können qualitative, soziale und umweltbezogene (nachhaltige) Aspekte als Zuschlagskriterien festgelegt werden.
- Die Dienstanweisung verpflichtet bei Vergaben ab einem Auftragswert über 25.000 € zur Zusammenarbeit mit der Abteilung 1.102.3 Vergabewesen, so dass frühzeitig zur Einbindung fairer und nachhaltiger Kriterien beraten werden kann.
- Die Abteilung Vergabewesen wird bestehende und neu zu vergebende Rahmenverträge auf die Einhaltung nachhaltiger Kriterien prüfen.
- Zur praktischen Ausgestaltung der nachhaltigen Beschaffung ist derzeit der Leitfaden Nachhaltige Beschaffung in enger Abstimmung von UNV mit der Abteilung Vergabewesen in Erstellung. Hier werden die qualitativen, innovativen, sozialen, umweltbezogenen und wirtschaftlichen Aspekte zur Erreichung der nachhaltigen Ziele der Hansestadt Lübeck praxisorientiert ausgearbeitet.
- Eine Arbeitsgruppe aus UNV und Vergabewesen ist eingerichtet und trifft sich 14-tägig für den Fachaustausch, um aus den (Fach-)Bereichen die Bedarfe und Herausforderungen zu identifizieren und gemeinsame Lösungen zu finden.
- Die Abteilung Vergabewesen ist in aktivem Fachaustausch mit kommunalen Arbeitsgruppen, um sich u.a. über die Entwicklung der nachhaltigen Beschaffung in öffentlichen Verwaltungen überregional auszutauschen.
- In Planung sind u.a. zukünftig
- die Entwicklung einer Handlungsanleitung in Form eines E-Learnings, um das vorhandene Bildungsangebot zur Beschaffung unseres internen Fortbildungszentrums zu erweitern
- die Entwicklung einer Übersicht über geeignete externe Fortbildungsmöglichkeiten
- die Entwicklung einer Übersicht über geeignete Beschaffungsbeispiele.
- Umfrage zu Nachhaltiger Beschaffung in der Stadtverwaltung
Im Juni 2025 wurde eine Online-Umfrage bei den Bereichen der Hansestadt Lübeck durchgeführt. Ziel war es, einen Überblick über den aktuellen Stand von nachhaltiger Beschaffung zu gewinnen und die Ergebnisse in die strategische Ausrichtung aufzunehmen. Die Beschaffung ist dezentral in den Bereichen organisiert und es werden keine Daten zu nachhaltiger Beschaffung erhoben. Unter anderem wurde abgefragt, welche Produktgruppen in welchen Bereichen der Stadtverwaltung beschafft werden, an welchen Stellen bereits Nachhaltigkeitskriterien berücksichtig werden, wo Herausforderungen liegen und zu welchen Themen Weiterbildungs- bzw. Unterstützungsbedarf besteht.
Insgesamt 27 städtische Bereiche nahmen an der Umfrage teil. Sie gaben an, bei der Beschaffung von Produkten bereits einzelne Nachhaltigkeitskriterien zu berücksichtigen, beispielsweise umweltfreundliche Materialien, faire Arbeitsbedingungen, Regionalität oder die Reduktion der CO2-Emmisionen. Außerdem gaben mehrere Bereiche an, bereits Ziele in Bezug auf nachhaltige Beschaffung zu verfolgen, wie beispielsweise die Erhöhung des Anteils nachhaltiger Produkte.
Die Auswahl, welche Nachhaltigkeitskriterien die Mitarbeitenden berücksichtigen variierte je nach Produktgruppe. Zum Beispiel achten bei Textilien oder Möbeln besonders viele Bereiche auf Langlebigkeit und Reparierbarkeit. Bei Papier- und Druckerzeugnissen achten viele Bereiche auf die Verwendung des Gütezeichens Blauer Engel und bei Lebensmitteln auf Bio- und/oder Fair-Handels-Siegel.
In der Umfrage wurde darüber hinaus deutlich, dass viele Nachhaltigkeitskriterien noch nicht flächendeckend Berücksichtigung finden oder möglicher Weise auch noch nicht bekannt genug sind.
Das spiegelt sich auch in den Rückmeldungen zu Herausforderungen wieder. Diese sehen die teilnehmenden Bereiche beispielsweise bezüglich möglicher höherer Kosten, Mangel an internem Wissen und Ressourcen, fehlenden Standards in der Hansestadt Lübeck sowie Mangel an geeigneten Anbieterfirmen.
Die Bereiche wünschen sich Schulungs- und Austauschformate zu bestimmten Produktgruppen, wie Büromaterial, Dienstkleidung, Möbeln, Verpflegung und IT-Hardware sowie zu allgemeinen Aspekten nachhaltiger Beschaffung.
Die Ergebnisse der Umfrage sind Grundlage für die Ausarbeitung eines Leitfadens für nachhaltige Beschaffung in der Stadtverwaltung sowie die Konzeption von Schulungs- und Austauschformaten.
- Die Hansestadt Lübeck ist Hauptstadt des Fairen Handel 2025: Lübeck ist seit 2011 Fair-trade Town und nimmt regelmäßig seit 2013 am Wettbewerb Hauptstadt des Fairen Handel teil und hat sich 2025 unter Aufzählung der folgenden Projekte erneut beworben und den Wettbewerb der Großstädte gewonnen:
- ENTWICKLUNGSPOLITISCHES HANDLUNGSKONZEPT FÜR DIE
HANSESTADT LÜBECK
Derzeit wird ein entwicklungspolitisches Handlungskonzept zu den Handlungsfeldern Fairer Handel/Faire Beschaffung, Globale Partnerschaften und entwicklungspolitische Bildungsarbeit mit folgenden Zielen erarbeitet:
- langfristige Strukturen für die kommunale Entwicklungspolitik in der Hansestadt Lübeck schaffen
- gemeinsame Zielsetzungen festlegen und Maßnahmen entwickeln
- Beteiligung verschiedener Akteur:innen aus Verwaltung, Politik, Zivilgesellschaft usw.
- Berücksichtigung vielfältiger Perspektiven und Schaffen eines großen Rückhalts in der Stadtgesellschaft.
- Weiterentwicklung der Fair Trade Aktivitäten in der Hansestadt Lübeck
- Ausarbeitung von Maßnahmen zu einer Fairen Beschaffung in der Stadtverwaltung
- Weiterentwicklung partnerschaftlicher internationaler Zusammenarbeit zu Themen des Fairen Handels und der Nachhaltigkeit
- Vernetzung von bestehenden (zivilgesellschaftlichen) Partnerschaften mit Ländern des globalen Südens
- Vernetzung und Weiterentwicklung von Initiativen zu entwicklungspolitischer Bildungsarbeit in Lübeck
- PERSONALSTELLEN ZUR KOMMUNALEN ENTWICKLUNGSPOLITIK
UND ZUR NACHHALTIGEN BESCHAFFUNG
Seit April 2024 besteht Stelle zur Koordination kommunaler Entwicklungspolitik (KEpol) bei der Hansestadt Lübeck. Diese Stelle koordiniert die Aufgaben rund um kommunale Entwicklungspolitik, Fairen Handel und faire Beschaffung in der Hansestadt Lübeck. Die KEpol-Stelle befasst sich insbesondere mit der Berücksichtigung sozialer Aspekte in der Beschaffung. In der Klimaleistelle gibt es eine weitere Personalstelle, die sich mit der Umsetzung der Maßnahmen zu nachhaltiger Beschaffung aus dem Masterplan Klimaschutz befasst und an der strategischen Umsetzung mitwirkt. Mit dem Beschluss des Masterplans Klimaschutz in 2023 wurde ebenfalls die Einrichtung einer Personalstelle beim Vergabewesen beschlossen und 2025 besetzt, die bei Vergabeverfahren zu Klima- und Nachhaltigkeitsaspekten berät und an einer Richtlinie zu nachhaltiger Beschaffung mitwirkt.
- BESCHLÜSSE UND DIENSTANWEISUNGEN ZUR FAIREN UND NACHHALTIGEN BESCHAFFUNG
- Derzeit wird eine Richtlinie als Anlage zur Vergabeordnung erarbeitet. Diese beinhaltet Grundsätze zur nachhaltigen Beschaffung, Beschaffungsbeschränkungen und Kriterien für sensible Produktgruppen.
- Neufassung Vergabeordnung (2022): Bei Vergabeverfahren sind die strategischen Ziele der Hansestadt Lübeck (insbesondere Aspekte der Nachhaltigkeit, etc.) zu berücksichtigen.
- Bewirtungsrichtlinie (2023): Es sind Mehrwegprodukte bzw. Produkte mit Fairtrade-Siegel oder aus biologischen, regionalen Anbau zu beschaffen -
- Bürgerschaftsbeschluss zu Verzicht auf Produkte aus ausbeuterischer Kinderarbeit (2003)
- Beschluss zur Fairtrade-Stadt (2011): Verwendung von fairem Kaffee bei Sitzungen/Empfängen. Nutzung fair gehandelter Produkten in Verwaltung, Bekenntnis der Stadt zum Fairtrade-Gedanken
- Beschluss des KEpol-Projektes (2023): Strukturen zu global fairer Beschaffung aufbauen
- Beschluss Masterplan Klimaschutz mit Maßnahmen zu Beschaffung (2023/2024): Richtlinie und Fortbildungsangebote zu nachhaltiger Beschaffung - soziale Aspekte, Fairer Handel und SDGs sollen ebenfalls berücksichtig werden.
- Beschluss zum Verzicht auf Tropenholz (2012)
- Senatsbeschluss zur Nutzung von Papier mit Blauem Engel und zur Teilnahme am Papieratlas (2023 und 2024)
- Dienstanweisung zu umweltfreundlicher Beschaffung (1999)
- UMSETZUNGSPLAN ZU FAIRER UND NACHHALTIGER BESCHAFFUNG
In enger Zusammenarbeit zwischen Klimaleitstelle, KEpol-Stelle und Vergabewesen konnte ein Umsetzungsplan zu fairer und nachhaltiger Beschaffung erarbeitet werden, der hilft
- Faire und nachhaltige Beschaffung langfristig in der Stadtverwaltung zu verankern
- Soziale, ökologische sowie ökonomische Kriterien für eine faire und nachhaltige Beschaffung in der Hansestadt Lübeck zu definieren
- Strukturen zu schaffen, die eine Umsetzung nachhaltiger Beschaffung fördern
- Fortbildungs- und Unterstützungsangebote für Mitarbeitende zu erarbeiten, welche die Anwendung der Kriterien erleichtern
- Den Status Quo zu erfassen, welche Bereiche beschaffen welche Produkte? Wo werden schon Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigt und wo noch nicht?
- Bereiche der Hansestadt am Prozess zu beteiligen und mit einzubeziehen
- Herausforderungen, Bedürfnisse und Unterstützungsbedarf in den Bereichen zu identifizieren
- Austausch zwischen den Bereichen fördern
- Gute Beispiele zu fairer Beschaffung aufzuarbeiten und bereitzustellen.
- Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in Rahmenverträge der Hansestadt Lübeck zu berücksichtigen
- AUF DEM WEG ZUR GLOBAL NACHHALTIGEN KOMMUNE LÜBECK
Mit der Unterzeichnung der Musterresolution zur Agenda 2030 im Oktober 2020 bekennt sich die Hansestadt zur Umsetzung der SDG (Sustainable Development Goals) auf lokaler Ebene. Vorausgegangen war ein Beschluss der Lübecker Bürgerschaft.
Daraufhin haben vielfältige Aktivitäten stattgefunden. Die Hansestadt wurde dafür im November 2023 als Global Nachhaltige Kommune ausgezeichnet.
Beispiele sind
- ein Fachtag und eine Website zu BNE (Bildung für nachhaltige Entwicklung)
- die Beteiligung an der GO.GRØØN – Messe für Nachhaltiges und Faires
- ein eLearning zu Nachhaltigkeit für Verwaltungsmitarbeitende, welches in Kooperation mit dem städtischen Fortbildungszentrum erarbeitet wird
- Lübeck engagiert sich im Hansebund stark für Nachhaltigkeit und Fairen Handel
- Lübeck ist mit seinen Partnerstädten dazu im Austausch, insbesondere mit La Rochelle: 2023 fand ein Delegationsbesuch mit Schwerpunkt Klimaschutz statt; eine Kooperation zu Fairem Handel ist in Planung.
- Die Stadt setzt sich dafür ein, dass sich auch die städtischen Eigenbetriebe und Beteiligungsgesellschaften sowie die lokale Wirtschaft für die Nachhaltigkeitsziele engagieren
- Dashboard im Smart City Portal der Hansestadt: In Zukunft soll die Arbeit an den verschiedenen Nachhaltigkeitszielen verstärkt kommuniziert und sichtbar gemacht werden. Geplant ist dazu ein Dashboard im Smart City Portal der Hansestadt
- FAIRE HANSE
Nachdem der Faire Handel erstmals auf dem 34. Internationalen Hansetag 2014 in Lübeck eine sichtbare Rolle gespielt hat, wurde im Juli 2015 die AG Faire Hanse gegründet. Der 38. Internationale Hansetag in Rostock beschloss die Leitlinie „Faire Hanse – Fairer Handel“. Damit ist der Einsatz für Fairen Handel sowie die Verfolgung der nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (SDGs) in der Satzung des Städtebundes DIE HANSE fest verankert. Die Koordination der AG FAIRE HANSE erfolgt durch die KEpol-Stelle in Lübeck in Zusammenarbeit mit Mitgliedern des Vereins Fairtradestadt Lübeck.
- STEUERUNGSGRUPPE FAIRTRADE-STADT LÜBECK
In der Steuerungsgruppe der Fairtrade-Stadt sind verschiedene Akteure aus Lübeck organisiert. Die Gruppe besteht vor allem aus Vertreter:innen von lokalen Vereinen und Bildungsträgern, aus lokalen Unternehmen (z.B. Lebensmitteleinzelhandel, Rösterei und Café, faires Modegeschäft), der lokalen Tourismus- und Stadtmarketing-Agentur, aus verschiedenen lokalen Unternehmen, aus engagierten Einzelpersonen und aus Vertreter:innen der Verwaltung und Politik. Es gibt zudem regelmäßige Kooperationen mit Museen und Kultureinrichtungen, mit Hochschulen und Schulen, mit städtischen Gesellschaften und einer Reihe weiterer Akteure. Die Steuerungsgruppe trifft sich monatlich und plant und koordiniert die Aktivitäten und Projekte rund um Fairen Handel, Globales Lernen und globale Gerechtigkeit in Lübeck. Sie dient als Schnittstelle zwischen Verwaltung und Zivilgesellschaft und als Netzwerk für lokale Vereine und Unternehmen. Die Steuerungsgruppe tauscht sich regelmäßig mit dem Bürgermeister aus, um neue Aktivitäten zu planen und zu koordinieren.
- BESCHAFFUNGSPROJEKTE
An verschiedenen Stellen konnte eine faire Beschaffung in der Hansestadt praktisch umgesetzt werden. Ein Großteil der IT-Hardware wird über einen Rahmenvertrag mit Dataport beschafft. Dataport ist Vorreiter bei nachhaltiger Beschaffung von IT-Hardware, insbesondere bei sozialen Aspekten. So haben beispielsweise die von der Hansestadt Lübeck beschafften Bildschirme neben dem Energy Star auch das Gütezeichen TCO Certified, welches hohe Standard bezüglich Arbeitsrecht und Arbeitsschutz anlegt und Anforderungen für Konfliktmineralien enthält.
Auch bei der Beschaffung anderer Produktgruppen gibt es Stellen, an denen Nachhaltigkeitskriterien bei der Beschaffung schon konsequent berücksichtigt werden. Verschiedene Dienststellen in der Stadtverwaltung und den Eigenbetrieben und Gesellschaften beschaffen Arbeitskleidung mit Fairtrade-Siegel. Bei der Beschaffung von Lebensmitteln werden besonders häufig Nachhaltigkeitskriterien berücksichtig, beispielsweise wird in einem Großteil der Bereiche Kaffee, Kakao oder Tee aus Fairem Handel beschafft. Weiterhin wird auf Nutzung von Bio-Produkten und die Reduktion tierischer Produkte und von Lebensmittelabfällen geachtet.
Seit zwei Jahren gibt es einen Arbeitskreis für nachhaltige Verpflegung in Schulen. In 3 Schulen wurden in einem Pilotprojekt „Essen mit Zukunft“ mit Unterstützung der Agrarkoordination Workshops durchgeführt und die Koch- und Verpflegungsleistungen umgestellt.
- ÖKO-FAIRE GEMEINDEN
Seit vielen Jahren bemühen sich die Mitglieder der Steuerungsgruppe Fairtradestadt Lübeck e.V., das Thema „öko-faire Gemeinde“ in die Kirchengemeinden vor Ort einzubringen. Dabei informieren sie darüber, welche Schritte die Gemeinde unternehmen muss, um auf faire Beschaffung und nachhaltig erzeugte Energie umzustellen.
- ENGAGEMENT DES RATHAUSES FÜR FAIREN HANDEL
Fairer Handel und Faire Beschaffung sind ein zentrales Thema für die Lübecker Stadtspitze. Zwischen Steuerungsgruppe der Fairtrade-Stadt und Bürgermeister finden regelmäßig Austauschtreffen zur gegenseitigen Information und gemeinsamen Projektplanung statt.
Bei nachhaltiger Beschaffung geht das Rathaus mit gutem Beispiel voran: Es ist übliche Praxis, dass bei allen Sitzungen und Veranstaltungen Kaffee, Tee und Kakao aus Fairem Handel genutzt wird. Der Lübecker Bürgermeister berichtet bei verschiedenen Veranstaltungsformaten über die Fortschritte in Sachen Fairer Handel und Nachhaltigkeit. Er spricht sich dabei deutlich dafür aus, dass faire und nachhaltige Kriterien bei der Beschaffung auch Mehrkosten rechtfertigen können und wirbt für Nachhaltigkeit und Fairen Handel in der eigenen Stadt und im Austausch mit anderen Städten.
Das Rathaus engagiert sich besonders für die Sichtbarkeit des Fairen Handels in Lübeck. So liegt der Stadtplan für nachhaltigen Konsum prominent im Eingang aus und der Bürgermeister unterstütz die Aktivitäten der Fairtade-Stadt öffentlich, z.B. im Rahmen von Plakataktionen und Presseterminen. Zur Fairen Woche werden am Rathaus und Holstentor Flaggen gehisst, es gibt Schilder für öffentliche Blumenbeete und Baumschmuck aus Holz im Advent, jeweils mit Logo der Fairtrade-Stadt Lübeck und es wird auf den Wochenmärkten und den Getränkeflaschen im Rathaus darauf hingewiesen, dass Lübeck Fairtrade-Stadt ist.
- "GO.GRØØN – MESSE FÜR NACHHALTIGES UND FAIRES"
Nach 2022 veranstaltete die Hansestadt Lübeck im April 2024 zum zweiten Mal erfolgreich mit der städtischen Musik- und Kongresshalle (MuK) die GO.GRØØN – Messe für Nachhaltiges und Faires. Die Zahl der Besucher:innen wurde im Vergleich zur ersten Messe im Jahr 2022 mit über 5.000 Interessierten erheblich gesteigert. Schirmherr war erneut Ministerpräsident Daniel Günther (CDU). Kooperationspartner war das SH-Ministerium für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur. 71 Aussteller:innen mit nachhaltigen und fairen Angeboten, Start-Ups und gemeinnützige Organisationen präsentierten innovative nachhaltige Angebote von Produkten und Dienstleistungen, Bildungsangeboten, Ideen und Netzwerken.
- GLOBALES LERNEN IN LÜBECK
In Lübeck gibt es vielfältige Aktivitäten zum Globalen Lernen. Zentrale Akteure sind der Weltladen, Landwege e.V. und Fairtradestadt Lübeck e.V., die auf verschiedenen Ebenen mit der Stadtverwaltung zusammenarbeiten. Der Weltladen hat ein erweitertes Konzept zur Förderung der Bildungsarbeit erarbeitet, um neue Personen zu erreichen. Im Fokus stehen Schulen, Kirchengemeinden sowie in Zukunft die Azubis der Hansestadt. Angebote sind beispielsweise Workshops, Stadtrundgänge und Vorträge zu Themen wie Kinderrechte, Smartphones oder Kleidung. Die Fairtrade-Stadt hat eine interaktive digitale Stadtrallye zu Fairem Handel entwickelt, bei der verschiedene Stationen in der Stadt besucht werden. In Kooperation mit der Stadtverwaltung werden seit 2022 vor Schulbeginn alle städtischen Kitas in einer Briefaktion zur Fairen Schultüte angeschrieben. Der Verein Landwege bietet seit über 30 Jahren Workshops für Schulklassen mit Schwerpunkt auf BNE, Ernährung und ökologischer Landwirtschaft auf einem Lübecker Stadtgut an und wird dabei finanziell von der Hansestadt unterstützt. Seit 2022 sind auch Angebote des globalen Lernens dazugekommen, wie beispielsweise ein Workshop zu Fairem Handel und Kakaoanbau. Seit 2024 läuft ein Projekt, bei dem weitere Workshops für ältere Schulklassen mit Fokus auf globale Zusammenhänge in der Landwirtschaft entwickelt und durchgeführt werden. Lübeck hat mittlerweile 3 Fairtrade-Schools, die vielfältige Aktivitäten zu Fairem Handel durchführen.
- PARTNERSCHAFTSPROJEKT DER ENTSORGUNGSBETRIEBE MIT KOMMUNEN IN ALBANIEN
Seit 2022 besteht eine interkommunale Zusammenarbeit der Hansestadt Lübeck mit mehreren Kommunen aus Albanien. Diese läuft über die städtischen Entsorgungsbetriebe (EBL). Gefördert wird die Kooperation von der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GiZ) und Engagement Global über ein NAKOPAProjekt.
- INITIATIVE LILI: ENGAGEMENT FÜR EIN LIEFERKETTENGESETZ IN DEUTSCHLAND UND AUF EU-EBENE
Im Februar 2020 luden die Steuerungsgruppe Fairtrade-Stadt Lübeck und der BUND Lübeck zur Gründung der Lübecker Initiative Lieferkettengesetz (LILi) ein. Erfolgreich konnte die Initiative mit Mitgliedern der Steuerungsgruppe, des BUND, attac, terre des hommes Ortsgruppe Lübeck, AStA Umweltreferat und Gewerkschaftsvertretungen von ver.di starten und sich der bundesweiten Kampagne Lieferkettengesetz anschließen. Die zahlreichen Lübecker Aktivitäten erfolgten z.T. in Kooperation mit der Projektleitung Wirtschaft und Menschenrechte in Schleswig-Holstein beim Bündnis Eine Welt e.V., worüber auch ein Bündnis auf SH-Landesebene mit dem Kirchlichen Entwicklungsdienst der Nordkirche, Diakonie, Kampagne Saubere Kleidung, Gewerkschaftsbund und dem Landesverband BUND entstand, dem sich die Lübecker Initiative anschloss. Hierbei wurden wichtige neue Kooperationen geschlossen, z.B. mit der VHS Lübeck und dem Europäischen Hansemuseum Lübeck.
- THEMENÜBERGREIFENDES NETZWERKEN UND KOOPERATIONEN: LÜBECKER ZUKUNFTSKONGRESS
Die Steuerungsgruppe Fairtrade Stadt Lübeck, in der die Stadtverwaltung und städtische Gesellschaft LTM sowie Entsorgungsbetriebe vertreten sind, setzt seit jeher auf Kooperationen und gute Vernetzung. Diese konnte in den vergangenen Jahren weiter ausgebaut und das Netzwerk erweitert werden. Zu den regelmäßig in Erscheinung tretenden Kooperationspartner:innen, die gleichzeitig die Veranstaltungsräumlichkeiten stellen, gehören Lübecker Museen (St. Annen Kunsthalle, Geschichtswerkstatt Herrenwyk, Musik- und Kongresshalle, Museum für Natur und Umwelt), Europäisches Hansemuseum, Willy-Brandt-Haus, DGB Gewerkschaftsbund, Schulen, z.B. beim Klimaaktionstag, Lübecker Rathaus als Veranstaltungsort, Volkshochschule, Übergangshaus (ehemals Karstadt) oder auch das Haerder Einkaufszentrum. Bei Stadtfesten, wie dem HanseKulturFestival wird die Steuerungsgruppe mittlerweile fest eingeplant, um einen FAIR BIO REGIONAL Markt zu organisieren. Auch Vereine, wie der Jugendnaturschutzhof von Landwege e.V. fragen die Steuerungsgruppe jährlich an, um bei ihrem Sommerfest mit vielen hundert Besuchenden einen Informations- und Aktionsstand zum Fairen Handel anzubieten. Die Vielfalt an Kooperationspartner:innen zeigt, dass die Ziele und Aktivitäten der Steuerungsgruppe mittlerweile in der Mitte der Stadtgesellschaft angekommen sind und Institutionen und (städtische) Einrichtungen die Expertise der Steuerungsgruppenmitglieder sowie das bundesweite Netzwerk gern für gemeinsame Veranstaltungen nutzen.
- FAIR BIO REGIONAL MARKT IN LÜBECK – BEIM HANSEKULTURFESTIVAL
Die Steuerungsgruppe Fairtrade Stadt Lübeck wird regelmäßig in die Planungen von Stadtfesten involviert und arbeitet eng mit der städtischen Gesellschaft LTM, Lübeck Travemünde Marketing zusammen. In 2022 und 2024 wurde ein FAIR BIO REGIONAL Markt in das HanseKulturFestival integriert, ein Fest, dass aufgrund der Zugehörigkeit zur historischen und neuen HANSE alle zwei Jahre stattfindet, sich über weit Teile der historischen Altstadtinsel zieht und jedes Mal tausende Besucher:innen lockt. Beim FAIR BIO REGIONAL Markt organisiert die Steuerungsgruppe Fairtrade Stadt eine bunte Meile mit Info- und Verkaufsständen mit Produkten aus dem fairen Handel, Essen und Getränke bio, fair und regional sowie spielerische Aktivitäten zum Fairen Handel.
- STADTPLAN FÜR NACHHALTIGEN KONSUM: FAIR, BIOLOGISCH UND REGIONAL
Gemeinsam mit den Mitgliedern der Steuerungsgruppe "Fairtrade-Stadt Lübeck" wurde ein Faltblattentwickelt, das die Informationen über Bezugsquellen für biologische+faire+regionale Produkte und Dienstleistungen kompakt und übersichtlich darstellt. Es wird an verschiedenen Orten innerhalb der Stadt ausgelegt, u.a. bei der Touristeninformation, im Rathaus, in Kirchen sowie bei den teilnehmenden Geschäften. Für Letztere gibt es auch einen Aufkleber mit dem Logo des Vereins "Fairtrade-Stadt Lübeck e.V." und dem Text "Wir sind dabei". Der Stadtplan liegt inzwischen bereits in der 11. Auflage vor. Es wurden bisher ca. 50 000 Exemplare verteilt. Er kann auch über die Homepage der Fairtradestadt Lübeck e.V. und der städtischen Website heruntergeladen werden. In Absprache mit Lübeck und Travemünde Marketing GmbH (LTM) wurde eine Kurzfassung in englischer Sprache erstellt, die für Tourist:innen aus dem Ausland eine Orientierungshilfe gibt. Anfang 2023 wurden die Daten auf die SMART CITY-Plattform der Hansestadt Lübeck übertragen. Über ein Smartphone ist eine benutzergesteuerte Auswahl von Produkten und die Lokalisierung der entsprechenden Geschäfte und Einrichtungen möglich. Wesentliche Vorzüge der digitalen Version sind die raschen Änderungsmöglichkeiten, die Einsparung von Ressourcen für Druck und Verteilung sowie die Vernetzung mit anderen digitalen Angeboten der Hansestadt und Suchmaschinen.
- NACHHALTIGER TOURISMUS IN LÜBECK UND TRAVEMÜNDE
Die Lübeck und Travemünde Marketing GmbH (LTM) ist die offizielle Tourismusorganisation für die Hansestadt Lübeck und das Seebad Travemünde. Das Tourismusentwicklungskonzept 2030 gibt seit 2020 den Leitfaden für alle Akteur:innen in Lübeck und Travemünde vor, welche Schritte auf dem Weg zu einer nachhaltigen Destination gemeinsam zu gehen sind. Für die LTM als Mitglied im Steuerungskreis Fairtrade Stadt Lübeck bedeutet dies:
- Förderung eines offenen und fairen Miteinanders basierend auf einem verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen.
- Nutzung und Verkauf von regionalen sowie ökologisch zertifizierten Produkten in den Tourist-Informationen und diese den Gästen näherzubringen.
- Planung und Gestaltung von Veranstaltungen im Hinblick auf Wiederverwendung und einer sensiblen Beschaffung sowie „grünes Tagen“ fördern.
- Ständiges Hinterfragen und Anpassung des eigenen täglichen Handelns in Bezug auf Nachhaltigkeit und Verantwortung.
Sowohl die LTM als auch beide Destinationen wurden im Juni 2023 über TourCert zertifiziert.
- HAUPTSTADT DES FAIREN MARZIPANS
Seit 2017 steht die Steuerungsgruppe in Kontakt mit Lübecker Marzipan-Herstellern, um sie für den Einsatz von fair erzeugtem Kakao in ihrer Produktion zu gewinnen. Für die Idee, Lübeck zur „Hauptstadt des Fairen Marzipans“ zu machen, konnten wir neben dem Bürgermeister im Herbst 2024 die kommunale Tourismus-Agentur Lübeck-Travemünde Marketing GmbH (LTM) gewinnen. Dank ihrer Mitwirkung ist es gelungen, dass im Austausch mit dem größten Lübecker Marzipanhersteller ein Unterstützungsschreiben zur Bewerbung um den Titel „Hauptstadt der Fairen Handels“ verfasst wurde. Das Unternehmen begrüßt ausdrücklich den Schritt das Traditionsprodukt Marzipan im Sinne verantwortungsvoller und zeitgemäßer Herstellung weiterzuentwickeln und, dass im Rahmen der Bewerbung der Fokus auf faires Marzipan gelegt wird. Ein anderer Marzipanhersteller hat sich offen für weitere Gespräche gezeigt.
- GOURMET-KAFFEE / DIRECT COFFEE
Viele Kaffeeröstereien bieten Gourmet bzw. Direct Coffee an und werben mit direkten Handelsbeziehungen zu den Erzeugern und höherer Qualität. Letztere soll den Mehrpreis gegenüber Standard-Kaffeesorten begründen. Über das Ausmaß des tatsächlichen sozialen Engagements ist jedoch nichts Konkretes zu erfahren. Wir haben daher die Initiative „Coffee Pledge“ von Transparency Coffee aufgegriffen und die darin beschriebene Idee an die Lübecker Röster weitergeleitet. Um die mit Gourmet-Kaffee verbundenen sozialen Aspekte stärker in die Öffentlichkeit bringen zu können, führen wir gemeinsam mit Oikocredit "Kaffeespaziergänge" durch die Lübecker Altstadt durch. Ziel ist es, die lokalen Kaffee-Röster davon überzeugen, dass es für ihre Glaubwürdigkeit dringend erforderlich ist, Transparenz über existenzsichernde Einkaufspreise zu schaffen.