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Pressemitteilungen des Lübecker Frauenbüros

100 Jahre Internationaler Frauentag – noch immer aktuell

Der Internationale Frauentag wird in diesem Jahr zum 100. Mal gefeiert.
Hierzu Elke Sasse, Gleichstellungsbeauftragte der Hansestadt Lübeck: „Dieses Jubiläum ist für uns Anlass, gemeinsam mit vielen Lübeckerinnen auf verschiedenen Veranstaltungen am und um den 8. März 2011 herum die Erfolge der Frauenbewegung zu feiern und uns an diese zu erinnern.“

„Dass Frauen vor 100 Jahren nicht wählen und nicht studieren durften, scheint vielen jungen Frauen heute genauso unvorstellbar wie die Tatsache, dass Ehemänner noch bis in die 60er Jahre hinein ihren Frauen eine Berufstätigkeit verbieten konnten“, so die Gleichstellungsbeauftragte. Viele Veränderungen zugunsten von Frauen seien noch gar nicht so lange her, erinnert Sasse. Die rechtliche Gleichstellung von Frauen sei zwar 1949 von den Müttern des Grundgesetzes erstritten und festgeschrieben worden, aber die praktische Umsetzung dauere bis heute an.
„Nach 1949 waren noch viele Reformen nötig, wie z.B. das Scheidungsrecht in den 70er Jahren oder der Kompromiss beim Schwangerschaftsabbruch. Und erst seit 1986 arbeiten Frauen in der schleswig-holsteinischen Schutzpolizei, Vergewaltigung in der Ehe wurde sogar erst 1997 strafbar“, ergänzt Petra Schmittner, Mitarbeiterin im Frauenbüro.

„Die zentralen Forderungen von vor 100 Jahren sind in veränderter Form auch heute noch aktuell“, meint Elke Sasse. „Das Frauenwahlrecht gibt es zwar inzwischen schon lange, aber Frauen wirken immer noch wesentlich seltener aktiv an der Gestaltung von Politik mit. Bundesweit stellen sie &nash; trotz der öffentlichen Präsenz einer Bundeskanzlerin und verschiedener Ministerinnen &nash; nur rund ein Drittel aller PolitikerInnen und auch in Lübeck ging die Zahl der Frauen in der Bürgerschaft in den letzten Jahren wieder zurück.“

„Ähnlich ist es beim Thema ‚gleicher Lohn für gleiche Arbeit’, das auch vor 100 Jahren schon auf der Agenda der Frauenbewegung stand“, ergänzt Petra Schmittner. „Bei der Bezahlung ist die rechtlich-formale Gleichstellung weitgehend erreicht, dennoch verdienen Frauen in Deutschland aus vielerlei Gründen im Schnitt auch heute noch 23 Prozent weniger als Männer. Das liegt auch daran, dass sie wesentlich häufiger in Teilzeit arbeiten oder Minijobs verrichten als Männer, aber seltener in Führungspositionen zu finden sind. Hier ist noch viel zu tun.“

„Die Frauenbewegung hat aber auch viele Erfolge vorzuweisen. In Lübeck machen heute – wie bundesweit – mehr Mädchen als Jungen Abitur, Frauen haben Zugang zu Bildung und Erwerbsarbeit, die Kinderbetreuungsmöglichkeiten sind ausgebaut worden, es gibt insgesamt durchaus mehr Frauen in Politik und Führungspositionen“, so Sasse.

Dennoch bleibe weiterhin viel zu tun. „Junge Frauen und Männer wählen immer noch aus einem eingeschränkten Berufsspektrum, es gibt – auch in Lübeck – immer noch zu wenige Frauen in der Politik, in Aufsichtsräten und Führungspositionen sowie in handwerklichen, gewerblich-technischen, aber auch in IT- und Ingenieursberufen“, ergänzt Petra Schmittner.

„Von Frauen verrichtete Erwerbsarbeit wird häufig so schlecht bezahlt, dass sie auf ergänzende Leistungen des Staates angewiesen sind. Das wiederum führt vermehrt zu Altersarmut von Frauen. An diesem Thema werden wir weiter arbeiten müssen - genauso wie an der immer noch vorhandenen Gewalt gegen Frauen: jede zweite bis dritte Frau in Deutschland hat in ihrem Leben körperliche Übergriffe und ca. jede siebte Frau sexuelle Gewalt erlitten.“

Wichtig sei auch die Arbeit an der Veränderung von Geschlechtsrollenklischees. „Wir wollen auch mehr Männer als Erzieher oder Grundschullehrer und mehr Männer, die länger als nur zwei Monate Elternzeit nehmen“, macht Sasse deutlich. „Und warum sollen nicht auch noch mehr junge Frauen KFZ-Mechatronikerin oder Ingenieurin werden?“

Die Internationale Arbeitsorganisation hatte vor einigen Jahren hochrechnet, dass es – vorausgesetzt das bisherige Tempo bliebe konstant – noch über 960 Jahre dauern würde, bis Frauen in gleichem Maße wie Männer in den Chefetagen der Wirtschaft ankämen.
„Wir setzen uns dafür ein, dass es nicht noch 960 Jahre dauern wird, bis Frauen zu gleichen Anteilen in Führungspositionen der Wirtschaft sitzen“, so Sasse weiter, „weder die Wirtschaft noch andere Bereiche der Gesellschaft können es sich auf Dauer leisten, auf die gut ausgebildeten Frauen zu verzichten.“

Ausgerechnet im Jahr des 100. Internationalen Frauentages werde aber auch deutlich, dass einmal Errungenes leider immer wieder neu erkämpft werden müsse, kritisiert die Lübecker Gleichstellungsbeauftragte. Die schleswig-holsteinische Landesregierung habe z.B. beschlossen, die Gelder für das Lübecker Frauenhaus der AWO sowie der Beratungsstellen „Frau und Beruf“ landesweit, also auch einer Beratungsstelle in Lübeck, zu streichen und auch bei anderen Frauenfachberatungseinrichtungen Gelder gekürzt. „Wohin die Frauen und Kinder dann sollen, hat uns die Landesregierung nicht verraten“, kritisiert Sasse.

Eine ganze Reihe der zentralen Forderungen von Frauen seien erfüllt, so das Resümee des Lübecker Frauenbüros. Dennoch werde mehr als deutlich, dass es noch vieler Schritte bedürfe zur umgesetzten Gleichberechtigung von Frau und Mann. „Deshalb ist der Internationale Frauentag auch nach 100 Jahren immer noch aktuell!“

Idee und Durchführung des Frauentags: Bärbel Augsten (Grafik), Anja Doehring (Fotos), Gunda Diercks-Elsner, Maren Fehling, Linde Fröhlich, Gundel Granow, Charlotte Kerner, Antje Peters-Hirt, Hannah Rau, Elke Sasse, mit Unterstützung durch Sigrid Dettlof (Theater Combinale), Knut Winkmann (Theater Lübeck) und Buchhandlung Arno Adler

VeranstalterInnen: DAB e.V., Ortsgruppe Lübeck / Deutscher Verband Frau und Kultur e.V., Gruppe Lübeck / DIE GEMEINNÜTZIGE / Frauenbüro der Hansestadt Lübeck / GEDOK Schleswig-Holstein / Kommunales Kino KoKi Lübeck

Zum historischen Hintergrund des Internationalen Frauentages:

Vor über 100 Jahren wurden in Europa und den USA Forderungen der Frauen nach besseren Arbeitsbedingungen und mehr politischer Teilhabe immer lauter. Daraus entwickelte sich der Internationale Frauentag, der 1911 erstmalig im Deutschen Reich, Österreich, Dänemark und der Schweiz begangen wurde.
Zentrale Forderungen waren das Frauenwahlrecht und die soziale und politische Gleichbehandlung von Frauen, z.B. „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“.
Für die Umsetzung dieser Forderungen demonstrierten 1911 im Deutschen Reich eine Million Frauen – die erste große öffentliche Massenbewegung.
Nach der Novemberrevolution 1918 wurde mit Ausrufung der Weimarer Republik auch das Frauenwahlrecht eingeführt. An der ersten Wahl im Jahr 1919 beteiligten sich 82% aller wahlberechtigten Frauen, im 1. Deutschen Reichstag agierten 37 weibliche Abgeordnete (8%). Schon bei der 2. Reichstagswahl im Jahr 1924, nachdem die Männer wieder aus dem Krieg an ihre „angestammten“ Positionen zurückgekehrt waren, lag die Zahl der weiblichen Abgeordneten nur noch bei 5,3%.
Einige der damals zentralen Forderungen sind 100 Jahre später immer noch nicht erreicht, andere bekamen erst allmählich eine gesetzliche Verankerung.
So brachte allein das Wahlrecht den Frauen noch keine wirkliche Gleichberechtigung, denn es fehlte die gesetzliche Grundlage.
Erst 1949 wurde in Artikel 3 des deutschen Grundgesetzes endlich festgestellt, dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind. Doch die konkrete Umsetzung dauerte.
Im Jahr 1958 wurde beispielsweise das „Alleinentscheidungsrecht des Ehemannes“ gestrichen, das heißt, bis dahin durfte er das Arbeitsverhältnis seiner Frau kündigen. Ein Jahr später konnten Frauen auch über ihr eigenes in die Ehe eingebrachtes Vermögen verfügen.
Zahlreiche Neuerungen gab es dann in den 70er Jahren, beispielsweise die Reformierung des Scheidungsrechts mit der Abschaffung des „Schuldprinzips“. Auch die Reformierung bzw. Abschaffung des § 218 (Schwangerschaftsabbruch) war von Anfang an eine zentrale Forderung der Frauenbewegung. Im Jahre 1992 wurde schließlich die Fristenlösung im Deutschen Bundestag als kleinster gemeinsamer Nenner verabschiedet.
1980 wurde die Gleichbehandlung am Arbeitsplatz im BGB festgeschrieben, ebenso das Recht auf gleiches Entgelt.
1993 wurde der Artikel 3 Absatz 2 des Grundgesetzes „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ um den Satz „Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Männern und Frauen und wirkt auf die Beseitigung von Nachteilen hin.“ ergänzt.

Veranstaltungen zum 100. Internationalen Frauentag in Lübeck

04. bis 11. März 2011, 10 – 18 Uhr
Ausstellung: „Mit den Augen einer Frau – Mein Lübeck“ - Projekt des Autonomen Frauenhauses Lübeck

Ort: Rathaus der Hansestadt Lübeck, Börsensaal, Breite Str. 62, Lübeck
Eröffnung der Ausstellung: Freitag 4. März, 15 Uhr, Rathaus

04.03.2011, 16 Uhr
Gottesdienst zum Weltgebetstag

Ort: St. Stephanus Gemeinde, Dornierstraße 52, Lübeck

07.03.2011, 20.30 Uhr
Film im Koki: Alles für meinen Vater (Sof Shavua B’Tel Aviv / For My Father)

Ort: Kommunales Kino Koki, Mengstr. 35
Eintritt: 5 / erm. 4 Euro

08.03.2011, 10 – 13 Uhr
TAG DER OFFENEN TÜR bei FRAU & BERUF

“100 Tipps von Frau & Beruf“
Ort: Frau & Beruf Lübeck, Fleischhauerstraße 37, Tel. 7079793

08.03.2011, 14 – 19.30 Uhr
Aktionstag für Mädchen und junge Frauen zum 100. Frauentag

Zeiten und Orte:
14 Uhr: „Tafelrunde“ für Mädchen und junge Frauen, Röhre, Gerade Querstr. 2
15 Uhr: Mädchenfilm „32 A – It’s a girls thing“, Koki, Mengstr. 35
17-18 Uhr: „Mädchen haben das Wort“, Offener Kanal, Kanalstr. 70
Ansprechpartnerin: Bärbel Pfanne, Kinder- und Jugendkulturhaus Röhre, Tel: 122-5741

8.03.2011, 17 Uhr
Brückenaktion in Verbundenheit mit Frauen in anderen Ländern

Ort: Auf der neuen Brücke am Holstentor vom Parkhaus zur Musikhochschule
Veranstalterinnen: Women for women International, Bahá´i-Gemeinde, Haus der Kulturen, TARA e.V.,Amnesty International, Terre des hommes
Ansprechpartnerin: Heidi Mühlschlegel, he.muehlschlegel@web.de , Tel. 6112976

08.03.2011, 18 Uhr
Barlach in Lübeck: Barlachs Frauenbilder. Führung zum Weltfrauentag

Mit der Kuratorin Dr. Andrea Fromm
Ort: Museum Behnhaus Drägerhaus, Königstraße 9-11
Eintritt: 2,-€ zzgl. Eintritt

08.03.2011, 18 Uhr
Empfang mit Sekt und Kleinigkeiten zu Essen, Kultur, Film zur Situation der Frauen weltweit

Ort: Galerie Bernd Bornemann, Aegidienstr. 35, Lübeck
Veranstalterin und weitere Infos: Frauenverband Courage, Tel: 6128365

8.3.2011, 17 / 18 Uhr Uhr: Empfang und Film „Rosa Luxemburg“
Eine Veranstaltung der Gewerkschaft ver.di Bezirk Lübeck / Ostholstein

17 Uhr Empfang
18 Uhr Filmbeginn
Ort: Kommunales Kino Koki, Mengstr. 35
Veranstalterin: Veranstalterin: ver.di Bezirk Lübeck / Ostholstein

Benefiz-Ausstellung in der Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe Lübeck: Lia Hadley – Collagen
Ausstellung vom 8. März bis 7. Juni 2011
Vernissage 8. März 2010 um 18.00 Uhr

im Treppenfoyer der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Universitätsklinik Lübeck, Gebäude 12, Ratzeburger Allee 160 (mit freundlicher Unterstützung von Prof. Dr. med. Klaus Diedrich)
Mit dem Verkauf der Collagen wird der Aufbau von Frauen-Kleinbetrieben in Kenia unterstützt. Weitere Infos bei Lia Hadlyey unter: cbsmkenya@gmail.com

8. März 2011, 19.30 Uhr
Große Feier zum 100. Frauentag in Lübeck: WIR SIND 100

Ehrengast: Edit Schlaffer, Autorin, Vorsitzende von „Frauen ohne Grenzen“ und Initiatorin der ersten weiblichen Anti-Terror-Plattform „Sisters against violent extremism“
Ein Abend mit Kurzvorträgen, Gesprächen, Theater, Musik und mehr … rund um die Frauenbewegung und den Internationalen Frauentag
Ort: Kolosseum, Kronsforder Allee 25
Eintritt: 10,-€ (ermäßigt 8,-€), REST(!)Karten in der Buchhandlung Adler, Hüxstraße 55

12. März 2011, 17 – 21.30 Uhr
Internationales Frauenfest im Rathaus

Das Fest wurde von jungen Mädchen und Frauen gemeinsam mit älteren Frauen sowie von Lübeckerinnen, die Wurzeln in vielen verschiedenen Ländern haben, konzipiert und ist offen für alle Frauen von 0-100 Jahren.
Ort: Rathaus, Große Börse, Breite Str. 62, Lübeck
Hinweis: Die ursprünglich geplante Veranstaltung (Steinrader Weg) wurde mit dieser zusammengelegt
Eintritt: frei
Ansprechpartnerinnen: Frauen helfen Frauen, E-Mail: info@autonomes-frauenhaus.de, Tel.: 66033, Petra Schmittner, Frauenbüro Lübeck, E-Mail: frauenbuero@luebeck.de, Tel.: 122-1615.

23.03.2011, 19 Uhr
„Mc Sex – über die Pornofizierung unserer Gesellschaft“
Vortrag und Diskussion mit Myrthe Hilkens, Musikjournalistin aus Amsterdam und Autorin des Buches

Ort: „Das Lübecker Dielenhaus“, Fleischhauerstraße 79
Eintritt: 5,-€, ermäßigt 2,50 €
Anmeldung: Eine Anmeldung ist wünschenswert, aber nicht erforderlich. Tel. 7060202
Veranstalterin: b i f f Lübeck e.V., Mühlenbrücke 17, Fax: 7060203

29.03.2011, 18 Uhr
Frauen in Lübeck – Zahlen, Daten, Fakten, Vorstellung des Frauenstatistikberichts 2010

Ort: Verwaltungszentrum Mühlentor, Haus Trave, Gr. Sitzungssaal (7. OG), Kronsforder Allee 2-6
Eintritt: 5,-€, ermäßigt 2,50 €
Anmeldung: Bitte per E-Mail an frauenbuero@luebeck.de oder Tel. 122-1615.
Veranstalterin: Frauenbüro Lübeck

Frauenbüro der Hansestadt Lübeck
Verwaltungszentrum Mühlentor
Kronsforder Allee 2-6
23560 Lübeck
Tel: 0451/ 122-1615
eMail: frauenbuero@luebeck.de
www.frauenbuero.luebeck.de