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Digitales Pressedienstarchiv

990623RK 24. August 1999

Bürgerschaftsmitglieder lesen Goethe in St. Petri

Der 250. Geburtstag von Johann Wolfgang von Goethe, dem zweifellos größten Dichter der Deutschen, ist am Sonnabend, 28. August. Zum Ausklang des Literatursommers erinnert die Hansestadt Lübeck an diesen Tag mit einer Veranstaltung in der Lübecker St. Petri-Kirche, die über das Übliche hinausgeht.

Das Projekt sieht in Goethe nicht nur den großen Künstler, sondern den Repräsentanten seiner Zeit, der in Weimar zwischen 1775 und 1786 vor allem als leitender Politiker eines deutschen Fürstentums tätig war. Goethe läßt sich nicht auf das rein Geistig-Künstlerische reduzieren. Er hat sich in Weimar um die ganz praktischen Dinge des politischen Alltags gekümmert, um den Wegebau, die Bergwerkskommission und das Kriegswesen. Eben dieser Goethe soll in Lübeck in doppeltem Sinne sichtbar werden.

Unter dem Titel "Lübeck liest Goethe" soll es eine intensive Begegnung der politischen Repräsentanten Lübecks mit dem Dichter geben. So lesen in der Petri-Kirche am 28. August Mitglieder der Lübecker Bürgerschaft von 17 bis 1 Uhr aus dem Roman "Wilhelm Meisters Lehrjahre". In den Lesepausen ist Zeit für Gespräche, kann im Internet auf den vorhandenen Goethe-Seiten recherchiert werden und wird Musik von Stephan Kuchel, Saxophon, und John Eckhardt, Kontrabaß, erklingen. Natürlich ist auch für Getränke und einen kleinen Imbiß gesorgt.

Über die Auseinandersetzung mit Goethe wird es zu einer intensiven Begegnung von Kultur, Politik und Wissenschaft in der Lübecker Gegenwart kommen. Das wird auch durch Organisation und Moderation deutlich, die in den Händen von einigen Kulturinstituten der Hansestadt sowie der Medizinischen Universität zu Lübeck, der Musikhochschule und der Fachhochschule Lübeck liegt.

Für die Veranstaltung wurde Goethes Roman "Wilhelm Meisters Lehrjahre" bewußt ausgewählt. Denn das Werk ist nicht nur zum klassischen Bildungsroman in der deutschen Literaturgeschichte geworden, an dem sich alle späteren Autoren, auch Thomas Mann, orientiert haben. In ihm haben auch die praktisch-politischen Erfahrungen Goethes literarische Gestalt gewonnen.

Für die Veranstaltung in der Petri-Kirche wird kein Eintritt erhoben. Als Veranstalter beteiligt sind das St. Petri-Kuratorium, das Buddenbrookhaus, Heinrich-und-Thomas-Mann-Zentrum, Kulturforum Burgkloster, Theater Lübeck, Institut für Medizin- und Wissenschaftsgeschichte der Uni Lübeck, Musikhochschule Lübeck, Fachhochschule Lübeck und Werkhof Lübeck. +++


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