Museum Behnhaus Drägerhaus
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Im frisch sanierten Lübecker Museum Behnhaus Drägerhaus sind ab dem 6. Juni 2026 in der Ausstellung „Alfred Mahlau. Festzug 1926“ die Aquarelle zu sehen, die der Maler und Grafiker Alfred Mahlau für den Festzug zur 700-Jahrfeier der Reichsfreiheit Lübecks im Jahr 1926 geschaffen hat. In zahlreichen Szenen führte dieser Festzug, der sich vor exakt 100 Jahren durch die übervolle Innenstadt bewegte, Lübecks wechselvolle Vergangenheit vor Augen. Die Aquarelle sind als 16 Meter lange Rolle erhalten, die seit ihrer Schenkung durch den Künstler noch im Jahr der Feier wohl nicht mehr öffentlich präsentiert wurde. Die Ausstellung „Alfred Mahlau. Festzug 1926“ wurde durch die Gemeinnützige Sparkassenstiftung zu Lübeck gefördert und vom Team rund um Museumsdirektor Dr. Alexander Bastek gemeinsam mit dem Historiker Dr. Jan Zimmermann kuratiert. Sie wird im Rahmen des diesjährigen Lübecker HanseKulturFestivals eröffnet und ist Teil der Veranstaltungen, die 2026 an die Verleihung der Reichsfreiheit an die Hansestadt Lübeck vor nunmehr 800 Jahren erinnern. Die Schau ist bis zum 22. November zu sehen.
Vom 3. bis zum 6. Juni 1926 feierte Lübeck 700 Jahre Reichsfreiheit. Damit wurde an die Ausstellung und Übergabe des „Reichsfreiheitsbriefs“ im Jahr 1226 durch Kaiser Friedrich II. erinnert. Diese Urkunde gilt als wesentliche Voraussetzung für Lübecks weiteren Aufstieg zum Haupt der Hanse. Im Rahmen dieser Feierlichkeiten fand am Abschlusstag, dem 6. Juni 1926, ein historischer Festzug statt, bei dem anhand von zahlreichen Szenen Lübecks Geschichte eindrücklich ins Leben gerufen und Hoffnung für eine an diese bedeutsame Vergangenheit anknüpfende Zukunft geweckt werden sollte. Den Auftrag zur Gestaltung des historischen Festzugs erhielt der aufstrebende Grafiker und Künstler Alfred Mahlau (1894 – 1967), der in Lübeck bereits für die Gestaltung des Festplakats zur „Nordischen Woche“ 1921 bekannt war. Schon damals zeichnete sich seine Arbeit durch einfache, stilisierte Darstellungen und Gebäudeformen aus, wie sie von den noch heute genutzten Logos der Firma J.G. Niederegger und der Schwartauer Werke bekannt sind, die er entwarf. Zudem hatte er sich bereits als Bühnen- und Kostümbildner in Lübeck und Breslau einen Namen gemacht. Sein Ziel war von Anfang an nicht der Anspruch, in dem Festzug eine vermeintliche historische „Echtheit“ zu vermitteln, die ihm unzeitgemäß erschien. Viel wichtiger war ihm die zeitlose, stilisierte und künstlerisch ansprechende Darstellung der Figuren und Architekturen. Darüber hinaus war Mahlau vermutlich auch mit der praktischen Umsetzung des Festumzugs wie der Regie und der Musikauswahl betraut, was jedoch aufgrund fehlender Aufzeichnungen nicht mehr genau nachvollzogen werden kann.
Bei den Zeichnungen Mahlaus zum Festzug handelt es sich um farbige Aquarelle auf 36 Papierbögen. Beginnend mit der Überbringung des Lübecker Reichsfreiheitsbriefes 1226 über Lübecks Vergangenheit als „Haupt der Hanse“, das Zeitalter der Pest, Aufstieg und Fall des Bürgermeisters Wullenwever und die napoleonische Zeit bis hin den ersten Errungenschaften der Industrialisierung wie der Eisenbahn, dem ersten Dampfschiff und der Eröffnung des Elbe-Trave-Kanals stellen sie Lübecks Stadtgeschichte dar. Die Zeichnungen der Rolle zeigen die Fähigkeit Mahlaus, mit wenigen, schnell gesetzten Strichen und sparsamen Farbtupfern Figuren und Bewegungen ins Bild zu setzen. Notizen und Kommentare auf der Rolle geben Aufschluss über Ergänzungen und Streichungen im fortschreitenden Planungsprozess. So fügte Mahlau beispielsweise erst nachträglich auf ausdrücklichen Wunsch des Festausschusses die für das Lübecker Stadtbild charakteristischen Gebäudesilhouetten wie die des Holstentors, des Rathauses oder des Burgtors ein. Einige Motive, die der Künstler skizziert hatte, wurden für die Umsetzung des Festzugs gestrichen, darunter zum Beispiel der Erste Weltkrieg, dessen Darstellung die Feierlichkeiten vermutlich noch zu sehr belastet hätte. Andere Szenen des Festumzugs dagegen finden sich nicht in Mahlaus Zeichnungen, so zum Beispiel das Motiv einer Werft ganz am Ende des Festzugs. Bis kurz vor der Feier gab es noch Änderungen, weswegen sich nur anhand von Fotos und wenigen Filmaufnahmen die tatsächlich realisierten Auftritte rekonstruieren lassen.
Für das Museum Behnhaus Drägerhaus handelt sich bei der „wiederentdeckten“ Rolle mit den Aquarellen um einen echten Glücksfund. Alfred Mahlau selbst hatte die Rolle 1926 dem Museum geschenkt, doch nach ihrer Inventarisierung durch Museumsdirektor Carl Georg Heise blieb sie unbeachtet und wurde auch in einem vor einigen Jahren erschienenen Werkverzeichnis nicht erwähnt. Dabei fügt sie sich perfekt in die Sammlung des Hauses ein, da das vielfältige Gesamtwerk dieses bedeutenden Künstlers und Grafikers schon seit den 1920er Jahren – dem „Geburtsjahrzehnt“ des Behnhauses als Museum – eine wesentliche Rolle spielt.
Das Museum Behnhaus Drägerhaus verfügt über einen großen Bestand von Mahlaus Werken, der teils durch den Lübecker Museumsdirektor Carl Georg Heise in den 1920er Jahren erworben wurde, teils als Schenkung in die Sammlung gelangte. In einem mehrjährigen Projekt werden diese Arbeiten, darunter Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Plakate und Fotografien, mit Förderung der Firma J. G. Niederegger und der Schwartauer Werke nun erschlossen und für Forschungsprojekte und Ausstellungen nutzbar gemacht.
Katalog
Zur Ausstellung „Alfred Mahlau. Festzug 1926“ ist ein Begleitheft erschienen, das im Shop des Museums Behnhaus Drägerhaus ab sofort für 14,90 Euro käuflich zu erwerben ist.
Vernissage
Die Schau „Alfred Mahlau. Festzug 1926“ wird am Freitag, 5. Juni, um 18 Uhr eröffnet. Nach einer Begrüßung durch Lübecks Kultursenatorin Monika Frank und den Leitenden Direktor der LÜBECKER MUSEEN Dr. Tilmann von Stockhausen lädt das Kuratorenteam rund um Museumsdirektor Dr. Alexander Bastek und Dr. Jan Zimmermann zu einem Gang entlang des Festzugs und einem Blick auf Mahlaus künstlerische Auseinandersetzung mit Lübeck ein.
Die Teilnahme beträgt 5 Euro. Tickets sind ausschließlich vor Ort an der Museumskasse zu erwerben.
Begleitprogramm
Begleitend zur Ausstellung sind jeden zweiten Donnerstag einstündige „After Work“-Rundgänge jeweils um 16 Uhr geplant. Im Rahmen des HanseKulturFestivals gibt es am Samstag, 6. Juni, zudem zwei Kurzführungen sowie einen Workshop zum Selbstgestalten von festlichen Kopfbedeckungen. +++
Quelle: Die Lübecker Museen
