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Projekte zur Suchtprävention: Großes Interesse bei
Schulen
Lübecker Schulen wenden sich mit
großem Interesse verstärkt an die Alkoholberatungsstelle des
Gesundheitsamtes der Hansestadt Lübeck, um Schülerinnen und
Schülern der 8. Klassen für das Thema Alkohol und Nikotin zu
sensibilisieren. An einem ähnlichen Projekt zur Suchtprävention nahmen
und nehmen jetzt sämtliche 8. Klassen des Lübecker
Thomas-Mann-Gymnasiums teil. Neben dem Schwerpunkt „Alkohol und seine
möglichen Folgen“ ist heute während einer
Präventionsveranstaltung in dieser Schule auch das Thema
„Nikotin“ behandelt worden.
Auf Grund der großen Nachfrage haben
Barbara Pauls von der Alkoholberatungsstelle des Lübecker Gesundheitsamtes
und Gerold Rafael, beschäftigt bei der Dräger Medical AG & Co. KG,
ihre Präventionsveranstaltungen in den Schulen intensiviert. So wurden
beispielsweise im Thomas-Mann-Gymnasium gleich acht Veranstaltungen in den
8. Klassen durchgeführt. Gerade die Kombination von Fachfrau und
ehemaligem Alkoholiker hat sich bei diesen Projekten als sinnvoll und effektiv
erwiesen: Den Jugendlichen wird neben den reinen Fakten durch die
persönliche Schilderung eines ehemaligen Alkoholikers anschaulich
vermittelt, welche Folgen Alkoholmissbrauch haben kann.
Alkohol ist seit Jahrtausenden ein
Genussmittel, das sich in den letzten Jahrzehnten in fast allen Ländern
sowie in den meisten Entwicklungsländern zu einem bedeutenden Suchtmittel
entwickelt hat. Alkohol gehört neben Nikotin zu den Spitzenreitern der
konsumierten Suchtstoffe. Deutschland zählt mit 147 Liter alkoholische
Getränke pro Kopf (Erhebung aus dem Jahr 2003) im europäischen
Vergleich zu den Ländern mit dem höchsten Alkoholverbrauch. Alkohol
ist in unserer Gesellschaft sozial und kulturell akzeptiert. Das Alkoholproblem
stellt heute das größte sozialmedizinische Problem
dar.
Aktuelle Untersuchungen belegen, dass die
„Alcopops“ unter den Jugendlichen sehr beliebt sind. Dadurch wird
der Einstieg in den Alkoholkonsum extrem gefördert. Wie eine Studie der
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (2003) zeigt, sind
Alcopops bei der Hälfte der 14- bis 17-jährigen Jugendlichen das
beliebteste Getränk.
Allerdings hat die Einführung der
Alkopopsteuer Wirkung gezeigt: Nach den von der Bundeszentrale für
gesundheitliche Aufklärung (BZgA) im März/April 2005 im Rahmen einer
Repräsentativbefragung bei den 12- bis 17-jährigen Jugendlichen
erhobenen Daten lässt der Vergleich mit den Umfrageergebnissen vor
Einführung der Alkopopsteuer (Januar/Februar 2004) erkennen, dass der
Konsum von spirituosenhaltigen Alkopops bei dieser Altersgruppe erheblich
zurückgegangen ist und eine Substitution durch andere alkoholische
Getränke nicht stattgefunden hat.
Dennoch liegt der erste Alkoholkonsum bei
Jugendlichen bei 12,8 Jahren, der erste Alkoholrausch bei 13,8 Jahren. Eine
Viertel Million Kinder und Jugendliche sind stark alkoholgefährdet oder
bereits abhängig (Deutsche Hauptstelle gegen
Suchtgefahren).
Auch mit dem Rauchen beginnen viele
Jugendliche sehr früh: Befragungen ergaben, dass 15-jährige Raucher
erst 12,4 Jahre waren, als sie zur Zigarette griffen. Durch das Rauchen sterben
jährlich mehr Menschen als durch Verkehrsunfälle, AIDS-Erkrankung,
Alkohol, illegale Drogen, Morde und Suizide zusammen. Alle acht Sekunden stirbt
ein Mensch durch Zigarettenkonsum. Nach Angaben der Bundeszentrale für
gesundheitliche Aufklärung sterben in Deutschland 110.000, wenn nicht sogar
140.000 Menschen durch Tabakkonsum, davon 43.000 durch Krebs, 37.000 durch
Kreislauferkrankungen und 20.000 durch Atemwegserkrankungen.
Dass sich Maßnahmen zur
Förderung des Nichtrauchens bei Jugendlichen positiv auswirken, zeigen
Repräsentativbefragungen der BZgA: Stieg die Raucherquote ab Mitte der 90er
Jahre gerade bei jüngeren Jugendlichen noch stark an, so ist seit 2001 ein
deutlicher Rückgang zu verzeichnen: Von 28 Prozent im Jahr 2001, auf 23
Prozent in 2003 und 2004. Eine aktuelle Studie aus diesem Jahr zeigt einen
weiteren Rückgang: Bei den 12- bis 17-Jährigen liegt die Raucherquote
bei 20 Prozent.
Den Gebrauch gesellschaftlich akzeptierter
Drogen wie Alkohol und Nikotin erlernt das Kind durch die Vorbildfunktion der
Eltern, der Medien und des sozialen Umfelds. Je früher und intensiver die
Rauscherlebnisse des Jugendlichen, desto größer die Gefahr einer
Abhängigkeitsentwicklung im Erwachsenenalter. Hat der Jugendliche die Droge
als positiv erlebt, in dem er die Realität verdrängt, dann läuft
er Gefahr, diesen Zustand mittels der Droge zu wiederholen. Viele Forscher sind
sich darüber einig, dass weniger die chemische Wirkung den typischen
Charakter der Droge bestimmt, als vielmehr die Psyche, auf die der Stoff wirkt.
Jugendliche zeigen oftmals ein hohes Maß an Risikobereitschaft, ohne dabei
auch an die möglichen Folgen und Konsequenzen zu denken.
Um erfolgreich süchtigem Verhalten
entgegenzuwirken, „muss die Konsumerziehung schon in frühen Jahren
beginnen, im Elternhaus und in der Schule. Eine effektive Prävention zielt
darauf ab, den Kindern so früh wie möglich Werte, Normen,
Einstellungen und Lebensweisen zu vermitteln, um sie vor Manipulationen,
Verführungen und Süchte zu schützen. Darum kommt der Prophylaxe
eine besondere Bedeutung zu, vorbeugen ist besser als heilen. Die
bestmögliche Suchtprävention erreicht man durch gezielte
Aufklärung, einem Klima der Offenheit, des Zuhörens und des
gegenseitigen Respekts“, erklärt Barbara Pauls. +++
