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1. Spatenstich für die Nordtangente in Lübeck
Am heutigen 11. November haben
Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Dr. Bernd Rohwer und Bausenator Dr.
Volker Zahn gemeinsam den ersten Spatenstich für die Nordtangente gesetzt.
Nachdem der Grunderwerb, die Flächenräumungen und die vorbereitenden
Baumaßnahmen weitgehend abgeschlossen sind, bildet der erste Spatenstich
in der Neuen Hafenstraße den offiziellen Startschuß für den Bau
der Nordtangente. Für die Realisierung wurde die Nordtangente in die drei
großen Abschnitte Einsiedelstraße - Nordtangentenbrücke - Neue
Hafenstraße geteilt.
Begonnen wird in der Neuen
Hafenstraße. Der Baustellenbereich erstreckt sich von der Einmündung
der Konstinstraße in die Neue Hafenstraße rund 400 Meter Richtung
Norden und umfaßt in der Breite neben der Neuen Hafenstraße Teile
der östlich angrenzenden Grundstücke und große Teile des
Konstinkais bis einschließlich des Brückenwiderlagers. Das ist eine
Fläche von rund 16 000 Quadratmetern. Vor dem Brückenwiderlager
muß eine bis zu sechs Meter hohe Auffahrtsrampe angeschüttet werden.
Da der Untergrund in diesem Bereich aus etwa fünf Metern locker gelagerten
Auffüllungen besteht, der bis in eine Tiefe von 15 Metern von weichen
Mudden und Torfen unterlagert wird, würden unter der Auflast des Dammes
starke Setzungen auftreten. Diese Verformungen würden an der neuen
Straße und den neuen Leitungen zu Schäden führen. Um diese zu
vermeiden, wird eine Baugrundverbesserung mittels Rüttelstopfsäulen
durchgeführt, die in einem komplizierten Bauablaufplan eng mit den in Folge
der Nordtangente notwendigen Verlegungen der Ver- und Entsorgungsleitungen der
Entsorgungsbetriebe Lübeck und der Energie und Wasser Lübeck GmbH
verzahnt ist.
Bei diesem Verfahren der
Baugrundverbesserung wird mit einem speziell entwickelten Tiefenrüttler
Kiessand in den Untergrund “gestopft”. Der Tiefenrüttler
besteht aus einem zylindrischen Körper mit einem Durchmesser von etwa 40
Zentimetern, in dem durch eine Unwucht Schwingungen erzeugt werden. Dieser
Rüttler wird von einer Aktivierungsraupe mit Vibrationsunterstützung
in den Untergrund gedrückt. Hat er die vorgesehene Tiefe von 13 bis 15
Metern erreicht, tritt beim Ziehen des Rüttlers Kiessand an der Spitze aus,
der beim Wiederversenken seitlich in den Boden verdrängt wird. Durch
mehrmaliges Wiederholen des Versenkens und Ziehens entsteht im Untergrund eine
hochgradig verdichtete Kiessäule, die im Baugrund eingespannt ist. Es
werden also zusätzlich mineralische Stoffe in den Untergrund
“gestopft”. Im Verbund der Kiesstopfsäulen mit dem verdichteten
Baugrund können die später aufgebrachten Lasten ohne
größere Verformungen in den Untergrund eingetragen
werden.
Baugrundverbesserung und
Leitungsverlegungen einschließlich des Herstellens einer Umfahrung des
zukünftigen Baustellenbereiches der Nordtangentenbrücke werden Ende
2003 abgeschlossen sein. Die Baugrundverbesserung auf der Fläche des
zukünftigen Brückenwiderlagers ist Voraussetzung für den Bau der
Nordtangentenbrücke.
Der an den Teilabschnitt Neue
Hafenstraße anschließende Mischwasserkanal der Entsorgungsbetriebe
Lübeck muß dringend erneuert werden. Der Neubau des Kanals bis zum
Pumpwerk durch die Entsorgungsbetriebe im Anschluß an den Leitungsneubau
in Folge der Nordtangente wurde mit den Baumaßnahmen der Nordtangente in
der Neuen Hafenstraße gekoppelt und wird in einem Zug
durchgeführt.
Der Hafenverkehr entlang des Konstinkais
wird während des Baus der Nordtangentenbrücke zwischen
Brückenwiderlager und der Neuen Hafenstraße geführt, also im
Bereich des zukünftigen Straßendammes, so daß
Dammschüttung und Straßenbau erst gegen Ende des Baues der
Nordtangentenbrücke, wenn der Hafenverkehr unter der fertig gestellten
Brücke an der Kaikante geführt werden kann, erfolgen können. Dies
wird voraussichtlich zur Jahreswende 2004 der Fall sein.
Die Straßen- und Leitungsplanungen
wurden vom Ingenieurbüro Masuch und Olbrisch aus Oststeinbek
durchgeführt. Mit den Baugrunduntersuchungen und der Planung für die
Baugrundverbesserung war das Erd- und Grundbauinstitut in Hamburg beauftragt.
Die Altlastenuntersuchungen nahm das Hanseatische Umwelt-Kontor, Lübeck,
vor. Die Lübecker Landschaftsarchitekten Trüper, Gondesen, Partner
zeichnen für die landschaftspflegerische Begleitplanung der Nordtangente
verantwortlich. Mit der Bauausführung wurde die Bietergemeinschaft
Bergemann-Gräper, Lübeck, Keller Grundbau, Fallingbostel,
beauftragt.
Der Gesamtinvestitionsbedarf für die
Nordtangente liegt bei rund 72 Millonen Euro. Das Land Schleswig-Holstein
beteiligt sich mit einer sehr großzügigen Unterstützung an der
Finanzierung. Das Land Schleswig-Holstein hat die Höchstförderung nach
dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz / Finanzausgleichsgesetz zugesagt, die
bei rund 48 Millonen Euro für die Gesamtmaßnahme
liegt.
Für den Teilabschnitt Neue
Hafenstraße liegen die Baukosten bei rund 12 Millonen Euro. Auf
Vermittlung des Ministeriums für Wirtschaft, Technologie und Verkehr des
Landes Schleswig-Holstein konnte über das Bundesministerium für
Verkehr, Bau- und Wohnungswesen bei der Europäischen Kommission eine
Förderung aus Mitteln des Transeuropäischen Verkehrsnetzes für
den Teilabschnitt Neue Hafenstraße erreicht werden. Insgesamt
gewährte die Kommission mit ihrer Entscheidung aus dem Dezember 2001
für zehn deutsche Projekte rund 25 Millonen Euro. Für die Neue
Hafenstraße wird die Höchstförderung von zehn Prozent, das sind
hier 1,2 Millonen Euro, gewährt. Nach der Entscheidung der Kommission legte
das Ministerium für Wirtschaft, Technologie und Verkehr des Landes
Schleswig-Holstein fest, daß der EU-Gemeinschaftszuschuß
ausschließlich dem Eigenanteil der Hansestadt Lübeck zugute kommt,
also keinen Einfluß auf die Förderung seitens des Landes
hat.
Zur Entlastung des kommunalen
Finanzanteiles bewilligte das Innenministerium des Landes Schleswig-Holstein
für das Jahr 2001 als Projektförderung für den Bau der
Nordtangente eine Sonderbedarfszuweisung in Höhe von rund 1,9 Millonen
Euro. +++
