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Otto-Pankok-Preis geht an Melanie Spitta
990831RK 3. November 1999

Der erste Otto-Pankok-Preis der 1997 von Günter Grass gegründeten Stiftung zugunsten des Romavolkes geht an die deutsche Sinteza Melanie Spitta in Würdigung ihres Lebenswerkes. Der mit 20 000 Mark dotierte Preis wird am 5. Dezember 1999 im Bürgerschaftssaal des Lübecker Rathauses verliehen. Die Laudatio hält der Gießener Soziologe Professor Dr. Reimer Gronemeyer.

Die Filmemacherin, Publizistin und Bürgerrechtlerin Melanie Spitta, die wie viele Sinti und Roma den größten Teil ihrer Familie in Konzentrationslagern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft verlor, “hat in hervorragender Weise zur Aufklärung der Geschichte ihres Volkes beigetragen, die ein unabtrennbarer, aber weitgehend verdrängter Teil der deutschen Vergangenheit ist”, heißt es in der Begründung der Jury.

Melanie Spitta wählt für ihre Aufklärungsarbeit künstlerische Ausdrucksmittel, vor allem zusammen mit der Münchener Filmemacherin Katrin Seybold. Sie engagiert sich aber auch politisch als eine der ersten Sinti-Frauen im Bürgerrechtskampf überhaupt. “Mit Mut, Unbestechlichkeit und schonungsloser Offenheit klärt sie eine breitere Öffentlichkeit darüber auf, daß Sinti und Roma, die den Holocaust überlebten, anfangs gar nicht und später nur unvollständig für ihre Leiden in den Konzentrationslagern entschädigt wurden”, so die Jury weiter.

Zweck der 1997 in Lübeck gegründeten Stiftung ist es, “das Verständnis für die Eigenarten des Romavolkes zu fördern und über seine kulturelle und soziale Lage in Geschichte und Gegenwart aufzuklären” sowie zu Toleranz beizutragen. Gefördert werden journalistische, wissenschaftliche, sozialpolitische und künstlerische Arbeiten, deren Anlaß und Thema das Romavolk ist, insbesondere die Sinti und Roma in Deutschland.

Der erstmals vergebene Preis soll außerdem an den bildenden Künstler Otto Pankok (1893 - 1966) erinnern, der in seinem sozial-kritischen Werk immer wieder auf verfemte Minderheiten, insbesondere auf die “Zigeuner” aufmerksam machte. Von 1948 bis 1952 war Pankok Lehrer von Günter Grass an der Kunstakademie Düsseldorf.

Melanie Spitta wurde 1946 in Hasselt/Belgien geboren, wohin die Familie 1938 geflohen war, um der Verfolgung durch das nationalsozialistische Terrorregime zu entgehen. Dennoch überlebten nur sechs von dreißig Familienangehörigen die Gaskammern von Auschwitz oder die Arbeitslager. Melanie Spitta wuchs ab 1949 in Düren/Rheinland auf und erlebte frühzeitig Diskriminierung durch Mitschüler und Lehrer.

In den 80er Jahren drehte sie zusammen mit Katrin Seybold vier Kinodokumentarfilme, die allesamt mit Preisen ausgezeichnet wurden: “Schimpft uns nicht Zigeuner” (1980), “Wir sind Sintikinder und keine Zigeuner” (1981), “Es ging Tag und Nacht, liebes Kind” (1982) und “Das falsche Wort” (1987). Zur Zeit wartet das erste Spielfilmprojekt, das am Beispiel zweier unterschiedlicher Familien Leben und Kultur der Sinti um 1938 darstellt, auf seine Finanzierung. Darüber hinaus veröffentlichte sie zahlreiche Beiträge in Büchern, Zeitschriften, Rundfunk- und Fernsehsendungen und hielt Gastvorträge an Universitäten. Ein wichtiger Teil ihrer Arbeit ist die Gedenkstättenarbeit, vor allem in Ravensbrück und Buchenwald. Sie ist Mitglied der Internationalen Romani Union und des Romani PEN.

Für die Stiftung zugunsten des Romavolkes ist ein Spendenkonto eingerichtet: Sparkasse zu Lübeck, Bankleitzahl 230 501 01, Kontonummer 1-052 604, Empfänger: Stiftung zugunsten des Romavolkes. +++

   

© Copyright, 1999 Hansestadt Lübeck  -  Publishing: LYNET Kommunikation

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