Metanavigation / Stadtporträt deu
Sonntag, 22.09.2019 24°C

Schnellnavigation / Service

Schnellsuche

 

Weitere Informationen

Service

Digitales Pressedienstarchiv

Neue Attraktionen des Naturmuseums: Fossile Walskelette

050508RK 2005-06-30

Der Pampauer Wal „Gerd“ und der Urwal Dorudon sind angekommen: Die im Frühjahr 2005 angekündigten spektakulären Walskelette sind nun ins Lübecker Museum für Natur und Umwelt eingezogen. Während einer Pressevorbesichtigung sind sie heute vormittag den Medien erstmals gezeigt worden.

Für die breite Öffentlichkeit lädt das Museum zu einer zur Präsentation der beiden fossilen Wale sowie zur Eröffnung der Sonderschau „Bilder im Dunkeln – Höhlenkunst der Eiszeit“ am kommenden Mittwoch, 6. Juli 2005, um 17 Uhr ein. Bürgermeister Bernd Saxe und Museumsleiter Dr. Wolfram Eckloff sprechen anläßlich dieser „Doppel-Eröffnung“; Tenor-Saxofonist Reso Kiknadze begleitet die Veranstaltung mit improvisierten Klängen.

Das Ensemble der Funde im Museum für Natur und Umwelt ist einzigartig. Sie stammen aus einer Kiesgrube in Groß Pampau, ganz in der Nähe von Lübeck. 1984 wurden die ersten Walknochen in Groß Pampau geborgen – zugleich war das der Beginn einer Reihe weiterer Entdeckungen fossiler Wale.

Die Bergung der Exponate ist durch die Unterstützung des Landes Schleswig-Holstein, verschiedener Stiftungen und die Hilfe des Grubenbetreibers Wolfgang Ohle ermöglicht worden. Bis heute wurden in den Pampauer Tonschichten aus dem Miozän (die Zeit vor über zehn Millionen Jahren) Skelette und Reste von Bartenwalen, Zahnwalen und Haien ergraben. Seeschildkröten, Rochen, Robben, Knochenfische, Seeigel, Krebse sowie eine Fülle verschiedener Meeresschnecken und Muscheln vervollkommnen das Unterwasser-Bild im Miozänmeer Schleswig-Holsteins - der relativ warmen und artenreichen Ur-Nordsee. Insgesamt sind rund 140 verschiedene Meerestiere geborgen und beschrieben worden. Weitere Wale und andere Meerestiere werden hingegen wohl noch Jahrzehnte im Ton verborgen bleiben. Denn eine einzige Grabung kostet bis zu 200 000 Euro.

Der Neuzugang aus dem Miozän mit dem Arbeitstitel „Gerd“ ist ein Bartenwal. Sein fossiles Skelett wurde durch ein Grabungsteam der Lübecker-Geschiebesammler geborgen und von Gerhard Höpfner präpariert und der Hansestadt Lübeck geschenkt. (Die LN berichteten unter der Überschrift „Kolossales Geschenk für die Stadt, Wal-Mekka in Lübeck: Pampauer Millionenfund zieht bald ins Natur-Museum“ am 16. April 2005) Am Mittwoch stellt Gerhard Höpfner den Meeresriesen selbst vor.

Höpfner erklärte bei der heutigen Pressevorbesichtigung: „Der Pampauer Wal ist das Beste in der Welt. Es gibt nichts Vergleichbares.“ Dieses Superlativ sei ihm als auch dem Lübecker Museum mittlerweile durch die führenden Universitäten bestätigt worden: Während die letzte Eiszeit durch ihre gewaltigen Erd- und Eismassen die Fossilien zumeist geradezu „zerschreddert“ hätten, liefere die Pampauer Kiesgrube das beste Material aus der Zeit des Miozän. „Weltweit – und das ist keine Übertreibung“, betonte Höpfner. Er freue sich schon riesig auf die offizielle Eröffnung der Ausstellung am Mittwoch, wenn „ich Bürgermeister Saxe und Gabriele Hiller-Ohm hier zum Walkampf (ohne „h“) begrüßen und ihnen die sensationellen Ausstellungsstücke erklären kann.“

Die Knochen des Wals „Gerd“ sind im Museum auf einer senkrechten Wand montiert – umgeben von einer Glimmertonschicht. Die Perspektive ist spannend: die Betrachter schauen auf die Unterseite des Tieres. Am Schädel sieht man erstaunlich gut erhaltene Details, wie die Blutgefäßbahnen im Oberkiefer sowie die Knochenmarkröhre im Unterkiefer. Die wissenschaftliche Bearbeitung der Funde wird zur Zeit von Dr. Oliver Hampe vom Museum für Naturkunde der Humboldt-Universität Berlin durchgeführt. Auch wenn die Bestimmung von Art und Gattung noch nicht erfolgt ist, so ist doch schon klar, daß der Pampauer Bartenwal „Gerd“ ein „moderner Typ“ ist im Vergleich zu dem urzeitlich wirkenden Dorudon atrox („Schrecklicher Speerzahn“).

Dieser Urwal lebte vor etwa 38 Millionen Jahren und wurde in Fayum, Ägypten, ausgegraben. Er zeigt noch das urtümliche Gebiß und die Hinterbeine der landlebenden Walvorfahren. Ein Abguß ist nun dem Museum für Natur und Umwelt vom Museum für Naturkunde der Humboldt-Universität Berlin als Dauerleihgabe (das Original befindet sich im Paläontologischen Museum von Michigan in Detroit) übergeben worden. Aber auch der etwa fünf Meter lange Urwal Dorudon war in seiner Zeit bereits ein „Erfolgsmodell“: Der Dorudon lebte bereits vollständig im Wasser. Ellenbogen und Handgelenke waren versteift – vermutlich verfügte er schon über die typischen Wal-Seitenflossen zum Steuern und Balancehalten, Flipper genannt. Kraftvolle Schwanzbewegungen mit Beteiligung des hinteren Rumpfbereichs gaben dem Tier Schub. Es ist wahrscheinlich, daß der Dorudon bereits eine Schwanzflosse (Fluke) hatte und ein schneller Schwimmer in den Meeren des Eozäns war. Er hatte nur kleine Hinterbeinchen mit entsprechen verkleinertem Becken.

Heute gibt es mehr als neunzig Arten von Walen - eingeschlossen die Delphinarten, die auch zu den Walen zählen. Doch wer sind die Vorfahren heutiger Wale, Delfine und Schweinswale? Die Ausstellung im Museum für Natur und Umwelt zeigt mit den beiden Neuzugängen Etappen der Walevolution. Es zeigt den langen Evolutions-Weg zurück ins Meer.

In die Urzeit des Menschen, unserer altsteinzeitlichen Ahnen, führt Dr. Bärbel Auffermannn vom Neanderthal-Museum in Mettmann. Sie wird zur Eröffnung der neuen Sonderausstellung des Naturmuseums „Bilder im Dunkeln - Höhlenkunst der Eiszeit“ sprechen. Grundlage der Wanderausstellung sind die Bilder der weltweit größten Diasammlung zur eiszeitlichen Höhlenkunst von Heinrich Wendel im Neanderthal-Museum. Was Touristen aus konservatorischen Gründen kaum zugänglich ist, wird den Besuchern der Lübecker Ausstellung geheimnisvoll präsentiert: In dunkler Höhlenatmosphäre entdeckt man die Höhlenmalereien wie „vor Ort“ mit der Taschenlampe. Die Eintrittskarte zur Eröffnung (für vier Euro) berechtigt zu einem weiteren Besuch des Museums. Die Sonderausstellung wird bis zum 16. Oktober 2005 im Museum für Natur und Umwelt der Hansestadt Lübeck, Musterbahn 8, zu sehen sein. Das Haus kann während der Öffnungszeiten dienstags bis freitags von 9 bis 17 Uhr, sonnabends und sonntags ab 10 Uhr, besucht werden. +++


Zurück zur Übersicht