Digitales Pressedienstarchiv
Kunsthalle St. Annen erhält bedeutendes
Sonderborg-Gemälde
Die Museen für Kunst und
Kulturgeschichte der Hansestadt Lübeck freuen sich über eine wichtige
Neuerwerbung für die Kunsthalle St. Annen: Von dem Sammler Dr. Dietrich
Schulz wurde den Sammlungen der „Kunst nach 1945“ in der Kunsthalle
St. Annen ein sehr bedeutendes Werk des 1923 in Sonderborg geborenen und in
Hamburg lebenden Malers K. R. H. Sonderborg. geschenkt.
Sonderburg, am 5. April 1923 als Karl
Rudolf Hoffmann im dänischen Sonderborg geboren, zählt zu den
Klassikern der Informellen Malerei in Deutschland. Das noch in der Hauptzeit
dieser Kunstströmung entstandene Bild „27-7-61, 21h35 –
22h21“ (Öl auf Papier auf Leinwand, 100 x 70 Zentimeter) stammt, wie
der Datumstitel besagt, aus dem Jahre 1961.
Der Künstler studierte in Hamburg bei
dem bekannten Maler Willem Grimm Malerei und Graphik, bei dem einst auch Loriot
unterrichtet worden war. Unter dem Einfluß des Franzosen Roger
Bissière und unter dem großen Eindruck der ostasiatischen
Kalligraphie entwickelt er sehr erfolgreich ein vorwiegend schwarz-weißes
Action Painting, in dessen automatischer Zeichenschrift Bewegung und Rhythmik
zum Ausdruck kommen. Die Bildtitel zeigen jeweils das Datum und die Uhrzeit der
Entstehung, womit letztlich auch der Faktor Zeit, als das Element steter
Veränderung, zum Bildthema wird.
Stets geht es Sonderborg darum, den
malerischen Prozeß sichtbar zu machen, wofür ein technisch
differenziertes Auftragen und Bearbeiten der Farben kennzeichnend ist, ohne das
Momentane zu beeinträchtigen.
Die seit den Sechzigern entstandenen
Bilder, wie das hier vorgestellte, zeigen, daß die mitunter heiter und
poetisch wirkenden Liniengebilde nicht allein der Imagination des Künstlers
entsprangen. Im Gegenteil hat Sonderborg sich von technischen Apparaten,
Hochspannungsmasten, Trafohäusern, Kränen des Hamburger Hafens oder
elektrischen Oberleitungen von Bahn und Straßenbahnen zu seinen
Kompositionen inspirieren lassen. Bezeichnend dabei ist, daß die
Inspirationsquellen nicht allein als Graphiken am Himmel wahrgenommen wurden,
sondern zugleich auch Elemente sind, die mit Energien und Strömungen, mit
nicht sichtbaren Kräften und Spannungen zu tun haben, was seiner
künstlerischen Zielsetzung, nämlich energetische Kräfte sichtbar
und spürbar werden zu lassen, vollkommen entspricht.
Die Kunsthalle St. Annen kann während
der Öffnungszeiten, dienstags bis freitags von 10 bis 16 Uhr, sonnabends
und sonntags von 11 bis 17 Uhr, besichtigt werden. +++
