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Höchste Lübecker Ehrung für Professor Friedhelm
Döhl
Die Hansestadt Lübeck hat ihre
Goldene Ehrengedenkmünze “Bene Merenti” an den Komponisten
Professor Dr. Friedhelm Döhl verliehen. Die Ehrung am Dienstag, 17. Juli,
im historischen Rathaus erfolgte “in Würdigung und dankbarer
Anerkennung seines hochrangigen kompositorischen Schaffens und seiner
herausragenden Verdienste um das Kultur- und Geistesleben in der
Hansestadt”, wie es in der Ehrenurkunde wörtlich heißt. Im
Anschluß an die Verleihung durch Bürgermeister Bernd Saxe trug sich
der Geehrte vor rund 100 geladenen Gästen aus Kultur und Politik in das
Goldene Buch der Hansestadt ein.
Saxe hob in seiner Laudatio besonders die
geistige Freiheit des “anarchistischen Patrioten” hervor, mit der er
unabhängig vom Zeitgeist Partei ergreife für das Menschliche und uns
als Künstler stellvertretend das Brüchige, aber auch das
Abgründige der menschlichen Existenz vor Augen führe.
Die Hochschulprofessoren Jörg
Linowitzki mit Till Baumann, beide Kontrabaß, und James Tocco, Klavier,
ehrten ihren Kollegen mit zwei kurzweiligen Werkproben ebenso wie der Bariton
Ulf Bästlein, dessen jiddischer Gesang vom Komponisten selbst am Akkordeon
begleitet wurde.
Die Goldene Ehrengedenkmünze
“Bene merenti” (“Dem Wohlverdienten”) wurde 1835 vom
Lübecker Senat geschaffen “für Anerkennung von Verdiensten
Einzelner”. Sie war gedacht als Alternative für die feudalistisch
geprägten Verdienstorden, deren Tragen als sichtbare Heraushebung einzelner
aus der Masse der Mitbürger als anstößig galt in
republikanischen Staatswesen, vor allem in den größeren
Hansestädten. 51 mal wurde die von Adolf Menzel gestaltete Goldmünze
bisher verliehen, darunter an noch heute - zumindest durch Straßennamen -
bekannte Lübecker Persönlichkeiten wie Behn, Curtius, Eschenburg,
Fehling, Hach, Rehder, Roeck. Döhl ist der siebte “Bene
merenti” - Geehrte seit dem 2. Weltkrieg nach Hermann Eschenburg (1952),
Georg Kalkbrenner (1955), Otto Passarge (1961), Adolf Ehrtmann (1970), Gerhard
Gaul (1982) und Uwe Röhl (1998).
Professor Dr. Friedhelm Döhl ist eine
der wenigen herausragenden künstlerischen und intellektuellen
Persönlichkeiten Lübecks von nationalem und internationalem Rang. Als
Komponist wird er - wie vor ihm Tunder, Buxtehude und Distler - in die
europäische Musikgeschichte eingehen. Schon jetzt wird sein Werk weltweit
in allen einschlägigen Fachlexika ausführlich gewürdigt. Als
einziger lebender Lübecker Künstler wurde er - abgesehen von Grass -
in den Brockhaus aufgenommen.
Ein großes und vielfältiges
kompositorisches Gesamtwerk von über 100 aufgeführten und verlegten
Werken liegt vor. Als ausgeprägter Individualist, der keiner Schule
angehört, hat er immer seinen ganz persönlichen künstlerischen
Stil gefunden. Die tragende Kraft von Döhls Musik liegt in der
gleichrangigen Verbindung von intellektueller Reflektion und emotionaler Tiefe.
Seine Musik erreicht den Hörer unmittelbar, weil sie hörbar ist,
Assoziationen weckt und die ewigen Menschheitsthemen anspricht. Dabei
knüpft er häufig an Vorlagen aus Musik, Literatur und Kunst
an.
Seine hochgradige Bildung als Musik-,
Kunst- und Literaturwissenschaftler, sein kulturhistorisches und
gesellschaftspolitisches Interesse macht ihn aber auch zu einem ausgezeichneten
Lehrer für seine Schüler, die - im humanistischen Sinne - bei ihm weit
mehr lernen als Töne setzen. Die Kompositionsklasse Döhl an der
Musikhochschule Lübeck hat seit 1982 einen ausgezeichneten Ruf und schon
zahlreiche erfolgreiche Komponisten hervorgebracht.
In seine Ägide als Rektor der
Musikhochschule Lübeck von 1991 - 1994 fiel die neue Hochschulverfassung,
die Eröffnung des neuen großen Konzertsaals, Hochschulwettbewerb und
Rektorenkonferenz sowie das 60jährige Jubiläum der Hochschule. Das von
ihm vor zehn Jahren gegründete Brahms-Festival ist ein wichtiger
Identitäts- und Imagefaktor nicht nur für die Hochschule, sondern auch
für die Musikstadt Lübeck und das Land Schleswig-Holstein. Unter
Döhl entwickelte sich die Hochschule zu einem viel beachteten Kulturzentrum
mit einem täglichen kostenlosen Konzertangebot. Hochrangige Bildende
Künstler wie Johannes Grützke und Günter Uecker schufen in seinem
Auftrage Kunstwerke zum Thema Brahms.
Auch seit Ablauf seines Rektorats
engagiert sich Döhl - mehr im Hintergrund, unter anderem in Gremien wie dem
St. Petri-Kuratorium - als kritisch-konstruktiver Geist und unbequemer Denker
zum Wohle der Hansestadt Lübeck. Seine mahnende Stimme als Verteidiger
humanistischer Werte hat Gewicht.
Jedoch ist nicht nur das kultur- und
gesellschaftspolitische Wirken Döhls für die Stadt von Bedeutung,
sondern immer wieder auch sein kompositorisches Schaffen. Seine einzige Oper
“Medea” schrieb er 1990 als Auftragswerk des Landes
Schleswig-Holstein für die Bühnen der Hansestadt Lübeck. Durch
widrige Umstände erfolgte die Uraufführung 1990 dann aber in
Kiel.
Immer wieder bringt sich der Komponist
auch in intermediären Projekten in Lübeck ein. Zuletzt in zwei auf
Anregung des Bereichs Kunst und Kultur entstandenen Raummusiken, die mit zwei
aktuellen Kunstwerken korrespondierten: “CUBECRACKS” für vier
Schlagzeuger zu H.D. Schraders Skulpturen in St. Katharinen und “Musik
für 12 Posaunen” zu Peter Turpins “Dienst an der
Pforte” vor der Musik- und Kongreßhalle.
Die Lübecker Bürgerschaft war
sich am 31. Mai einig: “Nach fast 20jährigem Leben und Wirken in
Lübeck als erfolgreicher Künstler, Lehrer, Denker und Kulturgestalter
in unserer Stadt hat er die hohe Auszeichnung “Bene merenti”
für seine herausragenden und einmaligen Leistungen verdient!”
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