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Heimgekehrte Abendmusik nach 231 Jahren wieder aufgeführt

020856RK 2002-11-12

Am 2. Advent, 8. Dezember, um 18 Uhr findet in der Lübecker St. Marien-Kirche wieder eine “Abendmusik” statt. Zum ersten Mal seit der Uraufführung im Jahr 1771 erklingt das Weihnachtsoratorium von Adolph Carl Kunzen (1720 - 1781) “Die Hirten auf dem bethlehemitischen Felde”. Im zweiten Weltkrieg wurde die Partitur zusammen mit vielen anderen wertvollen Altbeständen aus der Stadtbibliothek Lübeck ausgelagert, gelangte über Umwege nach St. Petersburg und wurde 1991 im Rahmen des deutsch-russischen Kulturabkommens zurückgegeben.

Unter der Leitung von Joachim Walter musizieren Dorothea Gotthelf, Sopran, Tanya Aspelmeier, Sopran, Peter Bartels, Tenor, Christoph Lauer, Tenor, und Ulf Bästlein, Bass, mit dem Mecklenburgischen Barock-Orchester “Herzogliche HofKapelle” auf historischen Instrumenten in alter Stimmung. Außerdem singen der Lutherchor (Einstudierung Joachim Walter) und der Studentische Kammerchor Lübeck (Einstudierung Eva-Maria Salomon).

Der Bereich Kunst und Kultur der Hansestadt hat in Zusammenarbeit mit der Stadtbibliothek und der Kirchengemeinde St. Marien im Bachjahr 2000 die Tradition der schon im 17. Jahrhundert weltberühmten Lübecker Abendmusiken mit geistlichen Kantaten von Tunder und Buxtehude wiederbelebt. Adolph Carl Kunzen, einer der Nachfolger Buxtehudes als Marienorganist, setzte dessen auf fünf Sonntage um die Wende des Kirchenjahrs verteilte oratorische Großform fort. Sieben Partituren von Kunzen sind in der Stadtbibliothek jetzt wieder verfügbar. Sie sollen in den nächsten Jahren im Rahmen der Reihe Lübecker Abendmusiken zum Klingen gebracht werden.

Adolph Carl Kunzens letztes Oratorium “Die Hirten auf dem bethlehemitischen Felde” von 1771 steht in Tradition der berühmten Abendmusiken von St. Marien Lübeck, der vermutlich ältesten Konzertreihe der Welt. Der aus einer Musikerfamilie stammende Adolph Carl Kunzen schuf mit diesem Werk ein Oratorium von dramatischer Dichte in der Tonsprache des “Empfindsamen Stils”. Kunzens bildhafte kompositorische Sprache wie auch seine originelle Behandlung des Orchesters machen diese Abendmusik zu einem wichtigen Beitrag zur Gattung des Oratoriums der Frühklassik.

Der Eintritt kostet 14, ermäßigt sieben Euro. Karten sind im Vorverkauf ab Sonnabend, 16. November, über das Musikhaus Ernst Robert, Breite Straße, und das Klassik-Kontor, Aegidienstraße, erhältlich. +++


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