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Tipps zum Naturerleben

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Literatur

Cornell, J. B.: Mit Kindern die Natur erleben. Ahorn Verlag 1979 oder Verlag an der Ruhr, Mülheim 1991

Cornell, J. B.: Mit Freude die Natur erleben, Naturerfahrungsspiele für alle. Verlag an der Ruhr, Mülheim 1991

Jugend - Umwelt - Projektwerkstatt: Naturerlebnismappe, Fahrten in die Wildnis, Spiele in der Natur, Basteln und Bauen. JUP, Bad Oldesloe 1997

Kersberg, H. und Lackmann, U.(Hrsg.): Spiele zur Natur- und Umwelterfahrung, Ein Beitrag zur erlebbaren Umwelterziehung. Verlag Verband Deutscher Schullandheime 1994

Knirsch, R. R.: Unsere Umwelt entdecken, Spiele und Experimente für Eltern und Kinder. Ökotopia Verlag, Münster 1991

Kuhn, K., Probst, W. und Schilke, K.: Biologie im Freien. Metzlersche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1986

Van Matre, S. und Hoessle, K.: Earth Magic, Erdenwanderungen für eine sinnliche Begegnung mit der natürlichen Welt. The Institute for Earth Education, Cedar Cove, Greenville, WV 24945, 1993

BUND - Jugend: Tips zur Saison, Umwelt mit Kindern erleben. Zeitschrift der Jugendorganisation des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND)



zur Kartei

Naturerleben ist - kurzgefaßt - die geistige, sinnliche und körperliche Aneignung von Natur durch den Menschen. Der Begriff bezeichnet einen Weg in der Umwelterziehung, der einen emotionalen Zugang zur Natur, ein Wahrnehmen der Natur mit allen Sinnen, als Grundlage für Wissensaneignung und umwelt- und naturgerechtes Verhalten ansieht.
Die vorliegende Sammlung, in der Spiel-, Bastel- und Wahrnehmungsanregungen aus verschiedenen Quellen zusammengetragen wurden, soll helfen, Elemente des Naturerlebens das ganze Jahr über in den ganz normalen Schul- (und Vorschul-) Alltag zu integrieren. Passend zu den Jahreszeiten wird sie um jeweils etwa acht Spielvorschläge ergänzt, so dass nach zwei Jahren rund 65 Arbeitskarten zur Verfügung stehen werden. Die Kartei bietet Raum, zusätzliche Symbole und - z.B. auf der Rückseite - eigene Anregungen und Erfahrungen oder Fotos von den Aktivitäten oder von Kinderarbeiten zu ergänzen. Auch selbsterstellte, zusätzliche Karten könnten ihren Umfang im Laufe der Zeit erweitern. Auf eine Numerierung der Karten wurde verzichtet, so ist es möglich, sie später in ein eigenes System einzupassen.

Viel Spaß beim Ausprobieren!   

Diese Symbole dienen der leichteren Zuordnung der Spiele:

Lübeck 1998  



   Blinde Raupe

Fühlen Riechen Hören Gefühl jahreszeitlicher Schwerpunkt

Alter:

ab 6

Zeitbedarf:

etwa 20 Minuten

Gruppengröße:

2 bis 8

Material:

Augenbinden

Ort:

Wald, Dickicht

Durchführung:
Maximal acht TeilnehmerInnen verbinden sich die Augen. Sie stellen sich hintereinander auf und legen einander ihre Hände auf die Schultern. Der SL hat als Raupenkopf die Augen geöffnet und führt die Raupe. Dabei sucht er/sie einen Weg, der besonders interessant zum Fühlen, Riechen oder Hören ist. An besonderen Stellen, etwa einem blühenden Strauch oder einem moosbewachsenen Baumstamm, läßt die führende Person die Raupe stoppen und tasten und schnuppern. Je mehr Abwechslung auch der Untergrund bietet, um so besser: harter Weg, weicher Waldboden, trockenes Bachbett, unter weichen Zweigen hindurch, schattiger Wald, sonnige Lichtung etc.
Ist die Raupe weit genug gegangen - je nach Alter und Aufmerksamkeit der Kinder zu variieren - nehmen die SpielerInnen ihre Augenbinden ab und versuchen, sehend auf der gleichen Route zurückzufinden.
Variante:
Noch eindrucksvoller wird das Erlebnis, wenn die Kinder den Weg ohne Schuhe und Strümpfe, als Blinde Barfußraupe, gegangen sind!
Tipp:
Raupen mit mehr als sechs Gliedern verwirren sich leicht und sind schwer zu führen. Während des Raupenausflugs sollte nicht gesprochen werden.

( nach Cornell 1979)



   Bestimmungsspiel

Sehen Konzentration Gespräch jahreszeitlicher Schwerpunkt

Alter:

ab 7

Zeitbedarf:

etwa 20 Minuten

Gruppengröße:

6 bis Klassenstärke

Material:

Blätter oder Zweige, Früchte, Blütenpflanzen, Samen, Muscheln...

Ort:

Wald, Wiese, Weg, Strand, Schulhof

Durchführung:
Bei diesem Spiel lernen die Kinder spielerisch die Namen verschiedener Bäume, Blütenpflanzen oder Heckensträucher kennen. Die Kinder stellen sich in zwei gleich großen Reihen im Abstand von etwa zehn Metern einander gegenüber auf. Die Dinge (etwa sieben bis zehn), die bestimmt werden sollen, werden in der Mitte zwischen den Spielern auf dem Boden aufgereiht. Beide Gruppen zählen nun durch, so dass jeweils zwei Spieler die Nummer eins, zwei, drei usw. erhalten. Der SL nennt den Namen einer Pflanze oder eines Tieres und dazu eine Zahl (- nicht in numerischer Reihenfolge).
Also z.B.: Die gesuchte Pflanze ist eine Linde, die Zahl ist fünf! Die "Fünfer" rennen nun zur Mitte und versuchen möglichst schnell, das Lindenblatt (oder die Lindenfrucht) zu finden. Der Sieger erhält einen Punkt für seine Gruppen. Wird etwas Falsches aufgehoben, so wird ein Punkt abgezogen.
Variante:
Das Spiel kann für ältere Schüler so variiert werden, das drei Teile derselben Pflanze zugeordnet werden müssen, z.B. Blatt, Frucht und Borke eines Baumes oder Blüte, Blatt und Stengelteil einer Wiesenpflanze. Dabei sollte die Zahl der Pflanzenteile erhöht werden.

(nach Cornell 1979)



   Herbstfärberei

Sehen Riechen Konzentration jahreszeitlicher Schwerpunkt

Alter:

ab 8

Zeitbedarf:

etwa 3 Stunden

Gruppengröße:

2 bis 6

Material:

ein 5-Liter-Topf je Farbton, Herdplatte, Rührlöffel, Sieb, Alaun (Kaliumaluminiumsulfat aus der Apotheke), Stoff aus Naturfasern, Färbepflanzen s.u.

Ort:

Werkraum, Küche, im Freien

Durchführung:
Im Herbst liefern Früchte und andere Pflanzenteile Farbstoffe zum natürlichen Färben. Manche Pflanzenfarbstoffe eignen sich zwar auch zur Direktfärbung, d.h. ohne chemische Zusätze, sind dann jedoch weniger farbecht. Damit die Farben besser auf den Textilien haften, kann Alaun (ein Salz) als Beize zugefügt werden.

ROT:Rote Beete und
Möhren

GELB:Birkenblätter und
Zwiebelschalen

BLAU:Holunderbeeren

GRÜN: Spinat und Klee

BRAUN:Walnußschalen

 

Färbung: Die Pflanzen werden zerkleinert und etwa 12 bis 24 Stunden in Wasser eingeweicht. Als Faustregel gilt: von frischem Material wird das 4-fache des Textilgewichts benötigt, von getrocknetem Material das 2-fache. Bevor das Färben beginnen kann, müssen die Färbepflanzen mindestens 20 bis 30 Minuten gekocht werden. Pro 500g Textilien wird anschließend 100g Alaun zugesetzt. Die Textilien (Wolle, Baumwolle oder Seide) werden angefeuchtet und in das köchelnde Farbbad gegeben. Dort verbleiben sie ca. 30 Minuten und werden ab und zu mit dem Rührstab gewendet. Vorsichtig herausholen, in kaltem Wasser gründlich ausspülen und zum Trocknen aufhängen.

Tipp: Hinweise zum Anlegen eines Färbepflanzenbeetes in Gerlach 1999, Seite 31 f.


(nach Cornell 1999)



   Holunder - Pusterohr

Gefühl Konzentration jahreszeitlicher Schwerpunkt

Alter:

ab 6

Zeitbedarf:

etwa 20 Minuten

Gruppengröße:

1 bis Klassenstärke

Material:

Holunderäste und -früchte, Draht, Handbohrer

Ort:

Hecke, Waldrand, Feldgehölz

Durchführung:
Aus möglichst gerade gewachsenen Holunderästen (ca. 1,5 cm dick, mindestens 15 cm lang) wird mit einem stabilen Draht o.ä. das Mark entfernt. Von außen kann das Blasrohr noch durch Schnitzereien verziert werden oder aber die Rinde wird ganz entfernt. Nun kann man mit den reifen oder auch noch grünen Beeren (Vorsicht: sehr hart!) schießen. Als Zielscheibe sollte jedoch nie ein lebendes Objekt (siehe unten!), sondern besser ein Baumstamm ausgewählt werden! Auf einer aus Pappe gebastelten Zielscheibe kann besonders bei der Verwendung von reifen Holunderbeeren auch die Treffgenauigkeit verglichen werden. Viel Spaß!



   Eulen und Krähen

Gefühl Konzentration jahreszeitlicher Schwerpunkt

Alter:

ab 5

Zeitbedarf:

10 Minuten und mehr

Gruppengröße:

6 bis Klassenstärke

Material:

nicht nötig

Ort:

Wiese, Weg

Durchführung:
Die Kinder werden in zwei Gruppen aufgeteilt, die Eulen und die Krähen, und stellen sich in zwei Reihen gegenüber jeweils einen Schritt hinter einer Mittellinie auf. Etwa fünf Meter hinter jedem Team wird noch ein Strich auf den Boden gezeichnet, um sein Lager zu markieren. Die SL (= Spielleiter/in) macht nun eine Aussage, die richtig oder falsch sein kann. Ist sie richtig, jagen die Eulen die Krähen und versuchen diese zu fangen bevor sie ihr Lager erreicht haben. Stimmt die Aussage nicht, jagen die Krähen die Eulen. Wer erwischt wird, kommt zur anderen Gruppe.
Die Aussagen können ganz unterschiedliche Bereiche ansprechen:
Sinneseindrücke: "Der Wind weht von der Seite der Eulen." Kenntnisse: "Das Eichhörnchen ist ein Nagetier." Bestimmungsübungen: "Dieses ist die Frucht der Heckenkirsche." Beobachtungen ( während der SL z. B. ein Blatt vorzeigt): "Dieses Blatt hat fünf Spitzen und fünf Adern" etc.

Tipp: Dies ist ein ausgezeichnetes Spiel, um neu gelernte Begriffe einzuüben (... und eignet sich übrigens für jedes Unterrichtsfach!).

(nach Cornell 1991)



   Geheimnisvolle Spuren im Schnee

Sehen Gespräch Konzentration jahreszeitlicher Schwerpunkt

Alter:

ab 4

Zeitbedarf:

mind. 15 Minuten

Gruppengröße:

4 bis Klassenstärke

Material:

Schnee, möglichst frisch gefallen

Ort:

draußen im Schnee

Schneespuren

Durchführung:
Der erste Spurenleger beginnt und denkt sich eine Möglichkeit aus, sich im Schnee fortzubewegen und dabei mit seinem Körper eine interessante Spur zu hinterlassen. Er kann z. B., während die anderen weggucken oder selbst eine Spur entwickeln, ein Stück auf einem Bein hüpfen oder Purzelbäume schlagen. Die anderen sollen nachher raten, wie die Spur wohl erzeugt wurde. Haben sie es herausbekommen, ist das nächste Kind an der Reihe. Es gibt viele trickreiche Möglichkeiten, Abdrücke im Schnee zu hinterlassen: Rückwärtslaufen, Auf den Händen laufen, Hüpfen, Krabbeln...
Variante:
Durch Fallenlassen in den frischen Schnee können die skurrilsten Figuren erzeugt werden. Läßt man sich etwa vorsichtig rückwärts in den Schnee fallen und spreizt dann ausgestreckte Beine und Arme, entsteht ein prächtiger Engel.
Tipp:
geeignet auch zur Vorbereitung einer Einheit über Tierspuren im Schnee oder Tiere im Winter.
(aus: Tips zur Saison, Nr. 20)



   Schneefiguren

Fühlen Gefühl Gespräch Konzentration jahreszeitlicher Schwerpunkt

Alter:

ab 5

Zeitbedarf:

mindestens 1 Stunde

Gruppengröße:

2 bis Klassenstärke

Material:

ausreichend, gut pappender Schnee

Ort:

draußen, wenn viel Schnee liegt

Schneefiguren

Durchführung:
Mit Schnee lassen sich nicht nur Schneemänner bauen! Wie wäre es denn einmal mit Katzen, Robben, Fischen, Schlangen oder Mäusen?

Auch Iglus, Mauern, eine Miniburg oder Schneehäuschen, die innen hohl sind und Fenster haben, lohnen einen Versuch. Besonders eindrucksvoll sieht es aus, wenn diese kleine Siedlung dann in der Dämmerung mit Teelichtern beleuchtet wird.

Wer rollt den größten Schneeball? Nach diesem Impuls sind schon Riesenkugeln entstanden, die bald nur noch mit gemeinsamer Anstrengung vieler Kinder bewegt werden konnten, schließlich so dick wie die Kinder groß!

Schneebilder raten: Alle bereiten sich einen großen Haufen an Schneebällen vor. Eine/r beginnt und schmeißt mit den Bällen die Umrisse eines Gegenstandes oder Tieres an eine Mauer oder Wand (ohne Fenster!). Wer als erstes errät, was das wird, darf als nächste/r werfen.

Auch Zielwerfen, z. B. an eine Narbe am Baumstamm oder einen Ast macht viel Spaß!



   Welches Tier bin ich?

Konzentration Gespräch Gefühl jahreszeitlicher Schwerpunkt

Alter:

ab 7

Zeitbedarf:

etwa 30 Minuten

Gruppengröße:

5 bis Klassenstärke

Material:

Kärtchen mit Tiernamen oder Tierbildern, Sicherheitsnadeln oder Klebeband

Ort:

im Raum oder draußen

Durchführung:
Jedem Mitspieler wird eine Karte mit dem Namen oder dem Bild eines Tieres auf den Rücken geheftet, ohne dass er selbst es sehen darf. Auf ein Zeichen hin stellt jedes Kind den anderen Fragen nach seiner Identität. Die Fragen dürfen jedoch nur mit "ja", "nein" oder "vielleicht" beantwortet werden. Das Spiel ist beendet, wenn alle Spieler "ihr" Tier erkannt haben.
Variante:
Die einzelnen "Tiere" stellen sich am Spielschluß mit den von ihnen gesammelten Informationen vor.
Unter vom Spielleiter vorgegebenen Kriterien formieren sich bestimmte Tiergruppen, z.B. alle Tiere, die schwimmen, fliegen, krabbeln...können, die Eier legen, als Haustiere gehalten werden usw.
Als schwierige Variante für ältere Kinder werden nur Tiere einer Tiergruppe auf den Karten notiert (z.B.: Insekten, Säugetiere, Weichtiere, Raubtiere usw.)
Nach dem gleichen Prinzip lassen sich natürlich auch Pflanzen erraten.
Tipp:
Tierbestimmung - normalerweise keine sehr aufregende Sache für Schüler und Schülerinnen - wird hier zu einem spannenden, lustigen Spiel. Geschickte Fragensteller kommen schneller zum Ziel.
Eingrenzende Fragestellungen evtl. üben?

(nach Cornell 1991, Kersberg/Lackmann 1994)



   Landschaft verändern

Sehen Konzentration Gefühl Gespräch jahreszeitlicher Schwerpunkt

Alter:

ab 5

Zeitbedarf:

etwa 30 Minuten

Gruppengröße:

6 bis Klassenstärke

Material:

zwei Seile (je 15 bis 20 m)

Ort:

möglichst naturnahes Gelände, z.B. Laubwald, Wiese

Durchführung:
Es werden zwei Mannschaften gebildet, die sich jeweils ein überschaubares Areal (etwa 6 bis 12 qm) aussuchen und mit einem Seil umgrenzen. Die Gruppen prägen sich ihr "Landschaftsstückchen" genau ein (Boden, Äste, Steine, Pflanzen...), und wechseln dann zu der "Landschaft" der Nachbargruppe. Nun nehmen die Gruppen eine vorher verabredete Anzahl von Veränderungen (etwa 3 bis 6) innerhalb des fremden Areals vor, wobei dieses jedoch nicht betreten werden darf: ein Ast wird etwa anders hingelegt, ein Stein eingeschmuggelt, Blüten vertauscht... Auf ein Zeichen hin kehrt eine Gruppe nach der anderen wieder zu ihrem Gebiet zurück und versucht im Beisein der anderen Gruppe, alle Veränderungen zu entdecken.
Variante:
Alle Kinder verteilen sich um das abgegrenzte Gebiet und schließen die Augen. Ein Kind nimmt Veränderungen vor, fügt Dinge hinzu oder entnimmt welche. Danach öffnen die Kinder wieder die Augen. Wer Veränderungen entdeckt, darf in der nächsten Runde "Täterin" oder "Täter" sein.
Tipp:
Das Spiel wird erschwert, wenn die Areale unterschiedlichen Biotopen zugehören: etwa Waldgruppe, Wiesengruppe. Gute Schulung des Wahrnehmungs- und Beobachtungsvermögen der Kinder - besonders im Hinblick auf Objekte, die sich in Farbe oder Form nur wenig von der Umgebung abheben.

(nach Kersberg/Lackmann 1994)

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