970492RK 12. September 1997

Lübecks Stadtbibliothek feiert ihr 375jähriges Bestehen

Lübecks Stadtbibliothek, eine der wichtigsten Kultureinrichtungen der Hansestadt, feiert ihr 375jähriges Bestehen. 1622 - nach sechsjähriger Vorarbeit durch den Rat der Stadt, die Geistlichkeit und das Gymnasium - wurde eine Bibliothek eröffnet. Sie war im umgebauten ehemaligen Schlafsaal der Mönche des Katharinenklosters, dem heutigen Scharbausaal, untergebracht und für jeden Bürger der Stadt frei zugänglich.

Aus Anlaß des Jubiläums veranstaltet die Bibliothek der Hansestadt Lübeck vom 22. bis 24. September gemeinsam mit dem Wolfenbütteler Arbeitskreis für Bibliotheksgeschichtete ein internationales bibliothekshistorisches Symposium.

Den Auftakt bildet die Ausstellung: "Ein Lübecker Rechenmeister der Barockzeit: Arnold Möller", die am Freitag, 12. September, in der Katharinenkirche eröffnet wird. Arnold Möller ist in der Katharinenkirche begraben. Auf seinem Epitaph (Gedenktafel), um das die Ausstellung mit Exponaten aus dem 16. und 17. Jahrhundert angeordnet ist, sind in magischen Quadraten wesentliche Daten seines Lebens verschiedeneslüsselt. Die Ausstellung ist bis zum 30. September 1997 zu besichtigen.

Am Sonntag, 14. September, folgt um 11.30 Uhr die Eröffnung der Ausstellung "Buchobjekte von Künstlern aus Norddeutschland" im neogotischen Mantelssaal der Bibliothek. Zwanzig Künstler aus Lübeck und dem norddeutschen Raum setzten sich mit dem Thema "Buch" auseinander. Ab 12.30 Uhr sind weitere Buchobjekte in der Galerie Christine Tillmann, Hundestraße 35, zu sehen. Diese Ausstellung mit dem Titel "Zeichen-Text-Buch" zeigt ausschließlich Arbeiten von Inken N. Woldsen. Beide Ausstellungen sind bis zum 11. Oktober geöffnet.

Am Montag, 22. September, steht um 19.30 Uhr die Vortragsreihe: "Die Lübecker Bibliotheksgründung von 1622. Ein (verspätetes) reformatorisches Ereignis?" auf dem Programm. Diesem Thema ist eine Arbeitsgruppe von Stadtgeschichtetsforschern nachgegangen, darunter die Bauhistorikerin Dipl. Ing. Margrit Christensen. Sie hat die baulichen Etappen der Entwicklung im Quartier um St. Catharinen mit besonderer Berücksichtigung des Scharbausaales untersucht. Dieser Saal ist als Zeugnis einer Saalbibliothek nahezu unverändert erhalten geblieben und gilt als einzigartig.

Am Dienstag, 23. September, 9 Uhr, referiert die Hanse-Historikerin Marie-Louise Pelus-Kaplan von der Universität Paris über die "Historisch-politische Lektüre in Lübeck im 16. und 17. Jahrhundert".

Die Vorträge werden durch eine Ausstellung im ehemaligen Konsistorialzimmer begleitet. In Vitrinen sind bis zum 11. Oktober seltene und kuriose Objekte aus der Gründungszeit der Bibliothek ausgelegt

Den festlichen Höhepunkt bildet am Dienstag, 20 Uhr ein Bibliothekskonzert im historischen Scharbausaal. Es beginnt mit einer Instrumentalsuite aus Tanzsätzen von William Brade, die 1617 in Lübeck gedruckt und vermutlich auch gespielt wurden.

Das bibliothekshistorische Seminar, der Schwerpunkt des Jubiläums, steht unter dem Thema: "Die wissenschaftliche Stadtbibliothek und die Entwicklung kommunaler Bibliotheksstrukturen in Europa seit 1945". Ein Vergleich mit anderen europäischen Ländern soll bei diesem internationalen Seminar das Blickfeld erweitern. Denn die wissenschaftliche Stadtbibliothek ist in mancher Hinsicht ein deutsches Phänomen, oft eine Frucht der Reformation. Andererseits findet man in Italien, Frankreich, England und den Niederlanden ein städtisches Bibliotheksszenario, das zum Vergleich herausfordert: Die italienischen Stadtbibliotheken bewahren in vielen Fällen beachtliche Altbestände und haben inzwischen teilweise auch aktuelle, benutzerbezogene Aufgaben übernommen. Die französischen Stadtbibliotheken verfügen - oft aus der Zeit der Revolution - über alte Bestände und widmen sich ebenfalls der Literaturversorgung. In Großbritannien scheint das Konzept der Public Library eine natürliche Integration verschiedenesiedener Bestände und Aufgaben harmonisch zu ermöglichen.

Referenten aus Deutschland wie Vertreter aus England, Frankreich, Italien, den Niederlanden, Norwegen, Polen und Schweden werden über die Bestände und die Strukturen der jeweiligen Bibliotheken ihres Landes sprechen. +++



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