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990110RK 15. Februar 1999

Der diesjährige "Thomas-Mann-Preis" geht an Ruth Klüger

Der diesjährige Thomas-Mann-Preis der Hansestadt Lübeck geht an die in Kalifornien und Göttingen lebende Schriftstellerin Ruth Klüger. Die Hansestadt ehrt damit "eine im besten Sinne provokative und subtile Essayistin, exzellente Literaturwissenschaftlerin und einzigartige autobiographische Erzählerin", heißt es in der Begründung der Jury.

In ihrem Buch "weiter leben" (1992) habe sie den Erfahrungen des Holocaust und des Exils eine den Dialog fordernde und ermöglichende Sprache gegeben, in ihren Essays Katastrophen und Hoffnungen der Humanität in der deutschen Literaturgeschichte sichtbar gemacht. Weiter heißt es in der Begründung: "Mit Ruth Klüger wird eine Schriftstellerin aus jener Generation gewürdigt, die, aus Deutschland verjagt, ein unersetzliches geistiges Erbe lebendig erhalten und unserem Land unverdient zurückgegeben hat."

Ruth Klüger, geboren 1931 in Wien, als Jüdin verschleppt in die Konzentrationslager Theresienstadt, Auschwitz-Birkenau und Christiansstadt, wanderte nach einem Notabitur in Nachkriegsdeutschland 1948 aus in die USA. Sie studierte Germanistik und Anglistik in New York und Berkeley, Kalifornien und lehrte an den Universitäten von Virginia und in Princeton, New York. Heute ist sie Professorin für Literaturwissenschaft an der University of California in Irvine und in Göttingen. Sie ist Mitglied des deutschen P.E.N. und korrespondierendes Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Den Österreichischen Staatspreis für Literaturkritik erhielt sie 1997.

Ruth Klügers Hauptwerke sind neben literaturwissenschaftlichen Studien der autobiographische Bericht "weiter leben. Eine Jugend" (1992) sowie die Essaybände "Katastrophen über deutsche Literatur" (1994) und "Frauen lesen anders" (1996). Aufsehen erregte zuletzt ihr Essay "Von hoher und niedriger Literatur" (1998) über KZ-Kitsch.

Der Thomas-Mann-Preis wurde 1975 von der Hansestadt Lübeck gestiftet. Preisträger waren die Dichter Uwe Johnson, Siegfried Lenz, Günter de Bruyn und Günter Grass sowie die Literaturwissenschaftler und -kritiker Peter de Mendelssohn, Joachim Fest, Marcel Reich-Ranicki und Hans Wysling. Der mit 15 000 Mark dotierte Preis wird alle drei Jahre an Persönlichkeiten verliehen, die sich durch ihr literarisches Wirken ausgezeichnet haben "im Geiste der Humanität, die das Werk von Thomas Mann prägte". Die Verleihung findet am 9. Mai im Scharbausaal der Stadtbibliothek statt. Die Laudatio hält der Kieler Literaturwissenschaftler Professor Dr. Heinrich Detering. +++


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