Veröffentlicht am 11.03.2024

Neugestaltung der Beckergrube soll im Sommer 2024 starten

Ab voraussichtlich Juli 2024 soll die Baumaßnahme in der Beckergrube starten

Entwurf Neugestaltung Beckergrube

Im Sommer geht es ans Werk: Die Hansestadt Lübeck plant die Neugestaltung der Beckergrube. Der im Rahmen eines Wettbewerbs ausgezeichnete Entwurf des Landschaftsarchitekturbüros 1:1 landskab aus Valby (Dänemark) stellt sich der Aufgabe, den Stadtraum inmitten der historischen Altstadt resilienter gegen die Folgen des Klimawandels zu machen. Der Entwurf stellt zudem den besonderen Charakter der Beckergrube zwischen historischen Elementen und modernem Stadtleben heraus.

Die Baumaßnahme zur Umsetzung der geplanten Neugestaltung soll voraussichtlich ab Sommer 2024 mit dem ersten Bauabschnitt starten, der von der Kreuzung Breite Straße/ Pfaffenstraße bis zur Kreuzung Fünfhausen/ Kupferschmiedestraße führt. Da eine Vollsperrung der Beckergrube für die Bauarbeiten erforderlich wird, hat dies nicht nur für die Anlieger:innen Auswirkungen, sondern auch auf den Bus- und Radverkehr, die Schulwege sowie den Abfluss des Anlieferungsverkehrs aus den angrenzenden Straßen.

Im ersten Bauabschnitt sind in Multifunktionsstreifen Ladezonen für das Anliefern, Taxen- und Behindertenparkplätze sowie Fahrradabstellanlagen für rund 90 Fahrräder vorgesehen. Unter dem neuen Blätterdach sollen konsumfreie Sitzmöglichkeiten entstehen, sowie Flächen für Gastronomen und Einzelhändler ausgewiesen werden. Es wird eine kleine Freizeitfläche mit Tanzboden und Tribünenelement aus Holz errichtet, die für kleine Veranstaltungen genutzt werden kann. Die Wünsche der Bürger:innen, wie Tanzboden, Urban Gardening-Hochbeete und konsumfreie Sitzgelegenheiten sowie bestehende, bewährte Elemente (z.B. Food Sharing-Schrank) finden sich im Entwurf wieder.

Der Baubeginn hierfür soll möglichst noch im Juli 2024 sein, um in einem ersten Teilabschnitt bis zur Weihnachts-/Winterpause die neue Fahrbahn herstellen zu können. In 2025 sollen nacheinander die nördlichen und dann die südlichen Nebenanlagen und Freiflächen realisiert werden. Als letzte Teilbaumaßnahme finden Kanalbauarbeiten (Trennsystem) durch die EBL in der Kupferschmiedestraße und im sich anschließenden Kreuzungsbereich Beckergrube statt. Ein Abschluss der Arbeiten im oberen Teil der Beckergrube ist für das zweite Quartal 2026 geplant.

 „Unsere Aufgabe ist es, die Baumaßnahme bis Ende 2025 soweit umgesetzt zu bekommen, dass wir die zugesagten Fördermittel innerhalb des vom Fördermittelgeber vorgegebenen, engen Zeitrahmens abrufen können. Dies bedeutet konkret, dass wir im Juli 2024 starten müssen, um den ersten Teilbauabschnitt bis zur Winterpause und zum Aufbau des Weihnachtsmarkts abschließen zu können“, erklärt Bausenatorin Joanna Hagen.

Grundvoraussetzung für die schnelle bauliche Umsetzung ist eine Vollsperrung der oberen Beckergrube von Baubeginn an bis November 2025. Mit einer Teilsperrung würde sich die Bauzeit fast verdoppeln. Dadurch würden gut ein Drittel der zugesagten Fördermittel nicht mehr abgerufen werden können (über eine Million Euro) und die Baukosten aufgrund der Verlängerung weiter steigen.

Da die Hubbrücke über den gesamten Bauzeitraum weiterhin gesperrt sein wird, kommt für den Kfz-Verkehr nur eine großräumige Umfahrung infrage, entsprechend der ausgeschilderten Umleitung Hubbrücke – über Falkenstraße, Hüxterdamm und Kanalstraße.

Als Umleitung für den Busverkehr (Fahrtrichtung Gustav-Radbruch-Platz in Richtung Innenstadt) für die Bauzeit sollte in der ursprünglichen Planung die Strecke Gustav-Radbruch-Platz – Hubbrücke – Untertrave gewählt werden, die jedoch mangels technischer Verfügbarkeit der Hubbrücke nicht zum Zuge kommen kann. Vor diesem Hintergrund wurden weitere Varianten auf ihre Machbarkeit untersucht.

Die aktuelle Planung sieht vor, den Busverkehr vom Gustav-Radbruch-Platz in Richtung Innenstadt über Falkenstraße – Krähenstraße – Wahmstraße zu führen. Für diese Umleitungsstrecke müsste der neue Fahrplan ab Dezember 2024 voraussichtlich aufgrund verlängerter Fahrzeiten angepasst werden. Um die dadurch entstehenden Abweichungen möglichst gering zu halten, werden entlang der Umleitungsstrecke Maßnahmen zur Busbeschleunigung vorgenommen. Der geplante Lagerwechsel der Rehderbrücke wird bis Ende Juni 2024 abgeschlossen sein und damit eine ungehinderte Überfahrt für die Busse möglich gemacht.

Um die ÖPNV-Erschließung der nördlichen Altstadtinsel während der Bauzeit zu verbessern, wird die Führung einer Buslinie aus dem Bereich Marli mit Stichfahrt vom Gustav-Radbruch-Platz über den Koberg zurück zum Gustav-Radbruch-Platz und die Falkenstraße zum Kohlmarkt geprüft.

Die Variante, den Busverkehr über die obere Fischergrube und Kupferschmiedestraße zu leiten, wird aufgrund der Gefahr von Schäden an Straße und Kanalnetz nicht weiterverfolgt. Die Risiken und Unwägbarkeiten dieser Umleitungsstrecke sind zu hoch.

Eine Führung des Radverkehrs durch den Baubereich ist auf Grund des Baufeldes, der Baustelleneinrichtungsflächen und des Baustellenverkehrs nicht möglich. Eine Umleitungsführung des Radverkehrs von der unteren Beckergrube/Fünfhausen in Richtung Breite Straße wird über die Kupferschmiedestraße und die obere Fischergrube erfolgen. Auch für die Gegenrichtung wird diese Umleitung empfohlen.

Das Radfahren durch die Fußgängerzonen Breite Straße und Pfaffenstraße ist von 19 bis 10.30 Uhr erlaubt. Alternativ kann stadtauswärts auch die Königstraße befahren werden.

Ab 18. März werden sich der Bauausschuss und der Hauptausschuss wesentlich mit dem Projekt und den aktuellen Planungen zur Baumaßnahme und zur Verkehrsführung während der Bauzeit befassen.

Im Zuge der Baumaßnahme sollen mit den Beiratsmitgliedern, weiteren Gewerbetreibenden und dem Lübeck Management Instrumente entwickelt werden, um „Umsatzeinbrüchen“ durch temporäre Einschränkungen der Erreichbarkeit nach Möglichkeit entgegen zu wirken. Die angrenzenden Schulen werden eine Information zur Weiterleitung an die Eltern für das neue Schuljahr 2024/25 erhalten. Der Beirat Beckergrube wird ausführlich informiert, damit auch die einzelnen Mitglieder vor Ort mit Interessierten in den Austausch gehen können.

Die Hansestadt Lübeck wird zudem gemeinsam mit dem Lübeck Management am 19. März 2024 um 18 Uhr in einer Online-Veranstaltung über die geplanten Maßnahmen informieren.

Neugestaltung Beckergrube

Im ersten Bauabschnitt der Beckergrube werden 37 neue Bäume gepflanzt, die für Schattenbildung und erhöhte Luftfeuchtigkeit sorgen. Für die Bewässerung der neuen Bäume soll das anfallende Regenwasser aus den Nebenflächen zu den Bäumen geführt werden. Mit einem hierfür neu entwickelten, unterirdischen Regenwassersystem geht Lübeck neue Wege. Dies erfolgt unter Bewahrung und Schutz der vorhandenen historischen Grundmauern und der Leitungen im Untergrund sowie unter Berücksichtigung der Vorgaben der Feuerwehr, alle Fenster im Brandfall anleitern zu können. Die Innenstadt bekommt damit einen Stadtraum mit einer neuen und bisher nicht vorhandenen kleinklimatischen Qualität.

Mit einer attraktiven Gestaltung und verschiedenen Aufenthaltsangeboten sowie durch die Stärkung des Rad- und Fußverkehrs wird die Beckergrube zu einem lebendigen Stadtraum. Die moderne Gestaltung fügt sich in das Welterbe Lübecker Altstadt ein, da sehr viel Wert aufs Detail gelegt wird: Die Materialwahl besticht durch unterschiedliche Formate eines braun-gräulichen Klinkers, darin ein gusseiserner Blindenleitstreifen und abschließend eine Kastenrinne mit Stahlkante, die Bäume stehen in gusseisernen Baumrosten oder werden von Rundbänken aus lindgrünem Stahl umfasst. 

Eine Testfläche in der unteren Beckergrube von etwa 40 Quadratmetern veranschaulicht bereits heute die Planung der Neugestaltung der Beckergrube und lädt ein, den zukünftigen Charakter zu erleben.

Hintergrund

Die Hansestadt Lübeck hat 2018 den Rahmenplan Innenstadt mit Mobilitätskonzept entwickelt, um die Anforderungen einer modernen Stadt gemeinschaftlich in den Fokus zu nehmen und Weichen für eine zukunftsfähige Entwicklung zu stellen. Mit Beschluss des Rahmenplans ist die Beckergrube als eines von fünf Schlüsselprojekten für die Mobilitätswende und den Strukturwandel auf der Altstadtinsel bestimmt worden.

Im Jahr 2022 wurde ein freiraumplanerischer Wettbewerb durchgeführt. Das Landschaftsarchitekturbüro 1:1 landskab, Valby aus Dänemark wurde mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Der Entwurf stellt sich der Aufgabe, den Stadtraum inmitten der historischen Altstadt resilienter zu machen. Ein durchgehender Belagsteppich bildet ein ruhiges Straßenbild und richtet den Fokus ganz auf das bunte öffentliche Leben. Eine besondere Baumauswahl erfüllt die vielfältigen Anforderungen, welche der öffentliche Raum stellt. Viele Ideen aus dem Beteiligungsprozess, der jungen Initiativen sowie aus dem Beirat wurden in das Konzept integriert.

Weitere Information finden Sie unter www.luebeck.de/beckergrube.

+++