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Stadtbibliothek erfreut sich großer Beliebtheit

010498LK 2001-07-03

Über mehrere interessante Neuigkeiten haben heute Mitarbeiter der Lübecker Stadtbibliothek während einer Pressekonferenz informiert. So stellten Bibliotheksdirektor Dr. Jörg Fligge und Renate Weigel, Leiterin der Benutzungsabteilung, die Ergebnisse einer Kundenbefragung vor. Diese fand im zweiten Halbjahr vergangenen Jahres statt. Bei der Befragung wurden rund 1000 Nutzer interviewt. Ziel war es in erster Linie, Näheres über die Benutzerstruktur, die Zufriedenheit mit der Angebotspalette und die Servicequalität zu erhalten. Die Befragung konzentrierte sich auf den Erwachsenenbereich der Zentralbibliothek.

Die Auswertung ergab, daß fast die Hälfte der Nutzer junge Menschen bis 30 Jahre sind. Mehr als die Hälfte aller Nutzer sind Frauen und drei Viertel aller Nutzer haben Abitur oder einen Studienabschluß. Die Stadtbibliothek wird einerseits besucht, um Fachliteratur und Information zu erhalten, andererseits aber auch, um zu lesen (Belletristik, Romane) sowie Informationen zu verschiedenen Hobbybereichen zu bekommen. Die befragten Nutzerinnen und Nutzer bewerten Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft des Personals eindeutig positiv: 85,9 Prozent vergaben die Noten sehr gut und gut. Ein von gut einem Drittel der Befragten geäußerter Wunsch war, daß das Literaturangebot noch umfassender und aktueller sein sollte. Das Medienangebot ist, vom Benutzer aus gesehen, die wichtigste Meßlatte für eine Bibliothek überhaupt.

Der Jahresbericht 2000, den Dr. Fligge vorstellte, zeigte das breite Spektrum der Lübecker Stadtbibliothek: Dienstleistungen in der Zentrale werden flankiert von wissenschaftlichen Aktivitäten und solchen mit Breitenwirkung im Stadtteil. Die Stadtbibliothek hat erneut versucht, ihr Konzept als Public Library, als “Bibliothek für jedermann” oder “Vom alten Buch bis zum Internetservice”, gerecht zu werden. Hervorzuheben ist im Jahr 2000 eine Steigerung der Ausleihen um knapp drei Prozent, wobei die Zentralbibliothek eine Steigerungsquote von fast sieben Prozent hatte. Die Zweigstellen wurden mit ihren Minus von rund sieben Prozent ganz offensichtlich Opfer der Spardiskussion. Die Nachfrageintensität hängt wesentlich vom Medienetat ab, der allerdings zwischenzeitlich um 100 000 Mark gekürzt wurde.

Im Bibliotheks-Shop werden zur Zeit 42 Produkte zum Kauf angeboten, wie der Leiter der Musikabteilung, Arndt Schnoor, erläuterte. Die Produktpalette reicht vom Buch, über Noten und CDs bis hin zu Postkarten und einer Kunst- und Kulturkarte für das Land Schleswig-Holstein. Das Buchangebot umfaßt vor allem Titel, die sich mit Themen der Bibliothek, wie zum Beispiel Bestandskataloge, einem Bibliotheksführer oder auch Ausstellungskatalogen oder aber mit Lübeck beschäftigen.

Die Noteneditionen sollen zur Verbreitung wenig bekannter Kompositionen aus dem Archivbestand der Stadtbibliothek dienen. Sie umfassen, wie im Fall des Lübecker Orgelbuches, Kompositionen aus mehreren Jahrhunderten. Der gleichen Intention dienen die CD-Veröffentlichungen. So ist zu dem Notenband “Lübecker Orgelbuch” eine CD erschienen, auf der die meisten der im Notenband edierten Kompositionen zu hören sind. Zwei CDs mit historischen Aufnahmen sind bedeutenden Lübecker Musikerpersönlichkeiten (Bruno Grusnick und Walter Kraft) gewidmet.

Dr. Robert Schweitzer, Leiter der Abteilung Wissenschaftliche Dienste und Altbestände, erklärte das abgeschlossene Projekts zur Katalogisierung von Schulprogrammen: Schulprogramme waren in Deutschland bis zum Ersten Weltkrieg verbreitet. Sie hatten sich im Verlauf des 19. Jahrhunderts zu offiziellen Schulzeitschriften entwickelt, die einen Jahresbericht mit Vorschau auf das nächste Schuljahr und oft eine wissenschaftliche Abhandlung enthielten. Die wissenschaftlichen Abhandlungen waren in deutschen Bibliotheken einzeln katalogisiert, aber es war fast unmöglich, festzustellen, ob und wo eine vollständige Jahrgangsreihe solcher Berichte greifbar war. Da es ministerielle Vorschriften gab, worüber die Jahresberichte Nachrichten enthalten mußten, sind Schulprogramme eine besondere Quellengattung für Forschungen auf den Gebieten Schulgeschichte, Geschichte der Pädagogik, historische Bildungssoziologie, Schulvolkskunde und Ideologiegeschichte.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat im Rahmen ihres Förderprogrammes “Erschließung von Spezialbeständen” der Bibliothek der Hansestadt Lübeck ermöglicht, ihre fast 40 000 Hefte umfassende Schulprogrammsammlung, die sie von dem ältesten Gymnasium der Stadt, dem Katharineum, übernommen hat, zu katalogisieren.

Der gedruckte Katalog hat folgende bibliographische Angaben: Katalog der Schulprogrammsammlung der Stadtbibliothek Lübeck. Von Siegrid Kochendörfer, Elisabeth Smolinski und Robert Schweitzer unter datentechnischer Beratung von Michael Piegenschke. Lübeck 2000 (Veröffentlichungen der Stadtbibliothek Lübeck; Reihe 3, Band 12: Verzeichnisse).

Der besondere Nutzen des Projekts besteht freilich darin, daß in dem Katalog die Schulprogramme nach Orten für die jeweiligen Schulen im historischen Verlauf unabhängig von Namens- und Schulformänderungen geschlossen aufgeführt werden.

Nach Beendigung dieses Projekts im zweiten Halbjahr 2000 stehen nun schwer zugängliche Abhandlungen aller Wissensgebiete und langjährige Datenreihen für die oben genannten Gebiete der Schulgeschichtsforschung für die Benutzung vor Ort und zugleich für die überregionale Literaturversorgung zur Verfügung. Die merkliche Steigerung der Fernleihen aus dieser Sammlung in den vergangenen Monaten verdeutlicht die Nachfrage nach dieser besonderen Quellengattung und damit die Notwendigkeit eines gut zugänglichen Verzeichnisses. +++


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