ALLRIS - Vorlage

Bericht öffentlich - 20/0387

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Beratungsfolge

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Anlass:

 

Beschlüsse des Wirtschaftsausschusses und Ausschuss für den Kurbetrieb Travemünde am 09.09.2019 (VO/2019/08058) und der Bürgerschaft am 26.09.2019 (VO/2019/08082-27-01 Nr. 6):

 

Die Bürgerschaft hat am 26.09.2019 mit dem Beschluss zur VO2019/08082-27-01 Nr. 6 den Bürgermeister beauftragt zu prüfen, wie es möglich ist, den ÖPNV während der Travemünder Woche zu stärken, um den Individualverkehr innerhalb, von und nach Travemünde zu reduzieren. Dabei sollen Möglichkeiten eines kostenlosen ÖPNV in der Zeit der Travemünder Woche für Touristen und Einheimische geprüft werden, sowie die Erhöhung der Taktfrequenz von und nach Travemünde erörtert werden (siehe VO/2019/08058 – Wirtschaftsausschuss vom 09.09.2019).

 

 

Bericht:

Vorbemerkung

 

Ein erster Bericht war für den Sommer 2020 vorbereitet, wurde aber aufgrund der Corona-Pandemie erstmal nicht weiterverfolgt. Die Einführung des 9-Euro-Tickets bzw. des Deutschlandtickets führte zu einer erheblichen Veränderung der Rahmenbedingungen, so dass mehrfach neue Daten erhoben und ausgewertet werden mussten.

 

 

Bericht

 

Seit 2019 wurde der ÖPNV in Lübeck erheblich gestärkt. Es sind zahlreiche Angebotsausweitungen geschaffen worden, nicht zuletzt die Einführung des „Lübeck-Takt“ (10-Minuten-Takte montags bis freitags) seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2023.

 

Auch im Verkehr von/nach Travemünde wurden einige Verbesserungen umgesetzt:

 

  • Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2021 wurde die Linie 40 montags bis freitags auf einen durchgehenden 30-Minuten-Takt zwischen ZOB/Hauptbahnhof und Strandbahnhof verdichtet (vgl. VO/2020/09617).
  • Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2022 wurden die Fahrtzeiten der Linien 30 und 40 so miteinander harmonisiert, sodass sich die zwei 30-Minuten-Takte in Bezug auf die Haltestelle Teutendorfer Weg optimal ergänzen (vgl. VO/2022/11583).
  • Mit Beginn des Sommerfahrplans im April 2023 wurde der Verkehr auf der Linie 40 zwischen Strandbahnhof und Timmendorfer Strand ZOB verdichtet: montags bis freitags ganzjährig sowie samstags und sonntags im Sommerfahrplan besteht hier nun ein 30-Minuten-Takt. Dadurch wurden in Timmendorfer Strand auch neue Anschlussverbindungen in Richtung Haffkrug, Sierksdorf und Neustadt mit der Linie 522 geschaffen. Daneben wurden montags bis freitags die Betriebszeiten der Linie 40 um etwa eine Stunde verlängert (vgl. VO/2022/11156).
  • Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2024 wurde auf der Strecke zwischen ZOB/Hauptbahnhof und Solmitzstraße der „Lübeck-Takt“ eingeführt. In diesem Zusammenhang erhielten die Linien 30 und 40 zwischen ZOB/Hauptbahnhof und Teutendorfer Weg den gleichen Linienverlauf. Hierdurch entstand eine bessere Taktergänzung dieser Linien (einheitlicher 10-20-Minuten-Takt) und die schnelle Verbindung zwischen Travemünde und dem Kücknitzer Ortszentrum wurde gestärkt.
  • Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2025 wurde der Verkehr auf den Travemünder Ortsbuslinien (Linien 35 und 38) verdichtet und zeitlich an die Bahn- und Busanschlüsse angepasst (vgl. VO/2025/14121).

 

Zum Fahrplanwechsel am 3. Januar 2027 wird es weitere Veränderungen geben, da zu diesem Zeitpunkt die Linie 50 wieder bis Travemünde verlängert wird und somit die Linien 30 und 40 entlastet (vgl. Vorlage 20/0162).

 

Auch der Bahnverkehr zwischen Lübeck Hbf und Travemünde wurde in den vergangenen Jahren attraktiver gestaltet. Seit Januar 2023 kommen die modernen Stadler KISS-Züge zum Einsatz. Die Züge der Linie RE8 (Hamburg Hbf – Lübeck Hbf – Lübeck-Travemünde Strand) verkehren größtenteils durchgängig, sodass kein Umstieg notwendig ist. An den Wochenenden im Sommerfahrplan wurde der Stundentakt auf einen Halbstundentakt von 7 bis 21 Uhr verdichtet. Zunächst pendelte hier ein zusätzlicher Zug nur zwischen Lübeck Hbf und Lübeck-Travemünde Strand. Seit dem Ende der Generalsanierung auf der Bahnverbindung Hamburg – Berlin im Juni 2026 wird allerdings auch die Linie RE80 umsteigefrei von Hamburg über Lübeck Hbf nach Lübeck-Travemünde Strand durchgebunden. Es bestehen somit an Sommerwochenenden zwei umsteigefreie Direktverbindungen/Stunde/Richtung zwischen Hamburg und Travemünde.

 

Neben Bussen und Zügen besteht seit März 2024 eine zusätzliche ÖPNV-Anbindung durch die Rufbuslinie 80 von NAHBUS, die die benachbarten Orte im Landkreis Nordwestmecklenburg etwa stündlich mit der Haltestelle Priwall/Priwallfähre verbindet.

 

 

Zusatzverkehre während der Travemünder Woche

 

In den vergangenen Jahren konnte das reguläre ÖPNV-Angebot aus Bus und Bahn deutlich ausgeweitet werden. Zur Travemünder Woche werden traditionell jedoch noch zusätzliche Fahrten durchgeführt, die zusätzliche Kapazitäten bereitstellen und die Betriebszeiten der Buslinien erweitern.

 

  • Im Busverkehr verkehren nach Ende des regulären Busangebots jeweils zusätzliche Fahrten auf den Linien 33 in Richtung Kücknitz/Bad Schwartau, Linie 34 in Richtung ZOB/Hauptbahnhof und Linie 40 in Richtung Timmendorfer Strand/Scharbeutz. Die späten Fahrten der Linie 34 in Richtung ZOB/Hauptbahnhof bieten zudem Anschluss an zusätzliche Sammelbusabfahrten in die weiteren Stadtteile.

Das zusätzliche Fahrtenangebot wurde 2024 und 2025 jeweils von ca. 4.500 Fahrgästen benutzt.

  • Im Bahnverkehr werden die Betriebszeiten des 30-Minuten-Takts ausgeweitet (auch am Freitagnachmittag, verlängerte Betriebszeiten am Wochenende). Zudem kommen Doppeltraktionen (zwei zusammengekoppelte Zugeinheiten des Stadler KISS) zum Einsatz, um die Kapazitäten zu verdoppeln.

 

Das erweiterte Angebot wird jährlich über Pressemitteilungen kommuniziert. Die Besuchenden der Travemünder Woche werden aufgerufen, vorrangig mit dem ÖPNV anzureisen (siehe Anlage Pressemitteilung).

 

 

Kostenloser ÖPNV

 

Seit 2019 hat sich die Tariflandschaft in Lübeck erheblich geändert. Es wurde das 9-EUR-Ticket/Deutschland-Ticket eingeführt. Lübecker Schüler:innen können einen Zuschuss für das Deutschlandticket beantragen. Da bereits viele Personen das Angebot des Deutschland-Tickets nutzen, fallen für diesen Personenkreis keine Extrakosten für die Travemünder Woche an. Von einem kostenlosen ÖPNV würden somit nur noch die verbliebenden Gelegenheitsfahrenden profitieren.

 

Um den kostenlosen ÖPNV während der Travemünder Woche für den gesamten Weg der Besuchenden umzusetzen, müsste nicht nur die Relation ZOB/Hauptbahnhof nach Travemünde und zurück kostenlos sein, sondern auch alle Zubringer-Strecken, da die meisten Personen nicht erst am Bahnhof ihren Weg starten. In diesem Fall kann nicht unterschieden werden, ob die ÖPNV-Nutzenden tatsächlich die Travemünder Woche besuchen oder andere Wege innerhalb Lübecks zurücklegen. Folglich würde der ÖPNV in dieser Woche innerhalb Lübecks für alle Nutzenden kostenlos werden.

 

 

Kosten für den kostenlosen Bus- und Personenfährverkehr

 

Es wird damit gerechnet, dass der kostenfreie Busverkehr während der Travemünder Woche zu einem Einnahmeausfall von ca. 380.000,00 EUR führen würde. Bei den Fähren würde es zu einem Einnahmeausfall von ca. 270.000,00 EUR kommen. Die Werte sind durch SWL Mobil ermittelt und betreffen die eigenen Einnahmeausfälle. Weitere Kosten könnten durch die Nutzung anderer Verkehrsunternehmen, wie z. B. Autokraft oder NAHBUS entstehen. Valide Zahlen konnten hier nicht ermittelt werden. Sie sind jedoch auf Grund der geringen Nutzendenzahl deutlich geringer einzuschätzen.

 

 

Kosten für den kostenlosen Bahnverkehr

 

Bei dem Bahnverkehr würde es zu einem Einnahmeausfall in Höhe von ca. 700.000,00 EUR kommen, wenn alle Bahnlinien von und nach Lübeck (zwischen Fehmarn/Kiel/Hamburg/ Lauenburg und Lübeck) während der Travemünder Woche kostenfrei betrieben werden, bzw. ca. 45.000,00 EUR, sollte der Bahnverkehr nur im Lübecker Stadtgebiet kostenlos sein. Auf dem Lübecker Gebiet würden nur die Personen, die bahnhofsnah wohnen, profitieren. Personen die nicht in Bahnhofsnähe wohnen, müssten trotzdem eine Busfahrkarte kaufen, diese beinhaltet dann auch automatisch die Bahnfahrt. Folglich entsteht keine Vergünstigung und eine Benachteiligung für diese Fahrenden.

 

Insgesamt würden sich also schätzungsweise Kosten in Höhe von ca. 695.000,00 EUR bis ca. 1.350.000,00 EUR ergeben, je nachdem ob der Bahnverkehr nach Lübeck im vollen Maße einbezogen wird, oder nur der Bahnverkehr im Lübecker Stadtgebiet kostenfrei angeboten wird.

 

Zudem kann es durch einen kostenlosen ÖPNV zu einem erheblichen Zuwachs an Fahrgästen kommen (vgl. Tag der offenen Bustür – 30% mehr Fahrgäste). Dies wird zu Kapazitätsproblemen durch fehlende Fahrzeuge und Personal seitens SWL Mobil führen, die nicht durch zusätzliche Einsatzwagen ausgeglichen werden können. Busse wären überfüllt und ihre Nutzung somit unattraktiv. Gegebenenfalls würden Besuchende der Travemünder Woche wieder zum Individualverkehr drängen. Ein gleicher Effekt wäre bei einem kostenlosen Bahnverkehr zu befürchten. Dem müsste mit noch mehr zusätzlichen Kapazitäten begegnet werden, wodurch das Defizit nochmals erhöht wird.

 

 

Fazit

 

Die zahlreichen Angebotsmaßnahmen im ÖPNV von/nach Travemünde – bei Bus, Bahn und Rufbus – und die Zusatzverkehre während der Travemünder Woche haben bereits zu einer erhöhten Taktfrequenz von und nach Travemünde geführt. Für Besuchende der Travemünder Woche ist es daher heute recht attraktiv möglich, ohne Auto und mit dem ÖPNV anzureisen.

 

Seitens der Verwaltung wird das Angebot an Zusatzfahrten fortlaufend evaluiert und soll in den kommenden Jahren weiter an den Bedarf angepasst werden.

 

Aufgrund der hohen Einnahmeausfälle, der notwendigen Angebotsaufstockung und des im Verhältnis geringen Nutzens wird ein kostenloser ÖPNV in der Zeit der Travemünder Woche für Tourist:innen und Einheimische nicht empfohlen.

 

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Anlagen

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