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Interdisziplinäres Symposium zum Thema
„Mord“
Vom 9. bis 11. September 2005 findet in
Lübeck das Symposium „Mord – Darstellung und Deutung in den
Wissenschaften und Künsten“ statt. In diesem Jahr in Zusammenarbeit
mit dem Heinrich-und-Thomas-Mann-Zentrum, wird es wird vom Arbeitskreis
„Psychopathologie, Kunst und Literatur“ ausgerichtet. Diesem
interdisziplinären Arbeitskreis gehören Mediziner - vor allem
Psychiater und Psychotherapeuten -, Kunsthistoriker, Philosophen und
Literaturwissenschaftler an.
Mediziner, Psychologen, Geistes- und
Sozialwissenschaftler werden sich dem Thema „Mord“
interdisziplinär nähern. Im Vordergrund steht damit der
fächerübergreifende Dialog: Der Mord wird als Grenzthema der Medizin
in Beziehung zu den Künsten und der Literatur gesetzt. Die Perspektive ist
sowohl historisch als auch empirisch und symbolisch. Als historisches
Phänomen durchzieht es die gesamte Kulturgeschichte: Der Mord steht am
Anfang der christlichen Überlieferung (Kain und Abel), er wird als
zentrales Thema konstitutiv für ein Genre in Literatur und Film und bleibt
als mediales Ereignis, als Nachricht vom spektakulären Verbrechen
täglich präsent. Die Vorträge decken ein Spektrum ab, das die
Erscheinung des Mordes von der empirischen Sicht des Psychiaters und
Gerichtsmediziners ausgehend bis hin zu seinen symbolischen Interpretationen in
den Künsten und der Literatur behandelt.
Die Ernsthaftigkeit des Themas soll durch
diese umfassende Sicht keineswegs verdeckt werden. Im Gegenteil: seine
Allgegenwart fordert geradezu die Aufgabe einer eindimensional
kriminalistisch-kriminologischen Sicht und Öffnung der Betrachtung in
Richtung der Geisteswissenschaften. Dieser interdisziplinären Arbeit ist
der Arbeitskreis „Psychopathologie, Kunst und Literatur“ als
Zusammenschluss von rund 70 Wissenschaftlern der verschiedensten Fachrichtungen
seit nunmehr drei Jahrzehnten verpflichtet. Frühere Tagungsthemen waren
beispielsweise Melancholie, Ekel, Neid und Alter. Die Ergebnisse werden jeweils
in Tagungsbänden dokumentiert.
Die diesjährige Tagung wird von
Professor Dr. Dietrich von Engelhardt vom Institut für Medizin- und
Wissenschaftsgeschichte der Universität zu Lübeck organisiert, der dem
Arbeitskreis gemeinsam mit dem Heidelberger Komparatisten und Slavisten
Professor Dr. Gerigk und dem Mediziner und Germanisten Professor Dr. Dr. Wolfram
Schmitt aus Saarbrücken vorsteht. Erwartet werden 21 Referenten, unter
anderem aus Italien, Südafrika und Österreich.
Besonderer Ausdruck der
Interdiziplinarität ist die diesjährige Zusammenarbeit mit dem
Lübecker Heinrich-und-Thomas-Mann-Zentrum im Buddenbrookhaus, die ebenso
durch die Reihe „Wissenschaft und Literatur im Dialog“ dokumentiert
wird, gemeinsam herausgegeben von Dietrich von Engelhardt und dem Leiter des
Heinrich-und-Thomas-Mann-Zentrums, Dr. Hans Wißkirchen.
Alle Vorträge im Institut für
Medizin- und Wissenschaftsgeschichte (Freitag und Sonnabend) und im
Buddenbrookhaus (Sonntag) sind öffentlich. Die Tagungskarte kostet zehn
Euro, Schüler und Studenten haben freien Eintritt. Der Arbeitskreis
lädt ausdrücklich alle Interessierten zur Teilnahme an Vorträgen
und Diskussionen ein.
Nachfolgend das detaillierte Programm, das
auch unter www.buddenbrookhaus.de aufgeführt ist:
Freitag, 9.9.2005, Institut für
Medizin- und Wissenschaftsgeschichte
- Begrüßung
- Professor Dr. Johann Glatzel: Einige empirisch begründete Mutmaßungen über das Morden
- Professor Dr. Lothar Pikulik: Psychologie und Ästhetik des Mordes bei Schiller
- Professor Dr. Fabio Grigenti: Dante Alighieri: Tod, Leib, Seele
- Kaffeepause
- Professor Dr. Horst-Jürgen Gerigk: De Quinceys „Der Mord als eine schöne Kunst betrachtet“ – eine Parodie auf Kants „Kritik der Urteilskraft“?
- Professor Dr. Wolfram Schmitt: Büchners Woyzeck als geisteskranker Mörder
- Professor Dr. Manfred Oehmichen: Der Mord aus rechtsmedizinischer Sicht: Phänomenologie und Motivation
Sonnabend,
10.9.2005, Institut für Medizin- und
Wissenschaftsgeschichte
- Professor Dr. Manfred Misch: „...’s kommt doch alles an die Sonne“. Mord, Aufklärung und Sühne in deutschen Erzählungen des 19. Jahrhunderts
- PD Dr. Kadja Grönke: Die mordende Frau auf der Opernbühne
- Professor Dr. Federico Vercellone: Der symbolische Mord. Der Mord des Gottes und des Menschen zwischen Heine und Nietzsche
- Kaffeepause
- Professor Dr. Horst Dilling: Vatermord: psychiatrische und psychoanalytische Erwägungen
- Professor Dr. Dietrich v. Engelhardt: Der geisteskranke Sittlichkeitsmörder Moosbrugger in Musils „Mann ohne Eigenschaften“
- Mittagspause
- PD Dr. Matthias Hurst: Mord im Kino
- Professor Dr. Hermes A. Kick: Von dem Versuch, das Böse zu töten: Zu Werner Herzogs Nosferatu-Verfilmung
- Federica La Manna: „M. Eine Stadt sucht einen Mörder“ (Lang 1931). Symbolik der Kriminalität in der Literatur des deutschen Expressionismus
- Kaffeepause
- Professor Dr. Rudolf Neuhäuser: Mord in Moskau. Ein postsowjetischer Raskolnikow
- Dr. Matthias Bormuth: „Es war Mord“. Tödliche Kommunikationen in Ingeborg Bachmanns „Malina“
Sonntag,
11.9.2005, Buddenbrookhaus
- Professor Dr. Gian Franco Frigo: „Mors tua vita mea“: Die Rolle des Mordes in der Konstitution des Subjekts
- Professor Dr. Michael Schmidt-Degenhard: Mord und Selbstkorrumpierung. Ein kasuistischer Beitrag zum Problem des Verstehens in der forensischen Psychiatrie
- Kaffeepause
- Dr. Hans Wißkirchen: Oskar tötet seine Väter. Zum Mordthema in der „Blechtrommel“ von Günter Grass
- Professor Dr. Gisela Fischer: Der Mord als beiläufiges Ereignis am Beispiel von „Ausweitung der Kampfzone“ von Michel Houellebecq
- Dr. Ulrich Diehl: Was rechtfertigt einen Tyrannenmord?
- Abschluss
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Hinweis: Eine gleichlautende
Pressemitteilung wurde von der Pressestelle des Buddenbrookhauses
herausgegeben.
