Digitales Pressedienstarchiv
Stadtbibliothek erfreut sich großer Beliebtheit
Über mehrere interessante Neuigkeiten
haben heute Mitarbeiter der Lübecker Stadtbibliothek während einer
Pressekonferenz informiert. So stellten Bibliotheksdirektor Dr. Jörg Fligge
und Renate Weigel, Leiterin der Benutzungsabteilung, die Ergebnisse einer
Kundenbefragung vor. Diese fand im zweiten Halbjahr vergangenen Jahres statt.
Bei der Befragung wurden rund 1000 Nutzer interviewt. Ziel war es in erster
Linie, Näheres über die Benutzerstruktur, die Zufriedenheit mit der
Angebotspalette und die Servicequalität zu erhalten. Die Befragung
konzentrierte sich auf den Erwachsenenbereich der
Zentralbibliothek.
Die Auswertung ergab, daß fast die
Hälfte der Nutzer junge Menschen bis 30 Jahre sind. Mehr als die
Hälfte aller Nutzer sind Frauen und drei Viertel aller Nutzer haben Abitur
oder einen Studienabschluß. Die Stadtbibliothek wird einerseits besucht,
um Fachliteratur und Information zu erhalten, andererseits aber auch, um zu
lesen (Belletristik, Romane) sowie Informationen zu verschiedenen Hobbybereichen
zu bekommen. Die befragten Nutzerinnen und Nutzer bewerten Freundlichkeit und
Hilfsbereitschaft des Personals eindeutig positiv: 85,9 Prozent vergaben die
Noten sehr gut und gut. Ein von gut einem Drittel der Befragten
geäußerter Wunsch war, daß das Literaturangebot noch
umfassender und aktueller sein sollte. Das Medienangebot ist, vom Benutzer aus
gesehen, die wichtigste Meßlatte für eine Bibliothek
überhaupt.
Der Jahresbericht 2000, den Dr. Fligge
vorstellte, zeigte das breite Spektrum der Lübecker Stadtbibliothek:
Dienstleistungen in der Zentrale werden flankiert von wissenschaftlichen
Aktivitäten und solchen mit Breitenwirkung im Stadtteil. Die
Stadtbibliothek hat erneut versucht, ihr Konzept als Public Library, als
“Bibliothek für jedermann” oder “Vom alten Buch bis zum
Internetservice”, gerecht zu werden. Hervorzuheben ist im Jahr 2000 eine
Steigerung der Ausleihen um knapp drei Prozent, wobei die Zentralbibliothek eine
Steigerungsquote von fast sieben Prozent hatte. Die Zweigstellen wurden mit
ihren Minus von rund sieben Prozent ganz offensichtlich Opfer der
Spardiskussion. Die Nachfrageintensität hängt wesentlich vom
Medienetat ab, der allerdings zwischenzeitlich um 100 000 Mark gekürzt
wurde.
Im Bibliotheks-Shop werden zur Zeit 42
Produkte zum Kauf angeboten, wie der Leiter der Musikabteilung, Arndt Schnoor,
erläuterte. Die Produktpalette reicht vom Buch, über Noten und CDs bis
hin zu Postkarten und einer Kunst- und Kulturkarte für das Land
Schleswig-Holstein. Das Buchangebot umfaßt vor allem Titel, die sich mit
Themen der Bibliothek, wie zum Beispiel Bestandskataloge, einem
Bibliotheksführer oder auch Ausstellungskatalogen oder aber mit Lübeck
beschäftigen.
Die Noteneditionen sollen zur Verbreitung
wenig bekannter Kompositionen aus dem Archivbestand der Stadtbibliothek dienen.
Sie umfassen, wie im Fall des Lübecker Orgelbuches, Kompositionen aus
mehreren Jahrhunderten. Der gleichen Intention dienen die
CD-Veröffentlichungen. So ist zu dem Notenband “Lübecker
Orgelbuch” eine CD erschienen, auf der die meisten der im Notenband
edierten Kompositionen zu hören sind. Zwei CDs mit historischen Aufnahmen
sind bedeutenden Lübecker Musikerpersönlichkeiten (Bruno Grusnick und
Walter Kraft) gewidmet.
Dr. Robert Schweitzer, Leiter der
Abteilung Wissenschaftliche Dienste und Altbestände, erklärte das
abgeschlossene Projekts zur Katalogisierung von Schulprogrammen: Schulprogramme
waren in Deutschland bis zum Ersten Weltkrieg verbreitet. Sie hatten sich im
Verlauf des 19. Jahrhunderts zu offiziellen Schulzeitschriften entwickelt, die
einen Jahresbericht mit Vorschau auf das nächste Schuljahr und oft eine
wissenschaftliche Abhandlung enthielten. Die wissenschaftlichen Abhandlungen
waren in deutschen Bibliotheken einzeln katalogisiert, aber es war fast
unmöglich, festzustellen, ob und wo eine vollständige Jahrgangsreihe
solcher Berichte greifbar war. Da es ministerielle Vorschriften gab,
worüber die Jahresberichte Nachrichten enthalten mußten, sind
Schulprogramme eine besondere Quellengattung für Forschungen auf den
Gebieten Schulgeschichte, Geschichte der Pädagogik, historische
Bildungssoziologie, Schulvolkskunde und Ideologiegeschichte.
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat im
Rahmen ihres Förderprogrammes “Erschließung von
Spezialbeständen” der Bibliothek der Hansestadt Lübeck
ermöglicht, ihre fast 40 000 Hefte umfassende Schulprogrammsammlung,
die sie von dem ältesten Gymnasium der Stadt, dem Katharineum,
übernommen hat, zu katalogisieren.
Der gedruckte Katalog hat folgende
bibliographische Angaben: Katalog der Schulprogrammsammlung der Stadtbibliothek
Lübeck. Von Siegrid Kochendörfer, Elisabeth Smolinski und Robert
Schweitzer unter datentechnischer Beratung von Michael Piegenschke. Lübeck
2000 (Veröffentlichungen der Stadtbibliothek Lübeck; Reihe 3, Band 12:
Verzeichnisse).
Der besondere Nutzen des Projekts besteht
freilich darin, daß in dem Katalog die Schulprogramme nach Orten für
die jeweiligen Schulen im historischen Verlauf unabhängig von Namens- und
Schulformänderungen geschlossen aufgeführt werden.
Nach Beendigung dieses Projekts im zweiten
Halbjahr 2000 stehen nun schwer zugängliche Abhandlungen aller
Wissensgebiete und langjährige Datenreihen für die oben genannten
Gebiete der Schulgeschichtsforschung für die Benutzung vor Ort und zugleich
für die überregionale Literaturversorgung zur Verfügung. Die
merkliche Steigerung der Fernleihen aus dieser Sammlung in den vergangenen
Monaten verdeutlicht die Nachfrage nach dieser besonderen Quellengattung und
damit die Notwendigkeit eines gut zugänglichen Verzeichnisses.
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