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Donnerstag, 29.06.2017
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Das moderne Lübeck – Weltkulturerbe und wirtschaftliche Entwicklung

Lübeck 1945 (Stadtarchiv Lübeck, Nachlass Hans Schönherr  1)

Lübeck 1945 (Stadtarchiv Lübeck, Nachlass Hans Schönherr 1)

Lübeck wurde am 2. Mai 1945 kampflos an die britischen Truppen übergeben. Schon bald begann man mit dem Wiederaufbau der Stadt. Glücklicherweise waren trotz der schweren Bombenschäden rund zwei Drittel der historischen Bausubstanz der Altstadt erhalten geblieben.

Doch in der Nachkriegszeit hatte Lübeck schwer zu kämpfen. Bald trafen die ersten Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten ein und die Bevölkerung nahm sprunghaft zu, zumal Lübeck von allen deutschen Großstädten am meisten Flüchtlinge aufnahm. 1948 ergab eine Volkszählung, dass von den knapp 250.000 Lübeckern 40 Prozent Heimatvertriebene waren. Doch Arbeitsplätze und Wohnraum waren knapp und in der Stadt machte sich der Mangel bemerkbar. Die Eingliederung der vielen Flüchtlinge und die Bereitstellung der notwendigen Infrastruktur an Wohnungen, zählen u. a. als eine große Leistung von Politik und Verwaltung der Stadt.

Zonengrenze an der Straße von Eichholz nach Herrnburg (Stadtarchiv Lübeck, Nachlass Hans Schönherr 1)

Zonengrenze an der Straße von Eichholz nach Herrnburg (Stadtarchiv Lübeck, Nachlass Hans Schönherr 1)

Mit der Reparatur des Turmhelms von St. Petri 1961, war die Silhouette Lübecks mit den Sieben Türmen wieder hergestellt,. Aber es sollte noch Jahre dauern bis alle Schäden behoben waren. So wurde die Paradiesvorhalle des Doms 1982 wiederhergestellt und erst 1987 wurde die Restaurierung des Innenraums von St. Petri abgeschlossen. Die Bemühungen um den Erhalt der mittelalterlichen Bausubstanz und des alten Stadtbildes fanden internationale Anerkennung. Die reichhaltige historische Bausubstanz und das einzigartige Altstadtensemble wurden von der UNESCO 1987 in den Rang eines "Weltkulturerbes" erhoben - zum ersten Mal in Nordeuropa erhielt ein ganzer Stadtbezirk diesen Status. Bisher einmalig ist dabei, dass auch der archäologische Untergrund der Altstadt Bestandteil des Titels wurde. Und das nicht ohne Grund: wenn man an der richtigen Stelle gräbt, kann man schon nach wenigen Zentimetern auf Spuren der Vergangenheit stoßen. Dies beweisen auch die größten archäologischen Grabungen in der Geschichte der Hansestadt: Auf einem rund 9.000 Quadratmeter großen Gelände in der westlichen Altstadt, im sogenannten Gründungsviertel zwischen Markt und Hafen, wollen Archäologen bis Ende 2013 nach den Spuren der lübschen Vergangenheit suchen, bevor auf den Flächen ein neues Stadtquartier mit rund 200 Wohnungen entsteht.

 Beginn der Aufbauarbeiten in St. Marien (Stadtarchiv Lübeck, Nachlass Hans Schönherr 1)

Beginn der Aufbauarbeiten in St. Marien (Stadtarchiv Lübeck, Nachlass Hans Schönherr 1)

Wiederaufbau der Salzspeicher (Stadtarchiv Lübeck, Nachlass Hans Schönherr 1)

Wiederaufbau der Salzspeicher (Stadtarchiv Lübeck, Nachlass Hans Schönherr 1)
 

Logo UNESCO Welterbe

Logo UNESCO Welterbe

Durch die Teilung Europas nach dem Zweiten Weltkrieg war Lübeck in eine Grenzlage geraten und hatte den größten Teil seines wirtschaftlichen Einzugsgebietes verloren. Doch begann sich Lübeck zu erholen: Dabei profitierte die Stadt seit der Auflösung des Warschauer Pakts in den 1990er Jahren vom Anstieg des Handels im Ostseebereich.
 

Skandinavienkai Travemünde (Lübecker Hafengesellschaft)

Skandinavienkai Travemünde (Lübecker Hafengesellschaft)

1953 setzte der Fährverkehr von Travemünde nach Schweden ein, 1977 der Liniendienst nach Finnland mit dem damals größten Passagierfährschiff der Welt, der FINNJET. Heute ist Lübeck der größte Ostseehafen Deutschlands und nach Antwerpen der zweitgrößte Umschlagshafen für Papier- und Zellulose in Europa. Die Häfen Lübecks und Hamburgs wachsen immer enger zusammen – eine fast nahtlose Fortsetzung einer jahrhundertealten Partnerschaft beider Hansestädte.
 

Lübeck entwickelt sich zum Wissenschaftsstandort (Presseamt Lübeck)

Lübeck entwickelt sich zum Wissenschaftsstandort (Presseamt Lübeck)

In den 1960er Jahren wurden sowohl die Fachhochschule Lübeck (1962 als Staatliche Ingenieurschule) als auch die Universität Lübeck (1964 als Medizinische Akademie) gegründet, die bis heute den Wissenschaftsstandort Lübeck entscheidend prägen. Heutzutage zählen die Hochschulen und Forschungseinrichtungen zur internationalen Spitzenklasse und Studierende und Wissenschaftler aus aller Welt kommen in die Hansestadt. Viele neue hochqualifizierte Arbeitsplätze gehen aus der Wissenschaft hervor. Wissenschaft findet aber nicht nur in den Hochschulen statt, sondern durchdringt alle Stadtteile. Lübeck ist eine lernende Stadt, die Jung und Alt einbindet. 2012 wurde Lübeck vom Stifterverband als Stadt der Wissenschaft ausgezeichnet.

Blick auf die Lübecker Altstadt (Presseamt Lübeck)

Blick auf die Lübecker Altstadt (Presseamt Lübeck)

Aber nicht nur wirtschaftlich und wissenschaftlich entfaltet Lübeck eine große Anziehungskraft – auch das kulturelle Angebot lockt. Die gotischen Kirchen und seine in weiten Teilen noch intakte spätmittelalterliche Stadtanlage, die Theater und Museen der Stadt sowie die international anerkannten Einrichtungen „Thomas und Heinrich Mann-Zentrum“ (besser bekannt als Buddenbrookhaus), das Günter-Grass-Haus (Literaturnobelpreisträger des Jahres 1999), das Willy-Brandt-Haus (Friedensnobelpreisträger 1971) sowie die Musikhochschule, die Intendanz des Schleswig-Holstein-Musik-Festivals, das Brahms-Institut und die Nordischen Filmfestspiele sowie zahlreiche weitere kulturelle Einrichtungen machen den Reiz der Stadt aus.

Eine Computer erstellte Ansicht des Europäischen Hansemuseums aus Südwest. August 2013. (© Andreas Heller Architects & Designers )

Eine Computer erstellte Ansicht des Europäischen Hansemuseums aus Südwest. August 2013. (© Andreas Heller Architects & Designers )

Das Europäische Hansemuseum (Eröffnung März 2015), das erste thematisch geprägte Museum zur Geschichte der Hanse, wird ein weiteres kulturelles Highlight sein. Da überrascht es nicht, dass pro Jahr mehr als eine Million Übernachtungen in der Stadt gezählt werden, was auch Lübecks „schönster Tochter“ Travemünde zu verdanken ist. Neben einem hochmodernen Hafen verfügt Travemünde über eine bedeutende Strandpromenade. Hier ist die legendäre Viermastbark Passat zu bewundern und jedes Jahr im Juli strömt die Welt zur zweitgrößten Segelsportveranstaltung der Welt: der Travemünder Woche, an der jährlich rund 3000 Segler in 800 Booten teilnehmen.

Blick auf die Passat und den Priwall (Presseamt Lübeck)

Blick auf die Passat und den Priwall (Presseamt Lübeck)

Trotz der derzeit schwierigen Haushaltshaltslage herrscht in Lübeck Aufbruchstimmung: So wurden in den vergangenen Jahren in Travemünde allein 84 Millionen Euro am Skandinavienkai investiert und das Hafengelände erweitert. Auch im Ostseebad selbst ist der Aufschwung sicht- und spürbar: So wurde die Strandpromenade modernisiert und die Vorderreihe sowie Kurgartenstraße zu Flaniermeilen umgestaltet. Mit den beiden 5-Sterne-Häusern, dem Columbia Hotel Travemünde und dem Hotel Arosa Travemünde im restaurierten historischen Kurhaus, in dem einst Thomas Mann als Kind seine Ferien verbrachte, bietet Lübecks schönste Tochter ein hochwertiges Übernachtungsangebot, während die neue Ferienanlage auf dem Priwall besonders für Familien interessant ist. Bereits in Planung ist die Modernisierung der touristischen Infrastruktur des Passathafens, mit neuen Übernachtungsmöglichkeiten, Promenade und Marina.

Lübeck heute: Blick auf die Altstadt und den Markt (Presseamt Lübeck)
Lübeck heute: Blick auf die Altstadt und den Markt (Presseamt Lübeck)

Lübeck heute: Blick auf die Altstadt und den Markt (Presseamt Lübeck)

Doch auch im Lübecker Zentrum wandelt sich das Stadtbild: So wurden der Lübecker Hauptbahnhof renoviert, das Kanzleigebäude sanft modernisiert, die Einkaufspassage in der Königstraße, die Linden-Arkaden und das Haerder-Center eröffnet, sowie das wegen seiner Architektur umstrittene Textilhaus Peek & Cloppenburg am Markt eingeweiht. Unter dem Motto „Mitten in Lübeck“ wurde über mehrere Jahre die Fußgängerzone in der Lübecker Altstadt für rund 12 Millionen neu gestaltet. Bereits in Planung ist ein Hotelneubau direkt am Markt sowie das neue Stadtquartier „Gründungsviertel“ unterhalb der Marienkirche.