ALLRIS - Vorlage

Bericht öffentlich - VO/2025/14750

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Beratungsfolge

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Die Feste Fehmarnbeltquerung (FFBQ) wird auf europäischer, nationaler und regionaler Ebene Veränderungen und Chancen mit sich bringen, die auch die Hansestadt Lübeck für sich nutzen kann.

Um zukunftsfähig und resilient aufgestellt zu sein, engagiert sie sich daher in verschiedenen Organisationen, die in unterschiedlichen räumlichen Ausdehnungen agieren, sich jedoch in ihren Zielsetzungen ähneln: Gemeinsam bereits vorhandene und sich (unter anderem) mit Fertigstellung der FFBQ neu bietende Chancen zu nutzen und auf Grundlage eines wertebasierten Konsenses größtmöglichen Nutzen für alle Beteiligten zu bieten; auf wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und politischer Ebene.

Denn die Feste Fehmarnbeltquerung bietet nicht nur Chancen für eine schnellere, günstigere und ökologischere Verbindung zwischen Dänemark und Deutschland. Sie ist vielmehr eine Möglichkeit, Nordeuropa enger zusammenwachsen zu lassen und darüber hinaus wichtiger Bestandteil des nördlichen Bereichs des sogenannten ScanMed Corridor, eines Verkehrskorridors zwischen Skandinavien und dem Mittelmeerraum.

Für die Stadt liegt der Fokus darauf, ihr (wirtschaftliches) Handeln über die Grenzen der Stadt hinweg in eine Gesamtstrategie einfließen zu lassen, die gewissermaßen „vom Kleinen (regionale Ebene) zum Großen (nordeuropäische Ebene)“ ausgerichtet ist. Interkommunale und transnationale Netzwerke sind unerlässlich in Zeiten, in denen Herausforderungen wie Fachkräftemangel, Demographie, Mobilitäts- und Energiewende, eine Transformation der Wirtschaft aber auch Veränderungen in einem lange Zeit als dauerhaft beständig empfundenen Wertekanon auf internationaler Ebene Gesellschaft und Politik gleichermaßen vor große Aufgaben stellen.

 

I. Das Regionalmanagement im Hansebelt

Um regional gut aufgestellt zu sein, engagiert sich die Hansestadt Lübeck seit mehreren Jahren als Kooperationspartnerin des Regionalmanagements im Hansebelt (s. auch die Vorlagen VO 2020/08679 und 2025/14223).

Akteure sind hier die IHK zu Lübeck, die Kreise Storman, Herzogtum Lauenburg, Segeberg, Ostholstein und die Hansestadt Lübeck. Beteiligt sind außerdem die jeweiligen Wirtschaftsförderungen sowie der HanseBelt e.V.. Die geografische Ausdehnung des Hansebelts entspricht derjenigen ihrer Akteure. Mit rund 1,16 Millionen Einwohnern und einer Fläche von knapp 5.000 Quadratkilometern bildet der Hansebelt einen bedeutenden Lebens- und Wirtschaftsraum zwischen Hamburg und Kopenhagen.

 

Die aktuellen Handlungsfelder der kreisübergreifenden Kooperation sind:

-Chancen der festen Fehmarnbeltquerung,

-Arbeitskräftebindung und –gewinnung,

-Standortmarketing,

-Entwicklung der regionalen Kooperation.

 

In Facharbeitsgruppen werden regionalökonomische Projekte ausgewählt und bearbeitet, um die Wirtschaftskraft und die Attraktivität der Region zu stärken und nachhaltig positiv zu beeinflussen. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Veranstaltungen, die Vernetzung und Zusammenarbeit der Akteure fördern und die Regionalentwicklung voranbringen.

 

Die jährliche finanzielle Beteiligung der Hansestadt Lübeck für den dritten Förderzeitraum bis 2027 beträgt rund 13.000 € pro Jahr.

 

II. Das Interreg-Projekt „Fehmarnbelt Growth Region“

In der Vorlage VO 2025/14659-02 wurde über die Beteiligung der Hansestadt Lübeck am Interreg- Projekt „Fehmarnbelt Growth Corridor“ berichtet. Seitdem wurde der Name in Fehmarnbelt Growth Region geändert, da die Bezeichnung als Region besser passt.

 

Während sich die Aktivitäten des Hansebelts hauptsächlich auf Deutschland beziehen, erstreckt sich das Fördergebiet des Interreg- Programms und damit auch die geografische Lage der am Projekt beteiligten Partner bis in die Region westlich von Kopenhagen hinein, wobei es andererseits die Kreise Segeberg, Stormarn und Herzogtum Lauenburg nicht umfasst. Gleichwohl sind diese Kreise assoziierte Partner des Interreg-Projekts, da es unabhängig von dem Interreg-Fördergebiet möglich und zudem gewünscht ist, dass sie später Mitglieder der angestrebten grenzüberschreitenden Kooperation (z.B. EVTZ) werden, deren Bildung und Wirkungsgrad mit Hilfe des Interreg-Projekts untersucht werden sollen.

 

Die Fehmarnbelt Growth Region soll nach der Idee der Beteiligten auf länderübergreifender Ebene dazu führen, die Zusammenarbeit und den Austausch zwischen Dänemark und Deutschland zu intensivieren und die Region als solche zu einem resilienten und leistungsfähigen Wirtschafts- und Lebensraum zu entwickeln.

 

Die Hansestadt Lübeck beteiligt sich über anteilige Personalkosten in Höhe von insgesamt rund 83.000 € für die Laufzeit von drei Jahren an dem Interreg-Projekt.

 

III. Die STRING Megaregion

Die geografisch größte Ausdehnung hat die STRING Megaregion, deren Gebiet von

Akershus in Norwegen bis hinunter nach Hamburg reicht.

 

Was ist STRING?

Die politische Kooperation STRING (South Western Baltic Sea Transregional Area-Implementing New Geography) wurde 1999 in der Hansestadt Lübeck als EU Interreg-Projekt gegründet, um den Bau der Festen Fehmarnbeltquerung voranzutreiben.

Zu Beginn waren Schleswig-Holstein, Hamburg, die schwedische Region Skåne, die dänischen Regionen Sjælland und Hauptstadtregion Kopenhagen und später auch die Stadt Kopenhagen Mitglieder. Nach Beendigung des Projekts setzten die Partner ihre Zusammenarbeit fort und richteten sie auf aktuelle Themen aus.

Mittlerweile finden sich in dem Netzwerk die folgenden Partner:

Die Stadt Oslo (NO), Akershus Fylkeskommune (NO), Østfold Fylkeskommune (NO), Västra Götalandsregionen (SE), die Stadt Göteborg (SE), Region Halland (SE), Region Skåne (SE), die Stadt Helsingborg (SE), die Stadt Malmö (SE), die Stadt Kopenhagen (DK), die Hauptstadtregion Kopenhagen (DK), Region Zæland (DK), Region Süddänemark (DK), das Land Schleswig-Holstein (DE), die Stadt Kiel (DE) und die Hansestadt Hamburg (DE).

 

Das Ziel der Kooperation ist es, die Stärken der einzelnen Mitgliedsregionen zu bündeln, um gemeinsam einen nachhaltigen, wettbewerbsfähigen Wachstumskorridor zwischen Oslo im Norden und der Metropolregion Hamburg im Süden zu entwickeln. Der Schwerpunkt der Zusammenarbeit liegt hierbei auf den Themen „Nachhaltige Infrastruktur“ und „Grünes Wachstum“.

Das STRING-Netzwerk unterstützt die Vision der Europäischen Union, bis zum Jahr 2050 klimaneutral zu sein. Es befördert die Anstrengungen, den Transportbereich zu dekarbonisieren und auf dem Weg zur emissionsfreien Mobilität voranzuschreiten. Um „grünes“ Wachstum in der Region zu fördern, setzt STRING auf die Umsetzung von Projekten im Bereich des nachhaltigen Transports sowie den Aufbau von Infrastrukturen für den Transport von Wasserstoff.

Zudem möchte STRING mit Unterstützung der OECD einen Aktionsplan für ein grünes Silicon Valley zwischen Hamburg und Oslo entwickeln.

In den letzten Jahren hat das Netzwerk deutlich an Bedeutung gewonnen; hieraus resultiert auch eine engere Zusammenarbeit mit Wirtschaftsverbänden und Kommunen. Doch auch Fachbehörden auf EU-Ebene und Abgeordnete des Europäischen Parlaments sehen die Stärke der Kooperation1.

Gleichzeitig kontrolliert und evaluiert auch STRING immerwieder die gemeinsamen Ziele und Interessen der Mitglieder und richtet sein Handeln und seine Schwerpunkte bei Bedarf neu aus.

 

STRING ist außerdem assoziierter Partner im geplanten Interreg- Projekt „Femernbelt Growth Region“ (s.o.).

 

Wie ist STRING organisiert?

War STRING über die Jahre hinweg zunächst ein loser Verbund von Kommunen und Regionen, hat das Netzwerk in der letzten Zeit daran gearbeitet, die Zusammenarbeit zu institutionalisieren und ist seit dem 1. Januar 2026 eine nicht kommerzielle Organisation nach dänischem Recht (gemeinnütziger Verein) mit Sitz in Kopenhagen. Als rechtsfähige Organisation kann STRING anders agieren, als dies bisher der Fall war und beispielsweise Fördermittel einwerben.

 

Gemäß den neuen Statuten bildet die Generalversammlung (General Meeting) die höchste Instanz von STRING. Das Politische Forum (Political Forum) ist für die allgemeine und strategische Leitung der Kooperation zuständig. Der Vorsitz- oder Präsidiumsausschuss (Chairmanship Committee) hat die operative und finanzielle Aufsicht inne. Die Lenkungsgruppe (Steering Group) schlägt in Zusammenarbeit mit dem Geschäftsführer und dem Sekretariat Maßnahmen zur Annahme durch das Politische Forum vor. Die Kontaktgruppe (Contact Group) und das STRING-Sekretariat (Secretariat) arbeiten eng zusammen, um Aufgaben im Rahmen von STRING zu unterstützen. Der Geschäftsführer (Managing Director) leitet das Sekretariat und ist für das Tagesgeschäft verantwortlich. Daneben gibt es noch weitere Arbeitsgruppen, die sich mit spezifischen Themen beschäftigen, z.B. die Arbeitsgruppe zum Bau der Festen Fehmarnbeltquerung, die sich vorwiegend mit den Auswirkungen beschäftigt, die sich aufgrund der Verzögerungen sowohl beim Bau des Tunnels als auch im Rahmen der Hinterlandanbindung ergeben. Über das STRING Netzwerk wird hierbei in verschiedene Richtungen gewirkt und verdeutlicht, welche Konsequenzen die Verzögerungen für Ansiedlungspolitik, Unternehmen und Bevölkerung haben.

 

STRING finanziert sich aus den jährlichen Beiträgen seiner Mitglieder (z.Zt. 74.000 Euro).

 

Wie sieht das derzeitige Engagement der Hansestadt Lübeck bei STRING aus?

Die Handlungsfelder von STRING decken sich in vielen Bereichen mit den Zielen der Hansestadt Lübeck. Zu nennen sind hier insbesondere der Schutz des Klimas und der Fokus auf nachhaltige Entwicklung. Für die Hansestadt Lübeck mit ihrer zentralen Lage sowohl in der Fehmarnbeltregion als auch auf der Achse Oslo-Hamburg sind Vernetzung und Sichtbarkeit im internationalen Raum von großer Bedeutung für Forschung, Wirtschaft und Sicherheit.

Auch kann die Hansestadt Lübeck über das Netzwerk Zugang zu Projekten in den Bereichen Wasserstoff, nachhaltige Mobilität, grünes Wachstum oder Digitalisierung erhalten. Von den Infrastrukturprojekten, die durch STRING angeschoben werden, kann Lübeck aufgrund seiner günstigen Lage wirtschaftlich profitieren.

Die Hansestadt Lübeck bat daher zu Beginn des Jahres 2025 darum, den sogenannten Observer Status bei STRING zu erhalten, der ihr durch die Entscheidung des Politischen Forums schließlich gewährt wurde. Der Observer Status dauert im Normalfall ein Jahr an und bietet die Möglichkeit, an den Sitzungen der verschiedenen Gremien teilzunehmen und sich in Arbeitsgruppen zu engagieren. Diese Aufgaben werden derzeit vorwiegend durch den Bürgermeister, die Senatorin für Wirtschaft und Soziales und die Stabsstelle Sonderaufgaben im Fachbereich 2 wahrgenommen.

Im Hinblick auf die Neuorganisation von STRING und eine sich daraus ggfs. ergebende Änderung der Arbeitsweise, aber auch mit Blick auf die haushalterische Lage der Hansestadt Lübeck, bat die Verwaltung im Oktober 2025 darum, den Observer Status um ein weiteres Jahr verlängern zu dürfen. Das erste Political Forum, das im Februar dieses Jahres tagte, gab diesem Antrag statt, so dass die Hansestadt Lübeck ein weiteres Jahr hat, um sich von dem Nutzen zu überzeugen, den diese internationale Kooperation der Stadt bietet.

Der Observer Status als solcher ist kostenlos. Reisekosten zu Gremiensitzungen u.ä. sind von den jeweiligen Mitgliedern zu tragen.

 

1 (s.a. Website des Landes Schleswig-Holstein: schleswig-holstein.de, Suchbegriff Ostseezusammenarbeit, Beitrag vom 21.06.2023, dort Strategische Allianzen – STRING)

 

IV FAZIT

Die Engagements im Regionalmanagement Hansebelt, im angestrebten Interreg-Projekt zur Gründung einer länderübergreifenden institutionalisierten Kooperation mit Dänemark und in der STRING Megaregion befähigen die Stadt dazu, sowohl regional als auch auf europäischer Ebene zusammen mit ihren Kooperationspartnern die Chancen der Festen Fehmarnbeltquerung noch besser herauszuarbeiten, bestmöglich zu nutzen und aufgrund besserer Sichtbarkeit im internationalen Raum politisch Einfluss zu nehmen, wo es notwendig ist.

Die Hansestadt Lübeck mit ihrer strategisch günstigen Lage sowohl im Ostseeraum als auch auf der Achse Hamburg-Kopenhagen profitiert von ihrem Engagement in den verschiedenen Organisationen durch bessere Sichtbarkeit, beständige Netzwerke und die Möglichkeit der Einflussnahme.
 

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