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Bürgermeister Saxe gibt grünes Licht für
Marktbebauung
Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe
hat heute, Montag, 23. Juli, nach einem intensiven Prüfungs- und
Abwägungsprozeß grünes Licht für die Marktbebauung gegeben.
Saxe: “Im Ergebnis bin ich zu der
Überzeugung gekommen, daß die Einwände der Denkmalpflege in der
Abwägung aller zu berücksichtigen Gesichtspunkte nicht gewichtig genug
sind, um eine Ablehnung des Bauvorhabens zu
rechtfertigen.”
Somit stehe der Beseitigung von
Lübecks prominentestem Schandfleck durch eine städtebauliche
Neuordnung nichts mehr im Wege. Vorgesehen ist eine gemischte Nutzung mit
Einzelhandel, Gastronomie und Büros. Bereits in der Vorwoche hatte
Bausenator Dr. Volker Zahn auf Grundlage des überarbeiteten Entwurfs
mitgeteilt, daß die planungsrechtliche Genehmigungsfähigkeit des
Bauvorhabens gegeben sei.
Nach dem Denkmalschutzgesetz
Schleswig-Holstein nimmt in der Hansestadt Lübeck der Bürgermeister
die Aufgaben der oberen Denkmalschutzbehörde wahr. In Zweifels- und
Streitfällen entscheidet er nach Abwägung aller betroffenen Belange
über denkmalpflegerische Einwände gegen geplante Veränderungen an
oder im Umfeld von Gebäuden oder Anlagen, die unter Denkmalschutz
stehen.
Saxe: “Die erhobenen Einwände
und Bedenken des Bereichs Denkmalpflege sind ernst zu nehmen. Ich habe sie daher
sorgfältig, nach pflichtgemäßem Ermessen abgewogen und zu diesem
Zwecke eine Reihe von Gesprächen mit Institutionen, Persönlichkeiten
des öffentlichen Lebens und natürlich mit dem Bereich Denkmalpflege
geführt, um verschiedene Meinungen und Argumente zum geplanten Bauvorhaben
einzuholen.”
Der Bereich Denkmalpflege stellte
einerseits fest, das weder die alte Post noch das Stadthaus Kulturdenkmale von
besonderer Bedeutung sind. Deshalb sieht sie mit einem modernen Neubau an dieser
Stelle eine gute Chance zur Wiederbelebung des Marktes. Die Denkmalpflege
erkennt ausdrücklich die gute Qualität des jetzt vorgelegten Entwurfs
an und würdigt die Verbesserungen, die durch die Überarbeitung
gegenüber dem ersten Entwurf erreicht wurden.
Andererseits hat die Denkmalpflege aber
Bedenken gegen einen räumlichen Maßstabsbruch. Sie sieht in diesem
Zusammenhang eine Umorientierung in der Rangfolge der Bauten, die den Markt
umgeben. Die bislang an dieser Stelle dominierenden Großdenkmale Rathaus
und Marienkirche stünden in Gefahr, optisch ins Abseits zu
geraten.
Nach Ansicht des Bürgermeisters
müssen aber in diesem Fall neben den denkmalpflegerischen Erwägungen
auch Gesichtspunkte berücksichtigt werden, die für die Bedeutung der
Hansestadt als Oberzentrum der Region gewichtig sind.
Danach sind die möglichen
Auswirkungen des geplanten Neubaus des Architekturbüros Ingenhoven &
Overdiek auf das historische Ensemble weniger gravierend als die Fortsetzung des
derzeitigen Zustandes im Herzen Lübecks, so die Einschätzung von Saxe:
“Seit über einem halben Jahrzehnt stehen mit dem alten
Postgebäude und dem nebenstehenden ehemaligen Stadthaus rund ein Drittel
der gesamten Marktbebauung leer und bieten ruinengleich einen äußerst
abschreckenden Anblick an Lübecks guter Stube. Dieser Mißstand ist
nicht länger hinzunehmen.”
“Im übrigen kann die Hansestadt
Lübeck in Anbetracht ihrer Finanzsituation wie im Hinblick auf die Lage am
Arbeitsmarkt auf private Investitionen und die durch sie geschaffenen
Arbeitsplätze nicht verzichten”, stellt der Bürgermeister weiter
fest.
Der sogenannten “kleinteiligen
Lösung” des prämierten Entwurfs eines Ideenwettbewerbs von
1995/96 wäre nach Ansicht Saxes aus städtebaulicher Sicht zweifellos
der Vorzug zu geben gewesen. Aber die vielfältigen Bemühungen der
letzten Jahre hätten gezeigt, daß kein Investor sich - insbesondere
aus Gründen der Wirtschaftlichkeit - in der Lage sah, den
Wettbewerbsentwurf umzusetzen.
“Für nicht
nachvollziehbar” hält Saxe den Einwand, daß Einzelhandel am
Markt keine Existenzberechtigung habe. “Der Markt ist - wie der Name schon
sagt - seit Jahrhunderten ein Ort von Handel und Wandel gewesen. Die Hansestadt
Lübeck verdankt ihre historische Bedeutung als Königin der Hanse ihren
vielfältigen und weit verzweigten Handelsaktivitäten und wurde
über Jahrhunderte zu einer der bedeutendsten Handelsmächte in der
damals bekannten Welt. Daher kehrt mit der geplanten Einzelhandelsnutzung ein
Stück gelebter Handelstradition an den Markt
zurück.”
Die Hansestadt Lübeck und
insbesondere ihre Altstadt als Einzelhandelsstandort brauchen laut Saxe dringend
einen Zuwachs an Zentralität und Attraktivität, wie immer wieder von
den Wirtschaftsverbänden wie zum Beispiel der IHK zu Lübeck gefordert
wurde.
Saxe abschließend: “Ich bin
zuversichtlich, mit diesem Bauvorhaben und der vorgesehenen Nutzung dem Ziel ein
gutes Stück näher zu kommen. Politik und Verwaltung, Wirtschaft und
Verbände müssen gemeinsam weiter mit Nachdruck daran arbeiten,
bestehende Leerstände in der Altstadt neuen Nutzungen zuzuführen und
die Voraussetzungen für eine Steigerung der Attraktivität Lübecks
als Einhandelsstandort zu schaffen.” +++
