Veröffentlicht am 05.03.2026

Der Lübecker Divan - Ein Reiseführer für die Seidenstraße

Eröffnung der Sonderausstellung in den Räumen des St. Annen-Museums ab 6. März 2026

Blick ins Innere der Lübecker Welterbes: Das St. Annen-Museum.

„Unterwegs“ lautet das diesjährige Motto der LÜBECKER MUSEEN. Passend dazu nimmt die Lübecker Sammlung Kulturen der Welt eine der bekanntesten Handels- und Reiserouten seit der Antike in den Blick: Am 6. März wird die Ausstellung „Der Lübecker Divan. Ein Reiseführer für die Seidenstraße“ im St. Annen-Museum eröffnet. Im Fokus stehen die Beziehungen zwischen Lübeck und den Ländern Ost- und Zentralasiens bis in die Gegenwart, veranschaulicht durch 96 Exponate aus 18 Ländern, darunter die Zentralasien-Sammlung des ersten Direktors des Lübecker Völkerkundemuseums aus dem frühen 20. Jahrhundert. Der Titel der Schau wird dabei ganz wörtlich genommen, da sie auf klassische Museumstexte verzichtet, sondern den Besuchenden die Thematik mittels Infoboxen im Jargon von Reisehandbüchern vermittelt. Zudem bietet die Sammlung Kulturen der Welt im Herbst auch erstmalig eine begleitete Reise durch Turkmenistan und Usbekistan an. Die Ausstellung wurde vom Sammlungsdirektor Dr. Lars Frühsorge zusammen mit seinem wissenschaftlichen Mitarbeiter Dr. Olaf Günther kuratiert und ist bis zum 30. August 2026 zu sehen.

Der Begriff „Seidenstraße“ wurde 1877 von dem deutschen Geografen Ferdinand von Richthofen geprägt, um ein Netzwerk von Handelsrouten von China durch Zentralasien bis nach Europa zu beschreiben. Mit rund 6.400 Kilometern verbanden ihre Karawanenwege ab ca. 200 v. Chr. China über Zentralasien mit dem Mittelmeerraum. Dementsprechend spannt die Ausstellung einen zeitlichen Bogen von der Antike bis in die Gegenwart. Neben den wechselvollen Beziehungen zwischen China und Deutschland, gewissermaßen den Endpunkten der Seidenstraße, liegt der Fokus auf den Ländern Zentralasiens entlang der Seidenstraße. Auf diesen Routen wurden nicht nur Seide, sondern auch eine Fülle anderer Produkte wie Tee, Porzellan, Gewürze, Glas und Opium zwischen Ost und West gehandelt. Noch wichtiger ist jedoch, dass auf diesen Routen auch technisches, mathematisches, astronomisches, kartografisches und medizinisches Wissen nach Europa gelangte, da die Kulturen Asiens im Mittelalter den europäischen Wissenschaften weit voraus waren. Über Reisende wurden aus den chinesischen und islamischen Kulturen zudem Kunst, Musik, Architektur, Religion und Literatur Europas beeinflusst. Exemplarisch dafür werden in der Ausstellung Erfindungen wie Papier oder Buchdruck, Schießpulver, Steigbügel oder das Schachspiel gezeigt und sogar das vermeintlich typische Lübecker Marzipan als persische Erfindung „entlarvt“. Doch auch die negativen Aspekte einer solchen Handelsroute wie kriegerische Auseinandersetzungen oder Epidemien sollen nicht verschwiegen werden.

Der Titel der Schau „Der Lübecker Divan“ wurde bewusst gewählt und orientiert sich an dem Konzept des „Divan“, mit dem im islamischen Kulturbereich eine Sammlung poetischer Meisterwerke bezeichnet wurde. Dieser Begriff wurde bereits von Goethe aufgegriffen, der 1819 eine eigene, von persischen Poeten wie Hafis und Rumi inspirierte Gedichtsammlung mit dem Titel „West-östlicher Divan“ veröffentlichte. In der aktuellen Ausstellung steht die Bezeichnung Divan aber nicht für eine Sammlung poetischer Meisterwerke, sondern für eine Zusammenstellung künstlerischer und kulturhistorischer Highlights aus den Beständen der Sammlung Kulturen der Welt.

Herzstück der Ausstellung ist die Zentralasien-Sammlung des ersten Direktors des Lübecker Völkerkundemuseums Richard Karutz. Er bereiste 1903 bis 1907 Zentralasien und dokumentierte in zwei Büchern anhand von Fotos und Objekten das traditionelle Leben in den nomadischen Gemeinschaften und uralten Oasenstädten, bevor diese durch die russische Kolonisation und die Eingliederung in die Sowjetunion nachhaltig verändert wurden. Aus seiner Sammlung zu sehen sind unter anderem kostbare Gewänder, Teppiche, Skulpturen oder Gebrauchsgegenstände, die zum Teil noch nie öffentlich gezeigt wurden. Das älteste Exponat der Ausstellung stammt aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. und ist ein Keilschrifttext des biblischen Königs Nebukadnezar, den der Lübecker Weltreisende Gustav Pauli von einer Asienreise mitgebracht hat. Doch auch Gegenwartskunst ist zu sehen, so zum Beispiel ein eigens für die Ausstellung gefertigtes Hochzeitskleid oder Gemälde, die eine Vision von einem faireren Miteinander der Handelspartner in Ost und West entwerfen. 

Die Ausstellung bietet zudem einen interaktiven E-Guide, auf dem die Gäste nicht nur vertiefende Informationen und Podcasts zu jedem Exponat erhalten, sondern auch eigene Ideen posten können. Die Plattform https://divan.community-museum.de wurde unter Zuhilfenahme Künstlicher Intelligenz im Vorfeld der Ausstellung geschaffen, um unter anderem auch Studierenden aus Zentralasien die Möglichkeit zu bieten, sich mit den Lübecker Exponaten und somit mit ihren kulturellen Wurzeln zu beschäftigen.

Die Schau konnte durch die finanzielle Unterstützung der Possehl-Stiftung, Frau & Kultur e.V. sowie der Friedrich Bluhme und Else Jebsen-Stiftung realisiert werden.

Vernissage

Die Ausstellung „Der Lübecker Divan. Ein Reiseführer für die Seidenstraße“ wird am Freitag, 6. März, um 17 Uhr im St. Annen-Museum eröffnet. Nach der Begrüßung durch den Leitenden Direktor der LÜBECKER MUSEEN Dr. Tilmann von Stockhausen und der Direktorin der Kunsthalle St. Annen / kommissarischen Leitung des St. Annen-Museums Noura Dirani, führt Dr. Lars Frühsorge durch die Schau. Musikalisch untermalt wird die Veranstaltung von Khayrullo Dadoboev & RITM-X. Das Percussionprojekt rund um den in Tadschikistan geborenen Khayrullo Dadoboev verbindet Musiker verschiedener Herkunft und Stilrichtungen miteinander. Für kulinarische Highlights ist ebenfalls gesorgt. Der Eintritt ist frei; es wird dennoch um die Reservierung eines Onlinetickets unter https://skw.die-luebecker-museen.de/veranstaltung-buchen?vid=11614 gebeten.

Begleitprogramm

Erstmalig in ihrer Geschichte bietet die Lübecker Sammlung Kulturen der Welt eine Reise zur Ausstellung an. Im September 2026 wird Co-Kurator und Zentralasien-Experte Dr. Olaf Günther interessierte Lübecker:innen auf eine Reise abseits der ausgetretenen touristischen Pfade durch Turkmenistan und Usbekistan begleiten. Außerdem sind in dem vielfältigen Begleitprogramm zur Ausstellung auch eine getanzte „Mitmach“-Führung, Workshops zur traditionellen Papierherstellung, japanische Teezeremonien mit Teesorten aus verschiedenen Ländern entlang der Seidenstraße sowie eine Führung von Dr. Lars Frühsorge zum Weltfrauentag unter dem Titel „Mulan, Schahrasad, Heilige Nino: Starke Frauen auf der Seidenstraße“ geplant.

Weitere Informationen unter https://skw.die-luebecker-museen.de +++

Quelle: Die Lübecker Museen