Donnerstag, 17.05.2012 5°C

Schnellsuche

Externe Links

Weitere Informationen

Service

Digitales Pressedienstarchiv

Höchste Lübecker Ehrung für Professor Friedhelm Döhl

010533RK 2001-07-17

Die Hansestadt Lübeck hat ihre Goldene Ehrengedenkmünze “Bene Merenti” an den Komponisten Professor Dr. Friedhelm Döhl verliehen. Die Ehrung am Dienstag, 17. Juli, im historischen Rathaus erfolgte “in Würdigung und dankbarer Anerkennung seines hochrangigen kompositorischen Schaffens und seiner herausragenden Verdienste um das Kultur- und Geistesleben in der Hansestadt”, wie es in der Ehrenurkunde wörtlich heißt. Im Anschluß an die Verleihung durch Bürgermeister Bernd Saxe trug sich der Geehrte vor rund 100 geladenen Gästen aus Kultur und Politik in das Goldene Buch der Hansestadt ein.

Saxe hob in seiner Laudatio besonders die geistige Freiheit des “anarchistischen Patrioten” hervor, mit der er unabhängig vom Zeitgeist Partei ergreife für das Menschliche und uns als Künstler stellvertretend das Brüchige, aber auch das Abgründige der menschlichen Existenz vor Augen führe.

Die Hochschulprofessoren Jörg Linowitzki mit Till Baumann, beide Kontrabaß, und James Tocco, Klavier, ehrten ihren Kollegen mit zwei kurzweiligen Werkproben ebenso wie der Bariton Ulf Bästlein, dessen jiddischer Gesang vom Komponisten selbst am Akkordeon begleitet wurde.

Die Goldene Ehrengedenkmünze “Bene merenti” (“Dem Wohlverdienten”) wurde 1835 vom Lübecker Senat geschaffen “für Anerkennung von Verdiensten Einzelner”. Sie war gedacht als Alternative für die feudalistisch geprägten Verdienstorden, deren Tragen als sichtbare Heraushebung einzelner aus der Masse der Mitbürger als anstößig galt in republikanischen Staatswesen, vor allem in den größeren Hansestädten. 51 mal wurde die von Adolf Menzel gestaltete Goldmünze bisher verliehen, darunter an noch heute - zumindest durch Straßennamen - bekannte Lübecker Persönlichkeiten wie Behn, Curtius, Eschenburg, Fehling, Hach, Rehder, Roeck. Döhl ist der siebte “Bene merenti” - Geehrte seit dem 2. Weltkrieg nach Hermann Eschenburg (1952), Georg Kalkbrenner (1955), Otto Passarge (1961), Adolf Ehrtmann (1970), Gerhard Gaul (1982) und Uwe Röhl (1998).

Professor Dr. Friedhelm Döhl ist eine der wenigen herausragenden künstlerischen und intellektuellen Persönlichkeiten Lübecks von nationalem und internationalem Rang. Als Komponist wird er - wie vor ihm Tunder, Buxtehude und Distler - in die europäische Musikgeschichte eingehen. Schon jetzt wird sein Werk weltweit in allen einschlägigen Fachlexika ausführlich gewürdigt. Als einziger lebender Lübecker Künstler wurde er - abgesehen von Grass - in den Brockhaus aufgenommen.

Ein großes und vielfältiges kompositorisches Gesamtwerk von über 100 aufgeführten und verlegten Werken liegt vor. Als ausgeprägter Individualist, der keiner Schule angehört, hat er immer seinen ganz persönlichen künstlerischen Stil gefunden. Die tragende Kraft von Döhls Musik liegt in der gleichrangigen Verbindung von intellektueller Reflektion und emotionaler Tiefe. Seine Musik erreicht den Hörer unmittelbar, weil sie hörbar ist, Assoziationen weckt und die ewigen Menschheitsthemen anspricht. Dabei knüpft er häufig an Vorlagen aus Musik, Literatur und Kunst an.

Seine hochgradige Bildung als Musik-, Kunst- und Literaturwissenschaftler, sein kulturhistorisches und gesellschaftspolitisches Interesse macht ihn aber auch zu einem ausgezeichneten Lehrer für seine Schüler, die - im humanistischen Sinne - bei ihm weit mehr lernen als Töne setzen. Die Kompositionsklasse Döhl an der Musikhochschule Lübeck hat seit 1982 einen ausgezeichneten Ruf und schon zahlreiche erfolgreiche Komponisten hervorgebracht.

In seine Ägide als Rektor der Musikhochschule Lübeck von 1991 - 1994 fiel die neue Hochschulverfassung, die Eröffnung des neuen großen Konzertsaals, Hochschulwettbewerb und Rektorenkonferenz sowie das 60jährige Jubiläum der Hochschule. Das von ihm vor zehn Jahren gegründete Brahms-Festival ist ein wichtiger Identitäts- und Imagefaktor nicht nur für die Hochschule, sondern auch für die Musikstadt Lübeck und das Land Schleswig-Holstein. Unter Döhl entwickelte sich die Hochschule zu einem viel beachteten Kulturzentrum mit einem täglichen kostenlosen Konzertangebot. Hochrangige Bildende Künstler wie Johannes Grützke und Günter Uecker schufen in seinem Auftrage Kunstwerke zum Thema Brahms.

Auch seit Ablauf seines Rektorats engagiert sich Döhl - mehr im Hintergrund, unter anderem in Gremien wie dem St. Petri-Kuratorium - als kritisch-konstruktiver Geist und unbequemer Denker zum Wohle der Hansestadt Lübeck. Seine mahnende Stimme als Verteidiger humanistischer Werte hat Gewicht.

Jedoch ist nicht nur das kultur- und gesellschaftspolitische Wirken Döhls für die Stadt von Bedeutung, sondern immer wieder auch sein kompositorisches Schaffen. Seine einzige Oper “Medea” schrieb er 1990 als Auftragswerk des Landes Schleswig-Holstein für die Bühnen der Hansestadt Lübeck. Durch widrige Umstände erfolgte die Uraufführung 1990 dann aber in Kiel.

Immer wieder bringt sich der Komponist auch in intermediären Projekten in Lübeck ein. Zuletzt in zwei auf Anregung des Bereichs Kunst und Kultur entstandenen Raummusiken, die mit zwei aktuellen Kunstwerken korrespondierten: “CUBECRACKS” für vier Schlagzeuger zu H.D. Schraders Skulpturen in St. Katharinen und “Musik für 12 Posaunen” zu Peter Turpins “Dienst an der Pforte” vor der Musik- und Kongreßhalle.

Die Lübecker Bürgerschaft war sich am 31. Mai einig: “Nach fast 20jährigem Leben und Wirken in Lübeck als erfolgreicher Künstler, Lehrer, Denker und Kulturgestalter in unserer Stadt hat er die hohe Auszeichnung “Bene merenti” für seine herausragenden und einmaligen Leistungen verdient!” +++


Zurück zur Übersicht