Comic trifft St. Marien - Archäologie wird zur Bildergeschichte
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Lübeck, 1384. Die Straßen der Stadt sind voller Kaufleute, Handwerker und Gesandter. ZumHansetag strömen Besucher aus den Städten des Hansebundes in die mächtige Handelsmetropole des Nordens. Doch hinter den Fassaden der reichen Kaufmannshäuser wächst ein Konflikt, der die Stadt erschüttert: Handwerker fordern mehr politischen Einfluss und stellen sich gegen den Rat. Mitten in diesen Machtkampf geraten die Waisenkinder Thomas und Hille gemeinsam mit ihrem Lehrmeister, dem Kaufmann Gherard.
Diese Geschichte erzählt der neue Comicband „Die Bergenfahrer“, den die Abteilung Archäologie der Hansestadt Lübeck gemeinsam mit dem Lübecker Kilian Andersen Verlag veröffentlicht hat. Erstmals führt die Reihe ihre Leserinnen und Leser nach Lübeck und verbindet eine spannende Erzählung mit historischen Ereignissen und aktuellen Forschungserkenntnissen.
Eine Geschichte mitten aus der Lübecker Stadtgeschichte
Im Zentrum des neuen Bandes steht ein Konflikt, der die Hansestadt im späten 14. Jahrhundert tatsächlich bewegte. Die Handwerker Lübecks verlangen mehr Mitsprache in politischen Entscheidungen und geraten damit in direkten Gegensatz zum Rat der Stadt. Als ihr Anführer Hinrik Paternostermaker zugleich ein enger Freund des Kaufmanns Gherard ist, geraten Thomas und Hille zwischen die Fronten.
Vor der Kulisse des Hansetags entfaltet sich eine Geschichte über Freundschaft, Loyalität und gesellschaftlichen Wandel – eingebettet in eine Zeit, in der Lübeck als Zentrum des Hansebundes die Geschicke Nordeuropas mitprägte.
Archäologische Forschung als Fundament der Erzählung
Anders als viele historische Comics basiert „Die Bergenfahrer“ nicht allein auf einer allgemeinen Mittelalterkulisse. Die inhaltliche Grundlage der Handlung wurde von der Abteilung Archäologie der Hansestadt Lübeck entwickelt. Historische Hintergründe, zentrale Themen und zahlreiche Details des städtischen Lebens beruhen auf wissenschaftlichen Recherchen und archäologischen Erkenntnissen.
Ziel des Projekts war es, aktuelle Forschungsergebnisse in eine spannende und zugleich historisch belastbare Erzählung zu übersetzen. Die zeichnerische und erzählerische Umsetzung entstand in enger Zusammenarbeit mit der niederländischen Uitgeverij Syndikaat. So entstand ein Comic, der Wissenschaft und grafisches Erzählen auf besondere Weise miteinander verbindet.
„Wer archäologisch arbeitet, beschäftigt sich nicht nur mit Objekten und Befunden, sondern mit den Menschen dahinter. Uns interessierte die Frage, wie sich historische Konflikte, Hoffnungen und Entscheidungen in eine spannende Erzählung übertragen lassen. Der Comic eröffnet dafür Möglichkeiten, die klassische Vermittlungsformate oft nicht bieten“, sagt Arne Voigtmann, einer der beiden Projektleiter aus der Abteilung Archäologie.
Mittelalterliche Themen mit überraschender Aktualität
Für die Projektverantwortlichen liegt ein besonderer Reiz des Comics darin, historische Entwicklungen durch persönliche Geschichten erfahrbar zu machen.
„Die Auseinandersetzungen zwischen Rat und Handwerkern gehören zu den spannenden Kapiteln der Lübecker Stadtgeschichte. Viele Leserinnen und Leser werden überrascht sein, wie aktuell manche Fragen wirken, die die Menschen damals beschäftigten“, sagt André Dubisch, Projektleiter des Comics von der Abteilung Archäologie.
Die komplette Reihe jetzt auf Deutsch erhältlich
Mit dem neuen Band liegt die gesamte Reihe „Die Bergenfahrer“ erstmals vollständig in deutscher Sprache vor. Die beiden vorherigen Bände der ursprünglich in den Niederlanden entstandenen Serie wurden ebenfalls ins Deutsche übersetzt.
Alle drei Bände sind ab sofort zum Preis von jeweils 9,95 Euro über die Homepage des Kilian Andersen Verlags erhältlich. In den kommenden Wochen werden die Comics zudem im Lübecker Buchhandel verfügbar sein.
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