Grüne Ampel an einer leeren Stadtstraße mit Bäumen

VIAAflow

Der Grüne-Welle-Assistent

Zeigt die nächste Ampel in ein paar Sekunden Grün? Durchfahren oder Bremsen? Lieber etwas langsamer fahren, um in der Grünen Welle zu bleiben? Oder ausrollen lassen, weil es bis zum Grün noch dauert? Und wann genau wird es wieder Grün? Diese Fragen und mehr werden im Herbst 2026 in Lübeck durch VIAAflow mit der kostenlosen App „trafficpilot“ sowie in der Fackenburger Allee zusätzlich mit den Anzeigeelementen/Displays für den Radverkehr beantwortet. Mit dem Förderprojekt VIAA konnte das Verkehrsmanagementsystem der Hansestadt Lübeck digitalisiert werden. Der in diesem Zuge beschaffte Verkehrsrechner ermöglicht durch seine Echtzeitfähigkeit die Umsetzung von VIAAflow. Die App trafficpilot steht bereits in mehr als 10 deutschen Städten (u.a. Hannover, Frankfurt a.M., Kassel) zur Verfügung. Sie bietet Verkehrsteilnehmern aktive Unterstützung, indem sie mit Hilfe von Echtzeitdaten der Ampelanlagen (im Fachjargon Lichtsignalanlagen) Informationen über den zu erwartenden Signalzustand liefert. Die App nutzt Positionsdaten und Ampeldaten, um Prognosen zu ermitteln und kontinuierlich zu optimieren. Damit kann die App ein wertvoller Beitrag sein um den Verkehrsfluss zu optimieren, da Brems- und Anfahrvorgänge reduziert werden können.

Weniger Stop, mehr Go: So funktioniert der trafficpilot

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Funktionsweise

Mit VIAAflow und der App „trafficpilot“ kommt im Herbst 2026 ein Ampelphasenassistent (APHA), auch Grüne-Welle-Assistent genannt, nach Lübeck. Dieser verwendet aktuelle Positionsdaten, um den Signalzustand an der nächsten Ampel anzuzeigen. Die Positionsdaten werden datenschutzkonform über die GPS-Ortung des verwendeten Geräts (z.B. Smartphone) ermittelt und mit Kartendaten abgeglichen, um festzustellen welche Ampeln vorausliegen. Für diese werden aktuelle Prognosen abgerufen und angezeigt. Die Prognose wird als Rot-Grün-Teppich über die angezeigte Straße gelegt. Anhand der Farbe um das zentrale Pfeilsymbol lässt sich ableiten, ob die nächste Ampel bei gleichbleibender Geschwindigkeit bei Rot oder Grün erreicht wird. Oberhalb des Pfeils ist die Ampelfarbe sichtbar, die bei schnellerer Fahrt erreicht werden würde, im unteren Bereich die Farbe bei einer langsameren Fahrt. Die weiße Haltelinie oben zeigt die Entfernung und (knapp darunter) den aktuellen Zustand der Ampel.

Prognosen

Jede Ampelsteuerung ist anders. Manche Ampeln schalten immer im gleichen Rhythmus (eine sogenannte Festzeitsteuerung) – dann ist die dann ist die Prognose, ob die nächste Ampel grün oder rot zeigt, einfach. Viele Ampeln in Lübeck reagieren aber dynamisch auf unterschiedliche Einflüsse: Fußgänger, die per Taster Grün anfordern, Busse, die bevorzugt durch die Kreuzung geschleust werden (die Verbesserung der Busbeschleunigung ist ebenfalls ein Teil des Projektes VIAA) oder stärkerer Verkehr aus der einen oder anderen Richtung. In solchen Fällen ist die Prognose schwieriger und manchmal nur sehr kurzfristig möglich (oder sogar überhaupt nicht, wenn die Daten von der Ampel nicht schnell genug übermittelt werden. Um dies zu verhindern wurden im Projekt VIAA unter anderem Ampeln ertüchtigt, um eine Echtzeitübertragung zu gewährleisten). Unsichere Prognosen werden in der App mit Graustufen visualisiert – Rot und Grün werden blasser und dunkler angezeigt. Oft betrifft dies auch nur Teile der Prognose und es gibt dennoch sichere Rot- und Grün-Bereiche, die bei der Wahl der richtigen Anfahrtsgeschwindigkeit helfen. Dieses wird auch durch den Time-to-Green (TTG) Service ermöglicht.

Bei einem Stopp schaltet die Ansicht der App „trafficpilot“ um und zeigt über der Haltelinie die erwartete Zeit bis zur Umschaltung der Ampel auf Grün. Bei aktivierter Sprachausgabe wird einige Sekunden vor Grünbeginn ein Hinweis ausgegeben.

Der „trafficpilot“ verbessert die Mobilität der Zukunft

  1. Komfortable Mobilität: „trafficpilot“ ermöglicht ein reibungsloseres Fahren, indem er Geschwindigkeitsempfehlungen gibt (natürlich nur im erlaubten Bereich).
  2. Einsparung von Energie:  Durch die Vermeidung von Stop-and-Go-Verkehr reduziert der „trafficpilot“ den Kraftstoffverbrauch und spart Energie.
  3. Reduzierung von Schadgasemissionen: Ein reibungsloser Verkehrsfluss trägt zur Verringerung von Emissionen bei.
  4. Vernetzte Mobilität: Der „trafficpilot“ ist ein Beispiel für die Vernetzung von Fahrzeugen und Infrastruktur zur Effizienzsteigerung.
  5. Bessere Angebotsplanung durch die Nutzung von Mobilitätsdaten: Die gesammelten Daten können von der Hansestadt genutzt werden, um den Verkehr zu optimieren und um Mobilitätsdienste zu verbessern.

Der „trafficpilot“ fördert nachhaltige Mobilität, indem er den Kraftstoffverbrauch und Emissionen durch Echtzeit-Ampelphaseninformationen reduziert. Er verbessert den Verkehrsfluss und bietet nebenher Daten für Stadt- und Verkehrsplanung zur Optimierung des Verkehrs. Darüber hinaus unterstützt der „trafficpilot“ Radfahrer, was umweltfreundliche Verkehrsoptionen fördert. Zudem kann so der Verkehrsstress durch eine informierte Fahrweise reduziert werden.

Die App ist kostenlos auf iOS und Android-Geräten verfügbar.

Anzeigeelemente in der Fackenburger Allee

Ein besonderes Pilotprojekt entsteht entlang der Fackenburger Allee. Dort werden sechs digitale Anzeigeelemente installiert, die die Informationen der App direkt im Straßenraum sichtbar machen. So können auch Radfahrende ohne Smartphone VIAAflow nutzen. Die Anzeigen informieren darüber, ob eine etwas höhere oder niedrigere Geschwindigkeit sinnvoll ist, um die nächste Ampel während der Grünphase zu erreichen. Dazu werden die Anzeigeelemente mit Sensoren zur Geschwindigkeitserfassung der Radfahrer ausgestattet, um eine individuelle Empfehlung zu ermöglichen. Sollte diese Messung nicht möglich oder sinnvoll sein (z.B. bei Überholvorgängen), werden allgemeine Empfehlungen bzw. Hinweise weiterhin angezeigt. Die verwendeten Radarsensoren erfassen keine personenbezogenen Daten, es wird ausschließlich die Geschwindigkeit und die Anzahl der Radfahrenden erfasst.

Für die radfahrerorientierte Darstellung werden zwei unterschiedliche Anzeigekonzepte getestet, bevor die bessere Variante in 2027 etabliert wird.

Variante 1: „Tempo-Empfehlung“

Die Variante „Tempo-Empfehlung“ visualisiert die Erreichbarkeit der nächsten Grünphase in Abhängigkeit zur aktuellen Position und Geschwindigkeit des erfassten Radfahrenden. In der Mitte des Displays (Fahrradsymbol) wird die Farbe der Ampelphase angezeigt, die bei Beibehaltung der aktuellen Geschwindigkeit erreicht würde. Die grau dargestellten Bereiche werden angezeigt, wenn keine sichere Prognose vorliegt. Wird empfohlen, eine höhere Geschwindigkeit zum Erreichen der Grünphase zu fahren, wird dieses durch den weiß aufleuchtenden Hasen symbolisiert. Die Empfehlung zum Verringern der Geschwindigkeit wird durch die Schildkröte symbolisiert. Auf diese Weise erhalten Radfahrende eine visuelle Rückmeldung, ob eine Anpassung ihrer Geschwindigkeit sinnvoll ist, um die Grünphase zu erreichen. 

Langsamer für Grün
Schneller für Grün
Grün nicht erreichbar
Grün wird erreicht

Copyright Firma Gevas software

Variante 2: „Countdown“

Die Variante „Countdown“ stellt die verbleibende Dauer des aktuellen Signalzustands als schrumpfenden roten oder grünen Balken dar. Ergänzend wird in der Mitte des Displays die prognostizierte Restzeit in Sekunden angezeigt.

Falls eine moderate Geschwindigkeitsanpassung das Erreichen der Grünphase ermöglicht, wird dies durch ein hervorgehobenes Symbol (Hase und Schildkröte) visualisiert. Dadurch erhalten Radfahrende eine leicht verständliche Empfehlung und können ihre Geschwindigkeit gegebenenfalls anpassen, um die Grünphase zu erreichen. Wie auch im Konzept „Tempo-Empfehlung“ steht der Hase für die Empfehlung die Geschwindigkeit zu erhöhen und die Schildkröte für die Empfehlung die Geschwindigkeit zu reduzieren. 

Noch 12s Rot, langsamer für Grün
Noch 15s Grün, schneller für Grün
Noch 18s Rot
Noch 25s Grün

Copyright Firma Gevas software

Hinweise zur Verkehrssicherheit
VIAAflow ersetzt nicht die Ampeln! Geltende Verkehrsregeln und eine rücksichtsvolle Fahrweise haben immer Vorrang! Die Hansestadt Lübeck schließt eine Haftung ausdrücklich aus.