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Veröffentlicht am 16.11.2021

Museen sind mehr als die Summe ihrer Exponate

ICOM Deutschland feierte das 75. Jubiläum im Europäischen Hansemuseum Lübeck

Ein Bild des Internationale Museumsrat (ICOM) (16.11.2021)

Heute, 16. November 2021, vor genau 75 Jahren gründete sich der Internationale Museumsrat (ICOM) als Antwort auf die Gräueltaten des Zweiten Weltkrieges und Motor für dauerhaften Frieden. ICOM Deutschland feierte das Jubiläum am vergangenen Freitag im Europäischen Hansemuseum Lübeck. Zum Festakt „Grenzen überwinden im Dialog“ reisten der ICOM Präsident und hochkarätige Gäste aus ganz Deutschland an, um vielfältig über Museen in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu diskutieren.

Das International Council of Museums (ICOM) entstand am 16. November 1946 im vom Krieg zerstörten Paris. In den vergangenen 75 Jahren entwickelte sich ICOM zu einem Weltverband mit derzeit 50.000 Mitgliedern in 151 Staaten. Deutschland ist nicht nur das mitgliederstärkste Nationalkomitee, sondern mit über 6.000 Museen auch eines der museumsreichsten Länder der Welt, und hat den Weltverband maßgeblich mitgeprägt. ICOMs Gründung ist von dem tiefen Glauben geprägt, dass Museen durch den kulturellen Austausch wesentlich zur Verständigung der Völker beitragen können. „Museen sind Orte des kulturellen Verständnisses und Gedächtnisses, sie sind Wissensspeicher und Promoter, sie fördern Gemeinschaft und Begegnung“, sagte Beate Reifenscheid, Präsidentin von ICOM Deutschland, in ihrer Begrüßung beim Festakt „75 Jahre ICOM“ im Europäischen Hansemuseum Lübeck am vergangenen Freitag. Alberto Garlandini, Präsident des Weltverbandes, betonte in seiner bewegenden Rede die globalen Bedrohungen durch die COVID-19-Krise und den Klimawandel: „Die verheerenden Auswirkungen der Klimakrise wirken sich weltweit auf unser Natur- und Kulturerbe aus. Globale Herausforderungen verlangen nach globalen Antworten.“ Im Sinne der Gründungsväter von ICOM rief Garlandini die Museen auf, sich den Herausforderungen zu stellen und den Wandel anzuführen.

Nur wer weiß, woher er kommt, weiß, wohin er geht. Felicia Sternfeld, Direktorin des Europäischen Hansemuseums, zog zum Jubiläum Parallelen von der Hanse über die aktuelle Lage der EU zu ICOM: „Bei uns erleben die Besucherinnen und Besucher täglich, was man gewinnt, wenn man kooperiert. Auch ICOM basiert wie die Hanse auf der Idee der Stärke durch Gemeinschaft.“ Andrea Lissoni, Künstlerischer Geschäftsführer vom Haus der Kunst in München, hielt eine Keynote zum Thema „How to be attuned to the present-future“. Kulturstaatsministerin Monika Grütters lobte in ihrer Grußbotschaft ICOMs Expertise bei museumsfachlichen und kulturpolitischen Fragestellungen.

Genauso vielfältig wie die Aspekte der Reden fiel das anschließende Plenum aus, das zum Thema „Globale Herausforderungen gemeinsam meistern – gestern, heute, morgen“ unter der Moderation von Beate Reifenscheid diskutierte. Hans-Martin Hinz, ehemaliger Präsident von ICOM Deutschland und ICOM, blickte auf die Entwicklung des Verbandes von seiner Gründung bis in die Gegenwart zurück. Regine Schultz, Vorsitzende des internationalen Advisory Komitees, gewährte spannende Einblicke in die globale Arbeit und politisch-kulturellen Herausforderungen eines Weltverbandes mit 119 Nationalkomitees. Robert Peters ist Mitglied im ICOM-Ethikkomitee und im Auswärtigen Amt im Referat für „Multilaterale Kulturpolitik, Kulturschutzgut und Kulturgüterrückführung“ tätig. Er beschrieb die Bedeutung von ICOMs „Code of Ethics“ als Richtschnur für seine und die museale Arbeit. Susanne Köstering vom Museumsverband Brandenburg bereicherte die Diskussion um eine regionale und DDRnachgeschichtliche Perspektive, die dann unter dem Stichwort Bildungsverlust durch die Corona-Schließzeiten in den inoffiziellen Teil überging. „Die Themenvielfalt des Abends hat deutlich gezeigt, dass Museen eben mehr sind als die Summe ihrer Exponate. Zukunft kann nur gemeinsam gestaltet werden, um Bedrohungen und Klimawandel zu begegnen und kulturelles Erbe nachhaltig für alle Menschen zu sichern“, resümierte Beate Reidenscheid. +++

Quelle: Europäisches Hansemuseum